2026-02-12

Europa als Bundesstaat - eine Notwendigkeit

Warum Europa seinen politischen Weg bis zum Ziel muss, um als geachtete Macht auf der Weltbühne Gehör zu finden, sein Erbe der Aufklärung zu bewahren und sich dafür als multinationaler Bundesstaat neu zu etablieren muss.

Wie ich in meinem Blogbeitrag “Ein Mosaik erwacht – Eine Antrittsrede” vom 7. Februar 2026 bereits angedeutet habe, ist neben den Überresten eines Traums eine tiefer gehende Betrachtung einer angestrebten europäischen Föderation angebracht. Wenn der Hauptzweck des Träumens darin besteht, das Gehirn zu ordnen und Wichtiges von Unwichtigem zu trennen, dann hoffe ich, dass dies nun gelungen ist.

Europa an einer strukturellen Schwelle

Europa diskutiert erneut seine politische Zukunft – nicht aus Begeisterung, sondern aus Notwendigkeit. Unsanft durch die barschen Worte des großen Bruders von jenseits des Atlantiks aus ihrem behaglichen Schlummer gerissen, erkennen die Nationen des “Europa”-Projekts nun, dass unterwürfiges Verhalten nicht länger die Garantie für ein angenehmes Leben ist.

Die Forderungen nach einer europäischen Föderation tauchen daher immer häufiger auf. Neu sind sie allerdings keineswegs. Von Winston Churchill bis Mario Draghi, von Jacques Delors bis zu Alfred Kammer und Gita Bhatt vom IWF – diese Forderung wurde über 60 Jahre lang immer wieder von prominenten Persönlichkeiten erhoben.

Ihre Begründungen veränderten sich im Laufe der Zeit…

  • Vor 1990: Föderalismus als Friedensprojekt,
  • 1990–2010: Föderalismus als Lösung für das Problem der Regierbarkeit,
  • Nach 2016: Föderalismus als geopolitische Notwendigkeit

Und dann ist nichts geschehen.

Jvan Ricciardella, Verteidigungs- und Geopolitikberater, der regelmäßig seine klarsichtigen, aber oft vernichtenden Kommentare zur hilflosen Politik europäischer Staaten auf LinkedIn veröffentlicht, analysiert die Situation in einem Beitrag mit dem Titel “Europa zwischen Illusion und Schwerkraft” (28.01.2026) wie folgt …

Europa sieht sich gern als politisches Subjekt, verhält sich aber zunehmend wie ein geopolitisches Objekt, das von Kräften auseinander gerissen wird, die es weder kontrolliert noch vollständig versteht. 

Märkte ohne Macht, Regeln ohne Strategie, Einheit ohne Souveränität: Das europäische Experiment kollidiert nun mit Geografie, Geschichte und harter Macht, und diese Kollision ist unsanft. 

Dies ist kein Aufruf zu neuen Sonntagsreden oder moralischer Beschwichtigung, sondern der Versuch, Europa so zu betrachten, wie es ist, nicht so, wie es sein möchte.”

Das ist keineswegs eine neue Erkenntnis. Bereits Anfang der 1960er Jahre warnte Charles de Gaulle wiederholt davor, dass Westeuropa Gefahr laufe, übermäßig von der amerikanischen Führung in Sicherheits- und Außenpolitik abhängig zu werden - faktisch ein “Protektorat” in seinen Worten -, wenn es seine eigene strategische Autonomie und politische Souveränität nicht geltend mache.

Die Frage, vor der Europa heute steht, ist nicht, ob ein Bundesstaat theoretisch attraktiv ist, sondern ob die Errungenschaften der europäischen Aufklärung ohne eine solche politische Form, die sie schützen könnte, Bestand haben können. [6]

Welche Kräfte haben uns also in all diesen verlorenen Jahrzehnten zurückgehalten?

Besteht denn jetzt eine Chance auf Erfolg? 

Und falls ja, welche Bedingungen müssen erfüllt sein?

Warum Europa kein Bundesstaat geworden ist

Europas unvollständige politische Struktur ist nicht auf einen Mangel an Ideen oder Befürwortern zurückzuführen. Sie spiegelt tiefgreifende strukturelle Kräfte wider. Die europäischen Staaten sind alte, souveräne und administrativ in sich geschlossene Gebilde. Die Bildung einer Föderation wäre hier keine natürliche Vervollständigung der Staatlichkeit, sondern ein bewusster Akt der Selbstbeschränkung. Da ist mit einem durchaus rationalen, und nicht nur reaktionären politischen Widerstand zu rechnen.

Darüber hinaus fehlt Europa ein geeintes politisches Volk, das bereit wäre, eine dauerhafte Mehrheitsentscheidung in zentralen Souveränitätsfragen zu akzeptieren. Die Integration schritt daher vor allem durch Gerichte, Verordnungen und technokratische Mechanismen voran – effektiv, aber politisch fragil . Diese Kräfte stabilisierten Europa einst. Heute verhindern sie zunehmend seine Weiterentwicklung. [7]

Gleichzeitig fördert die gegenwärtige EU-Architektur eine Integration ohne Verantwortung . Nationale Regierungen profitieren von gemeinsamen Märkten, Stabilitätsmechanismen und kollektiver Regulierung, behalten aber die Möglichkeit, die politische Schuld auf “Brüssel” abzuwälzen. Diese Unklarheit ist wahlpolitisch opportun, aber strategisch schädlich.

Dieser dritte und bei weitem wichtigste Punkt offenbart tiefere strukturelle Widersprüche in der Art und Weise, wie wir unsere repräsentative Demokratie umgesetzt haben.

