2026-04-20

Wir sind ungerecht zu Friedrich Merz.


Am 13. April 2026 betitelte Beatrice Achterberg, Redakteurin des rechten Kampfblattes NZZ Deutschland ihren Newsletter «Der andere Blick am Morgen» mit „Er moderiert, wo er entscheiden müsste, und lässt geschehen, wo er führen sollte – Merz erinnert an Merkel“

Doch - wir sind ungerecht zu Friedrich Merz.

Wer kennen ihn doch bereits seit vielen Jahren.

Wir wussten es doch seit langem, dass er von einem glühenden Wunsch förmlich zerfressen wurde – Deutscher Kanzler zu werden, ganz oben zu stehen, mit den Großen dieser Welt an einem Tisch sitzen zu dürfen.

Das war sein Wunsch. Von Regieren war da nicht die Rede und schon gar nicht, wie sie aussehen sollte. Natürlich gehört zu Wahlkampf-Zeiten, jener kurzen Phase, in der das Wahlvolk aus seinem Dämmer gerissen wird, sich wechselseitig mit großen Versprechungen zu übertreffen.

„Wirtschaftswende“ war so ein unspezifisches Schlagwort. Das klang gut. Denn „die Wirtschaft“ machte Sorgen und eine Wende (zum Besseren) wäre angebracht. Seltsamerweise haben wir Friedrich Merz „Wirtschaftskompetenz“ unterstellt. Denn tatsächlich hatte er sich bei seinem Ausflug in die Finanzwelt erfolgreich persönlich bereichert.

Auch Führungsstärke wurde öffentlich bei ihm vermutet. Und in der Tat konnte er sich wie ein wütender Terrier in den Waden seiner politischen Gegner verbeißen.

Aber ist es das, was wir brauchen?

Brauchen wir wirklich wieder einen starken Führer? Von diesem Wunsch sollten wir doch nachhaltig geheilt sein.

Sollte Politik nicht eher Teamwork sein? Sollte der Repräsentant an der Spitze nicht von einem tiefen Konsens im politischen und administrativen Unterbau getragen werden. Klar, dann wäre Minister oder gar Kanzler keine Machtposition mehr.  

Und das wäre gut so. Denn Teamwork ist nur möglich, wenn all diese politischen Grinsepeter, gewissenlosen Karrieremacher oder eitlen Egomanen von wichtigen Ämtern ferngehalten werden.

Und hier wird das eigentliche Drama deutlich. Wir das Volk, sollten einmal in den Spiegel schauen, um den wahren Schuldigen zu identifizieren.

Wir haben Friedrich Merz auf seine aktuelle Position gehievt. Wir haben wissentlich völlig überzogene Erwartungen in seine Fähigkeiten gesetzt. Denn wir kannten ihn seit Jahren. Jede einzelne Person wäre mit der Erfüllung der im Wahlkampf überhöhten Wünsche überfordert gewesen – Friedrich Merz ist es in besonderer Weise.

Aber, es bleibt dabei: Wir tun ihm Unrecht. Die Schuldigen sind wir, die wir uns „nicht für Politik interessieren“, einmal alle 4 oder 5 Jahre zur Wahl gehen und dann auf den lautesten Schreier hereinfallen.

Wir müssen endlich aus unserem Dämmer erwachen, uns organisieren und unsere Zukunft wieder in unsere eigenen Hände nehmen.


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