Alle fünf Jahre wählen wir unsere Abgeordneten. Danach können diese tun, was sie für richtig halten. Wir können nur für Kandidaten stimmen, die es durch eine Auswahl, die machtbesessenen Psychopathen den Aufstieg ermöglicht, auf eine Kandidatenliste geschafft haben. Es sind Berufspolitiker, deren Karrieren ständig gefährdet sind. Ihr Hauptaugenmerk liegt daher auf ihrer Karriere. Sie werden aufgrund ihrer unrealistischen Versprechen gewählt, die unmittelbar nach der Wahl durch feierliche Worte ersetzt und dann schnell wieder vergessen werden. Es ist klar, dass keiner von ihnen freiwillig die gewaltige Aufgabe übernehmen würde, einen Multinationen-Staat namens “Europa” neu zu schaffen.

Die Europäische Union ist keine unvollendete Föderation. Sie ist eine bisher bewusst vermiedene.

Wir brauchen daher nicht nur eine andere Politik – wir müssen sie auch anders betreiben.

Die Kosten der anhaltenden Fragmentierung

Der Weg dorthin mag beschwerlich sein, doch es gibt keine Alternative, wenn die kleinen europäischen Staaten nicht zwischen den Weltmächten zerrieben werden wollen. Bleibt Europa strategisch zersplittert, während sich die Welt konsolidiert, wird es nicht gleich einen dramatischen Zusammenbruch geben. Vielmehr ist eine allmähliche Marginalisierung zu erwarten.

Nach außen hin gibt sich Europa bereits als einheitlicher Wirtschaftsraum und politischer Akteur aus – jedoch ohne einheitliche Institutionen. Dies begünstigt Spaltungsstrategien und schwächt Europas Verhandlungsmacht in den Bereichen Sicherheit, Handel, Technologie und Finanzen. 

Im Inneren wird strategische Abhängigkeit strukturell. Energie, Verteidigung, digitale Infrastruktur und Kapitalmärkte geraten sind nicht unter eigener Kontrolle. Unsere Europäischen Werte werden zwar rhetorisch weiterhin vertreten, verlieren aber ihre Durchsetzbarkeit.

Die Geschichte legt eine einfache Regel nahe: Nur ein Akteur, der von der Außenwelt als unteilbarer Monolith wahrgenommen wird, hat eine Chance, auf der Weltbühne ernst genommen zu werden.

Einheit nach außen, Vielfalt nach innen

Einer der hartnäckigsten Einwände gegen eine europäische Föderation ist die Angst vor Uniformität. Diese Angst beruht auf einem Missverständnis des Föderalismus. Föderationen beseitigen nicht die Vielfalt. Sie stabilisieren sie. [4]

Eine europäische Föderation würde die Autorität dort zentralisieren, wo äußere Kohärenz erforderlich ist – Außenpolitik, Verteidigung, Währungsstabilität, strategische Investitionen –, während Identität, Kultur, Bildung und soziale Modelle dezentralisiert würden. Kulturelle Vielfalt ist innerhalb einer konstitutionellen Föderation besser geschützt als zwischen souveränen Staaten, deren Grenzen existenzielle Bedeutung haben. Föderalismus ist keine Ablehnung von Pluralismus; er ist ein verfassungsrechtliches Instrument, um ihn friedlich zu gestalten.

In Europa wird kultureller Föderalismus bereits praktiziert. Was ihm fehlt, ist die politische Struktur, um ihn unter Druck zu schützen.

Ein Bundesstaat als Bewahrung, nicht als Utopie

Sich heute für einen europäischen Bundesstaat einzusetzen, ist nicht revolutionär. Es ist im tiefsten Sinne konservativ: die Errungenschaften Europas zu bewahren, indem man seine politische Form an die gegenwärtigen Realitäten anpasst.

Eine Föderation verspricht keine gesellschaftliche Utopie. Sie würde die demokratische Klarheit wiederherstellen, Autorität und Verantwortung in Einklang bringen und Europa mit der institutionellen Stärke ausstatten, die für ein Handeln in einer Welt der gefestigten Machtblöcke erforderlich ist. Es geht nicht um die Auflösung von Nationen. Es geht darum sicherzustellen, dass Europas Nationen, Regionen und Bürger in einem System, in dem Fragmentierung zunehmend Abhängigkeit bedeutet, ihre Handlungsfähigkeit behalten. [3]

Unsere Wahl: Gesteuerte Einheit oder unkontrollierter Niedergang?

Europas Wahl besteht nicht mehr zwischen Souveränität und Integration, sondern zwischen institutioneller Stärke und strukturellem Verfall. Der Verbleib in einem losen Staatenbund bewahrt zwar Komfort und Vertrautheit – doch Komfort ist nicht gleichbedeutend mit Resilienz.

Die Vervollständigung der politischen Architektur Europas ist kein Verrat an seiner Vielfalt. Sie ist die Voraussetzung für deren Erhalt.

Und genau aus diesem Grund ist die dritte kurzfristige Säule der dreifachen Mission der “Europäer des Planeten ”, der Partei für Europas Platz in der Welt, die Schaffung eines multinationalen Staates namens “Europa”.

Referenzen

  1. Churchill , W. (1946, 19. September). Die Tragödie Europas [Rede]. Universität Zürich.
    • Die grundlegende Nachkriegsformulierung der “Vereinigten Staaten von Europa” stellte einen historisch legitimen Ausgangspunkt für die föderalistische Interessenvertretung dar.

  2. Spinelli , A., & Rossi, E. (1941/2006). Das Ventotene-Manifest . In B. Nelsen & A. Stubb (Hrsg.), Die Europäische Union: Texte zur Theorie und Praxis der europäischen Integration (S. 47–50). Lynne Rienner.
    • Das klassische konstitutionell-föderalistische Manifest: Föderalisierung als strukturelles Gegenmittel gegen nationalistische Konflikte und die Zersplitterung der europäischen Macht

  3. Fischer , J. (12. Mai 2000). Von der Konföderation zur Föderation: Gedanken zur Endgültigkeit der europäischen Integration [Rede]. Humboldt-Universität zu Berlin.
    • Die deutlichste hochrangige politische Erklärung, die Europas “Endvision” mit einer Föderation verknüpft; wertvoll für die Argumentation institutioneller Angemessenheit und nicht von Idealismus.

  4. Delors , J. (1992). Subsidiarität: Der Schlüssel zur Zukunft Europas . Europäisches Institut für öffentliche Verwaltung.
    • Liefert das Brückenkonzept einer “Föderation von Nationalstaaten” und ermöglicht so eine These des “nach außen föderalen, nach innen pluralen” Systems, die auf dem Subsidiaritätsprinzip basiert.

  5. Verhofstadt , G. (2006). Die Vereinigten Staaten von Europa . Federal Trust.
    • Ein modernes föderalistisches Manifest argumentiert, dass ein konföderales Europa ohne föderale Kapazitäten systemischen Schocks (finanzieller, geopolitischer, technologischer Art) nicht standhalten kann.

  6. Habermas , J. (2012). Die Krise der Europäischen Union: Eine Antwort . Polity Press.
    • Philosophische Grundlage für postnationale Demokratie und konstitutionellen Föderalismus als Fortsetzung des Rationalismus der Aufklärung unter globaler Interdependenz.

  7. Krastev , I., & Holmes, S. (2019). Das Licht, das erlosch: Eine Abrechnung . Penguin.
    • Unerlässlich für die Auseinandersetzung mit Legitimität und Gegenreaktionen: erklärt, warum “Integration durch Verborgenes” selbst dann demokratischen Widerstand auslösen kann, wenn die politischen Argumente stark sind.

  8. Thatcher , M. (1988). Rede vor dem Europakolleg (“Brügger Rede”) . Brügge.
    • Kritik mit Fokus auf kanonische Souveränität; nützlich, um Gegenargumente fair darzustellen und sie dann mit “föderal nach außen / plural nach innen” zu widerlegen.

  9. Bundesverfassungsgericht . (2009). Urteil vom 30. Juni 2009 (Lissabon-Vertrag), BVerfGE 123, 267 .
    • Kernaussage: Die europäische Integration ist verfassungsrechtlich zulässig, aber nur solange Deutschland ein souveräner demokratischer Staat bleibt; die EU darf sich nicht ohne eine ausdrückliche demokratische Neugründung durch das deutsche Volk zu einem Bundesstaat entwickeln.

  10. Polanyi , K. (1944/2001). Die große Transformation . Beacon Press.
    • Nicht EU-spezifisch, aber analytisch aussagekräftig: Märkte benötigen eine politische Einbettung; unterstützt die These, dass Märkte kontinentalen Ausmaßes ohne kontinentale Steuerung instabil sind.

A European Federation as a Preservation Strategy

Why Europe must complete its political formation in order to gain a voice as a respected power on the world stage, preserve its Enlightenment heritage, and possibly re-establish itself as a multinational federal state.

As indicated in my recent Blog post “The Awakening of the Mosaic - An Inaugural Address” on 2026-02-06 besides the remnants of a dream a more in-depth contemplation about an envisioned European Federations is due. If the primary purpose of dreaming is to tidy up the brain and separate the important from the unimportant, then I hope that this has now been accomplished.

Europe at a Structural Threshold

Europe is once again discussing its political future – not out of enthusiasm, but out of necessity. Rudely awakened from a comfortable slumber by harsh words from its big brother across the Atlantic, the nations involved in the ‘Europe’ project are now realising that submissive behaviour is no longer enough to ensure a pleasant life.

Calls for a European federation are therefore resurfacing at an increasing rate. They are not new. From Winston Churchill to Mario Draghi, from Jaques Delors to IMF’s Alfred Kammer and Gita Bhatt for more than 60 years, this demand has been repeatedly raised by prominent figures.

Their justifications differed during that time …

  • Pre-1990: Federalism as peace project
  • 1990–2010: Federalism as governability problem solution
  • Post-2016: Federalism as geopolitical necessity

And yet, nothing has happened.

Jvan Ricciardella, defence and geopolitical advisor, who regularly posts his clear-sighted but often scathing comments on the helpless policies of European states on LinkedIn, diagnoses the situation in a contribution titled “Europe Between Illusion and Gravity” (2026-01-28) as follows …

Europe likes to think of itself as a political subject, yet it increasingly behaves like a geopolitical object, pulled apart by forces it neither controls nor fully understands. 

Markets without power, rules without strategy, unity without sovereignty: the European experiment is now colliding with geography, history, and hard power, and the collision is not gentle. 

This is not a call for slogans or moral comfort, but an attempt to look at Europe as it is, not as it wishes to be.

That’s by no means a new insight. As early as in the early 1960s, Charles de Gaulle repeatedly warned, Western Europe risked becoming excessively dependent on American leadership in security and foreign policy—effectively a “protectorate” in his terms—if it failed to assert its own strategic autonomy and political sovereignty.

The question Europe faces today is not whether federalisation is appealing in theory, but whether the achievements of the European Enlightenment can endure without a political form capable of protecting them.[6]

So, which where the forces holding us back throughout all these lost decades?

Is there a chance to succeed now? 

And, if yes, which conditions must be met?

Why Europe Has Not Become a Federation

Europe’s incomplete political form is not the result of a lack of ideas or advocates. It reflects deep structural forces. European states are old, sovereign, administratively complete entities. Federalisation here is not a natural completion of statehood, but a deliberate act of self-limitation. This creates political resistance that is rational, not reactionary.

Moreover, Europe lacks a unified political demos willing to accept permanent majority rule over core sovereignty questions. Integration has therefore advanced primarily through courts, regulations, and technocratic mechanisms—effective, but politically fragile. These forces once stabilised Europe. Today, they increasingly prevent it from adapting.[7]

At the same time, the current EU architecture incentivises integration without responsibility. National governments benefit from shared markets, stability mechanisms, and collective regulation, while retaining the ability to shift political blame to “Brussels”. This ambiguity is electorally convenient but strategically corrosive.

This third and by far most crucial point reveals deeper structural contradictions in the way we have implemented our representative democracy.

Once every five years, we elect our representatives. After that, they are free to do whatever they personally deem appropriate. We can only vote for candidates who have made it onto a list of candidates through a selection that favours the rise of psychopaths obsessed with power. They are professional politicians whose careers are constantly at risk. Their main focus is therefore on their careers. They are elected on the basis of unrealistic promises, which are replaced by solemn words immediately after election day and then promptly forgotten. It is clear that none of them will voluntarily take on such a daunting task as recreating a multinational state called “Europe.”

The European Union is not an unfinished federation. It is a deliberately avoided one.

We therefore not only need a different policy—we also need to pursue it differently.

The Cost of Remaining Fragmented

The path to achieving this may be arduous, but there is no alternative if the small European states do not want to be crushed between the world powers. If Europe remains strategically fragmented while the world consolidates, the outcome is unlikely to be dramatic collapse. It is more likely to be gradual marginalisation.

Externally, Europe already pretends to be a single economic space and political actor - but without unified agencies. This invites divide-and-rule strategies and weakens Europe’s bargaining power in security, trade, technology, and finance. Internally, strategic dependency becomes structural. Energy, defence, digital infrastructure, and capital markets drift beyond European control. Values persist rhetorically, but lose enforcement capacity.

History suggests a simple rule: Only an actor who is perceived by the outside world as an indivisible monolith has a chance of being taken seriously on the world stage..

Federal Externally, Plural Internally

One of the most persistent objections to a European federation is the fear of uniformity. This fear misunderstands federalism. Federations do not erase diversity. They stabilise it.[4]

A European federation would centralise authority where external coherence is required—foreign policy, defence, monetary stability, strategic investment—while decentralising identity, culture, education, and social models. Cultural diversity is safer inside a constitutional federation than between sovereign states whose borders carry existential weight. Federalism is not a denial of pluralism; it is a constitutional technology for managing it peacefully.

Europe already lives cultural federalism in practice. What it lacks is the political structure to protect it under pressure.

Federalisation as Conservation, Not Utopia

Advocating a European federation today is not revolutionary. It is conservative in the deepest sense: conserving Europe’s achievements by adapting its political form to contemporary realities.

A federation would not promise perfection. It would restore democratic clarity, align authority with responsibility, and equip Europe with the institutional scale required to act in a consolidated world. This is not about dissolving nations. It is about ensuring that Europe’s nations, regions, and citizens retain agency in a system where fragmentation increasingly equals dependency.[3]

Our choice: Managed Unity or Unmanaged Decline?

Europe’s choice is no longer between sovereignty and integration. It is between institutional adequacy and structural erosion. Remaining a loose confederation preserves comfort and familiarity—but comfort is not resilience.

Completing Europe’s political architecture is not a betrayal of its diversity. It is the condition for preserving it.

And for that very reason the third short-term pillar of the threefold mission, the "Europeans of the Planet", the party for Europe's place in the world, is the creation of  a multination state named "Europe".

References

The references below are selected to support a federalist argument while also engaging the strongest counterforces and legitimacy critiques. They are suitable for further reading..

  1. Churchill, W. (1946, September 19). The tragedy of Europe [Speech]. University of Zurich.
    • Foundational post-war “United States of Europe” formulation,  a historically legitimate entry-point for federalist advocacy.

  2. Spinelli, A., & Rossi, E. (1941/2006). The Ventotene Manifesto. In B. Nelsen & A. Stubb (Eds.),The European Union: Readings on the theory and practice of European integration (pp. 47–50). Lynne Rienner.
    • The classic constitutional-federalist manifesto: federalisation as the structural antidote to nationalist conflict and European power fragmentation

  3. Fischer, J. (2000, May 12). From confederation to federation: Thoughts on the finality of European integration [Speech]. Humboldt University, Berlin.
    • The clearest high-level political statement linking Europe’s “finality” to a federation; valuable for arguing institutional adequacy rather than idealism.

  4. Delors, J. (1992). Subsidiarity: The key to Europe’s future. European Institute of Public Administration.
    • Provides the bridge concept of a “federation of nation states,” enabling a “federal externally, plural internally” thesis grounded in subsidiarity.

  5. Verhofstadt, G. (2006). The United States of Europe. Federal Trust.
    • Modern federalist manifesto arguing that confederal Europe cannot withstand systemic shocks (financial, geopolitical, technological) without federal capacity.

  6. Habermas, J. (2012). The crisis of the European Union: A response. Polity Press.
    • Philosophical foundation for post-national democracy and constitutional federalism as a continuation of Enlightenment rationalism under global interdependence.

  7. Krastev, I., & Holmes, S. (2019). The light that failed: A reckoning. Penguin.
    • Essential to address legitimacy and backlash dynamics: explains why “integration by stealth” can trigger democratic resistance even when policy arguments are strong.

  8. Thatcher, M. (1988). Speech to the College of Europe (“Bruges Speech”). Bruges.
    • Canonical sovereignty-centric critique; useful for presenting counterarguments fairly and then rebutting them with “federal externally / plural internally.”

  9. Bundesverfassungsgericht. (2009). Judgment of 30 June 2009 (Lisbon Treaty), BVerfGE 123, 267.
    • Key message: European integration is constitutionally permissible, but only as long as Germany remains a sovereign democratic state; the EU must not evolve into a federal state without explicit democratic re-founding by the German people.

  10. Polanyi, K. (1944/2001). The great transformation. Beacon Press.
    • Not EU-specific but analytically powerful: markets require political embedding; supports the claim that continental-scale markets without continental governance are unstable.

2026-02-07

Ein Mosaik erwacht – Eine Antrittsrede

Letzte Nacht hatte ich einen Traum. Ich träumte, ich hörte die Antrittsrede des Präsidenten der Vereinigten Staaten von Europa an die europäischen Völker, etwa um das Jahr 2029/2030. Nach dem aufwachen habe ich noch schlaftrunken versucht, die Bruchstücke meiner Erinnerung zusammenzusetzen und die rhetorischen Lücken zu füllen.

Das ist das Ergebnis:

An meine europäischen Mitbürger

Bürger der Europäischen Föderation, vor vierundachtzig Jahren, in einem vor einem noch ganz unter dem Eindruck der den Nachwirkungen des Krieges stehenden Publikum in Zürich, sprach Winston Churchill  [1] von einer „Lösung“, die die meisten für reine Fantasie hielten. Er sprach von den „Vereinigten Staaten von Europa“. Während der seither vergangenen Jahrzehnte haben wir diese Vision eher wie ein kostbares Erbstück  behandelt – gelobt in Reden, aber für ein unbestimmtes „Irgendwann“ sicher hinter dem Glas einer Vitrine  verwahrt.

Heute öffnen wir diese Vitrine.

Wir stehen heute nicht hier, weil es so einfach war oder weil wir endlich in allen Punkten übereinstimmen konnten. Wir stehen hier, weil, wie Mario Draghi einst warnte, die Welt aufgehört hat, darauf zu warten, dass Europa schließlich zu sich selbst findet. Wir stehen hier, weil das „sterbliche Europa“ unserer Vergangenheit – bedrängt von den Giganten des Ostens und Westens – sich endlich entschieden hat zu leben.

Der Monolith und das Mosaik

An die Welt jenseits unserer Grenzen gerichtet: Hört gut zu:  Europa ist nun geeint. Die Ära des “konföderierten Gemurmels” ist vorbei. Von diesem heutigen Tag an werden unseren Handel, unsere Sicherheit und unsere Souveränität in unsere eigenen Hände. Wir werden mit einer einzigen, unmissverständlichen Stimme sprechen. Wir sind von Natur aus friedliebend, aber immer auch verteidigungsbereit. Wir bitten nicht länger um einen Platz am Tisch der Großmächte. Wir haben unseren eigenen geschaffen.

Doch an die Bürgerinnen und Bürger innerhalb unserer Grenzen richten wir dieses Versprechen:  Europa bleibt vielfältig.  Unsere Stärke liegt nicht darin, ein „Schmelztiegel“ zu werden, der die polnische Seele, den französischen Geist oder den griechischen Intellekt auslöscht. Unsere Föderation ist im Inneren ein  Mosaik , kein Monolith, wie er nach außen wirkt. Unsere neue  Charta der Vielfalt  stellt sicher, dass wir zwar zum Überleben zusammenstehen, aber im Herzen 27 bleiben. Der „Brüsseler Bürokrat“ wurde durch den „Hüter gemeinsamer Interessen“ ersetzt – einen überzeugten Vertreter der Aufklärung, der weiß, dass die besten Entscheidungen bürgernah getroffen werden.

Die Wiedergeburt der Aufklärung

Unsere Gründung ist nicht nur ein Vertrag. Sie ist eine Philosophie. Wir sind die nachkommen der Europäischen Aufklärung.

  • Wir stellen  die Vernunft  über kleinliches "Stammesdenken" aus der Vergangenheit.

  • Wir wählen  die Freiheit  es Einzelnen anstelle der algorithmischen Kontrolle, die des Ostens.

  • Wir entscheiden uns für den  Gesellschaftsvertrag  und gegen die ungezügelte Individualität des Westens.

Die USA hatten 1790 ihren "Hamiltonscher Moment" [2] , unserer beginnt schon morgen. Wir werden die Wunder des nächsten Jahrhunderts finanzieren – nicht etwa mittels 27 konkurrierender Haushalte, sondern durch einen einzigen, gewaltigen europäischen Innovationsmotor. Wir werden die Zukunft nicht nur regulieren. Wir werden sie gestalten.

Die ersten 100 Tage: Unser Versprechen

In den nächsten 100 Tagen werden wir nicht einfach nur Gesetze verabschieden; wir werden unsere Realität verändern..

  1. Mit einer Stimme: Unsere Botschaften werden zusammengelegt und unser militärisches Kommando vereinheitlicht, um sicherzustellen. Kein europäischer Soldat jemals wieder allein dastehen.

  2. Die Staatsanleihen: Wir werden die größte Investition in grüne und Fusionsenergie und KI-Autonomie starten, die die Welt je gesehen hat.

  3. Am Puls der Bürger: Wir werden die Bürokratie bändigen, die unsere Kleinstädte erstickt hat, und die Macht in die Regionen zurückbringen, während die Föderation die Tore bewacht.

Mit dem heutigen Tag wird Geschichte geschrieben. Nicht als den Tag, an dem wir unsere nationalen Identitäten aufgaben, sondern als den Tag, an dem wir endlich den Mut fanden, sie zu schützen. Wir sind nicht länger ein Spielball der Imperien. Wir sind die Europäische Föderation. Wir sind der Dritte Weg.

Europa soll sich erheben!!

Epilog

Vermutlich  war dieser Traum durch den empfundenen Widerspruch inspiriert, dass der Ruf nach der erforderlichen Transformation des losen europäischen Staatenbundes zu einem Bundesstaat in den letzten 80 Jahren aus vielen prominenten Mündern zu hören war, ohne das etwas geschah. Es gab kaum Gegenmeinungen. Tatsächlich wurde dazu praktisch nichts dazu entgegnet – nur freundliches Nicken und bewusstes Ignorieren.

Welche gegenläufigen Kräfte hielten uns so lange zurück? Waren es Trägheit, Ängste, persönliche Karriereerwägungen oder der freundliche, aber bestimmte Hinweis einer Großmacht, dass „wir“ das nicht wollten?

Diese Gedanken gingen mir schon den Kopf, bevor ich ins Bett ging.

Da diese Forderungen nun wieder immer häufiger zu hören sind, können wir das als Zeichen dafür werten, dass die Vision von der Vollendung dieses unvollendeten historischen Prozesses wieder an Bedeutung gewinnt? Seit mehr als 80 Jahren wartet die, in diesen Reden vage angedeutete „Zukunft“ auf ihre Verwirklichung.

Ist ihre Zeit nun endlich gekommen?

Aufbauend auf den philosophischen Grundlagen der "Europäer des Planeten" ist derzeit ein weiterer politischer Essay in Arbeit, der demnächst hier erscheinen wird.

Also bitte, dran bleiben.

Einige historische Fußnoten

[1] Winston Churchill’s "Zürcher Rede" (1946)

Am 19. September 1946 hielt Winston Churchill an der Universität Zürich eine wegweisende Rede. Zu einer Zeit, als Europa buchstäblich in Trümmern lag, schlug er die Gründung der “Vereinigten Staaten von Europa” vor, um ein Wiederaufflammen von Nationalismus und Krieg zu verhindern.

  • Die Erkenntnis: Churchill erkannte, dass nur eine einheitliche Struktur die Sicherheit und den Wohlstand gewährleisten konnte, die für die Erholung des Kontinents notwendig waren.

  • Die Nuance: Obwohl er ein „Sponsor“ der Idee war, betrachtete er Großbritannien bekanntermaßen eher als freundlichen Nachbarn dieser Föderation denn als direktes Mitglied – eine Spannung, die die europäische Politik für die nächsten 75 Jahre prägte.

[2] Der „Hamiltonsche Moment“

Dieser Begriff bezieht sich auf Alexander Hamilton , den ersten Finanzminister der USA, der 1790 den US-Kongress davon überzeugte, die Schulden der einzelnen Bundesstaaten zu „übernehmen“ und damit faktisch eine einzige Bundeskreditsumme schuf.

  • Warum das für Europa wichtig ist: In der modernen EU-Politik bezeichnet ein „Hamiltonscher Moment“ die Entstehung gemeinsamer europäischer Schulden (erstmals zu sehen beim Wiederaufbaufonds NextGenerationEU 2020).

  • Die Transformation: Sie markiert den Übergang von einer „Ansammlung von Staaten“ zu einer „Fiskalunion“. Wenn die Föderation gemeinsam Kredite aufnimmt, gewinnt sie die wirtschaftliche Stärke einer Supermacht, wodurch sie massive Projekte (wie die Energieunabhängigkeit) finanzieren kann, die sich keine einzelne Nation allein leisten könnte.

2026-02-06

The Awakening of the Mosaic - An Inaugural Address


Last night I had a dream. I dreamed that I was listening to the inaugural address of the President of the United States of Europe to the European peoples sometime around 2029/2030. I woke up enthused and tried to piece together the fragments of my memory and fill in the rhetorical gaps.

This is the result:

To my European fellow citizens

Citizens of the Federation, eighty years ago, in a Zurich Hall filled with the echoes of war, Winston Churchill spoke [1] of a "remedy" that most called a fantasy. He spoke of the "United States of Europe". For decades, we treated that vision like an heirloom - admired in speeches, but kept safely behind the glass of "eventually."

Today, we break the glass.

We do not stand here because it was easy, or because we finally found a way to agree on everything. We stand here because, as Mario Draghi once warned us, the world stopped waiting for Europe to find its pulse. We stand here because the "mortal Europe" of our past—squeezed by the giants of the East and West—has finally chosen to live.

The Monolith and the Mosaic

To the world beyond our borders, hear this clearly: Europe is now one. The era of the "confederated whisper" is over. From this day forward, our trade, our security, and our sovereign will speak with a single, monolithic voice. We are peaceful by nature, but we are defence-ready by necessity. We no longer ask for a seat at the table of Great Powers; we have built our own.

Yet, to the citizens within our borders, hear this promise: Europe remains many. Our power lies not in becoming a "melting pot" that erases the Polish soul, the French spirit, or the Greek intellect. Our Federation is a Mosaic, not a monolith. Our new Charter of Diversities ensures that while we act as one for our survival, we remain twenty-seven for our hearts. The "Brussels Bureaucrat" has been replaced by the "Federal Guardian" - a servant of the Enlightenment who knows that the best decisions are made closest to the people.

The Enlightenment Reborn

Our foundation is not just a treaty. It is a philosophy. We are the children of the Enlightenment.

  • We choose Reason over the tribalism of the past.

  • We choose Liberty over the algorithmic control offered by the East.

  • We choose the Social Contract over the unchecked volatility of the West.

Our "Hamiltonian Moment" [2] begins tomorrow. We will fund the miracles of the next century - not through 27 competing budgets, but through a single, massive European engine of innovation. We will not just regulate the future. We will build it.

The First 100 Days: Our Vow

In the next 100 days, we will not merely pass laws; we will transform our reality.

  1. The Single Voice: Our embassies will merge, and our military command will unify, ensuring no European soldier ever stands alone again.

  2. The Sovereignty Bonds: We will launch the greatest investment in green fusion and AI autonomy the world has ever seen.

  3. The Civic Pulse: We will strip away the red tape that has choked our small towns, returning power to the regions while the Federation guards the gates.

Let history record this day. Not as the day we gave up our national identities, but as the day we finally found the courage to protect them. We are no longer a playground for empires. We are the European Federation. We are the Third Way.

Let Europe arise!

Epilogue

Most probably this dream was inspired by the perceived enigma that the call for the necessary transition from the loose European confederation to a federation, has been echoed by many prominent voices over the past 80 years. There were hardly any dissenting voices. In fact, there was essentially no comment on it - just friendly nods and deliberate ignorance.

What were the opposing forces that held us back for so long? Was it inertia, fears, personal career considerations, or the friendly but firm suggestion from a major power that ‘we’ didn't want that?

These thoughts had been going through my mind before I went to bed.

Now that these calls are being heard more and more frequently again, can we take that as an indication that the vision of the completion of this unfinished historical process is gaining traction again? It gave me the feeling that the "future" vaguely expressed in these various speeches has been waiting to happen for 80 years.

Has the time of their incarnation finally arrived?

Based on the philosophical foundations of the "Europeans of the Planet" another political essay is currently in the making and will appear here soon.

So, please stay tuned.

Some Historical Footnotes

[1] Winston Churchill’s "Zurich Speech" (1946)

On September 19, 1946, Winston Churchill delivered a landmark speech at the University of Zurich. At a time when Europe was literally in ruins, he proposed the "United States of Europe" as a way to prevent the recurrence of nationalism and war.

  • The Insight: Churchill recognized that only a unified structure could provide the security and prosperity needed for the continent to recover.

  • The Nuance: While he was a "sponsor" of the idea, he famously viewed the UK as a friendly neighbour to this federation rather than a direct member—a tension that shaped European politics for the next 75 years.

[2] The "Hamiltonian Moment"

This term refers to Alexander Hamilton, the first US Treasury Secretary, who in 1790 convinced the US Congress to "assume" the debts of the individual states, effectively creating a single federal credit.

  • Why it matters for Europe: In modern EU politics, a "Hamiltonian Moment" refers to the creation of joint European debt (first seen in the 2020 NextGenerationEU recovery fund).

  • The Transformation: It marks the shift from a "collection of states" to a "Fiscal Union." When the Federation borrows as one, it gains the economic gravity of a superpower, allowing it to fund massive projects (like energy independence) that no single nation could afford alone.

2026-01-31

Deutschland im Niedergang – Europa gelähmt


Mein Motto ist heiterer Pessimismus. Seit ich politisch denken kann, geht es mit Deutschland bergab. Aber auf diesem langen Weg nach unten, gibt es noch eine Reihe schöner Tage."

Mit diesem wenig erheiternden Ausspruch wird Jan Fleischhauer, ex- Redakteur von „Der Spiegel“, gelegentlich zitiert.

Reflexartig bin ich geneigt, diese melancholische Resignation als voreilige Selbstaufgabe zurückzuweisen. Schon ein flüchtiger Blick auf die Wirklichkeit, offenbart jedoch, dass Jan Fleischhauer offenbar gar nicht so weit daneben liegt.

1. Deutschlands Weg in die Bedeutungslosigkeit

Die Deutsche Bahn, das wissen alle Deutschen, die sich ihr einmal in gutem Glauben anvertraut haben, operiert seit Jahren ganz in der Nähe des totalen Zusammenbruchs. Einst ein Symbol für Zuverlässigkeit, hat sie sich – insbesondere im Fernverkehr – erheblich verschlechtert. Die DB selbst erklärt die Situation mit veralteter Infrastruktur und einem Baustau und verweist auf Stabilisierungsmaßnahmen und operative Vorkehrungen. Das stimmt zwar, aber die Frage ist berechtigt: “ Wie konnte es so weit kommen? ” Gibt es nicht tieferliegende Gründe, einen Mangel an Gemeinschaftssinn, einen umfassenderen kulturellen Niedergang? Jahrzehntelange Unterinvestitionen in die Infrastruktur sind doch nicht per Zufall, höhere Gewalt oder schlichte Not über uns gekommen.

Die deutsche Chemieindustrie , einst Weltklasse, kämpft mit hohen und nicht planbaren Energiepreisen, die die lokale Produktion unattraktiv machen und Investitionen zu riskanten Spekulationen werden lassen. Zwar spielen auch zyklische Faktoren eine Rolle, doch der Druck war – abgesehen von den Phasen nach verlorenen Weltkriegen – noch nie so stark wie heute. Zunehmende mit Verlagerungstendenzen sollten daher niemand überraschen. Große Chemieunternehmen haben ihre "Anpassungen" explizit mit der neuen Realität nach dem Ende der niedrigen Erdgaspreise in Verbindung gebracht. BASF beispielsweise kündigte die Stilllegung energieintensiver Anlagen und den Abbau von Stellen an und verwies dabei auf die veränderten Rahmenbedingungen, insbesondere im Energiebereich.

Dass Europa billiges russisches Gas gegen teures US-amerikanisches LNG tauschen musste, wird üblicherweise dem russischen Angriff auf die Ukraine zugeschrieben. Obwohl diese Konfrontation nicht als Hauptauslöser abgetan werden kann, entstand sie nicht aus dem Nichts. Sie war von den beiden rivalisierenden Supermächten über zweieinhalb Jahrzehnte hinweg sorgfältig vorbereitet worden. Unsere Staats- und Regierungschefs akzeptierten klaglos die unbequeme Wahrheit, dass den kleinen europäischen Staaten in diesem Großmachtspiel nichts anderes übrig blieb, als die Rolle zufriedener Vasallen einzunehmen, da dies kurzfristig schlicht die bequemste Alternative für sie darstellte.

Die deutsche Automobilindustrie , einst eine der tragenden Säulen der deutschen Wirtschaft, wurde unsanft aus ihren Träumen gerissen. Sie versucht nun, im Bereich der Elektromobilität aufzuholen, während ihre Stärken bei Verbrennungsmotoren weiter an Bedeutung verlieren. Die Unternehmen verweisen zwar auf Marktkräfte, die Elektrofahrzeugen ablehnend gegenüber stünden. Doch potenziellen Käufern fehlen schlicht attraktive Angebote. Und die notwendige Ladeinfrastruktur ist noch höchst lückenhaft. Dabei hat die Branche völlig unterschätzt, mit welcher Konsequenz andere Regionen, etwa China, diese Herausforderung angegangen sind. Jetzt findet sie sich unter verschärften wirtschaftlichen Bedingungen in einer Aufholjagd wieder. Offensichtlich steht es nicht gut um die deutsche Automobilindustrie.

In seiner berühmten “Ruck-Rede” [1] forderte der ehemalige deutsche Bundespräsident Roman Herzog (1994–1999) damals bereits eine grundlegende Reform in Deutschland. Es mag seither einige kleinere Ruckeleien gegeben haben.  Die Situation hat sich im Wesentlichen jedoch nicht verändert.

Am 24. Januar 2026 äußerte sich sogar Marie-Agnes Strack-Zimmermann, eine überzeugte Transatlantikerin, die sonst für ihren rüden Ton und ihre inakzeptablen Botschaften bekannt ist, in dem Newsletter “The Pioneer” [2] zur Abwechslung einmal eine schlichte zwar, aber eben doch Wahrheit …

Wenn wir diese Kleinstaaterei weitermachen in Europa, werden wir von den USA, von den Chinesen und Russen schlichtweg verspeist werden ”

... und ...

"Dadurch, dass wir eben keinen verlässlichen Partner mehr in den Vereinigten Staaten haben und sehen, dass die USA, China und Russland anfangen, diesen Globus unter sich aufzuteilen, ist ein starkes Europa überlebenswichtig. Und dazu gehört eine starke Wirtschaft."

Es ist eher fraglich, ob wir jemals einen “verlässlichen Partner in den Vereinigten Staaten” hatten. Vielmehr charakterisiert der Begriff “glücklicher Vasall”, der in den jüngsten Debatten in Davos [3] zu einem stehenden Begriff geworden ist, unsere Rolle bis heute.

Die drei oben genannten, zufällig ausgewählten Beispiele verdeutlichen bereits die dringende Notwendigkeit zum Handeln. Doch wir sind ja nicht allein. Es gibt ja noch unsere europäischen Bruderstaaten. Gemeinsam sind wir doch stark, nicht wahr? Wie sieht die Lage denn dort aus?

2. Und Europa?

Die EU zeigt eher Anzeichen einer weiteren Auflösung. Schon ihr Name ist ein Euphemismus. Dieser lose Staatenbund ist weit davon entfernt, einer "Union" zu ähneln. Eher lässt er sich mit einem Pokerspiel vergleichen, bei dem jeder Spieler mit verdeckten Karten spielt und versucht, so viel wie möglich für sein jeweiliges Heimatland aus dem großen Topf herauszuholen. Und tatsächlich muss jedes Mitglied des politisch bestimmenden Ministerrats in erster Linie seinem rein nationalen Mandat nachkommen.

Dort sind wir wohl Weltmeister im Streiten und Zanken. Wir finden nur dann Einigkeit, wenn unser großer Bruder von der anderen Seite des Atlantiks uns sprichwörtlich, “mit sanfter Stimme und einem dicken Knüppel in der Hand” [1], in die von ihm gewünschte Richtung lenkt.

Dieser neue Ton von der anderen Seite des Atlantiks ber überrascht uns, obwohl er es eigentlich nicht sollte. James Dorsey, Senior Fellow an der S. Rajaratnam School of International Studies (RSIS) der Nanyang Technological University of Singapore (NTU), erklärte gegenüber Lianhe Zaobao, Donald Trump sei einfach “freimütiger” als frühere US-Präsidenten.

Wenn seine Vorgänger in einem Land intervenierten, ging es ihnen vordergründig um die Förderung von Demokratie und Menschenrechten – das waren die angesprochenen Themen. Donald Trump dagegen spricht Klartext: Es geht um Dominanz. ‚Das ist unsere Hemisphäre, und wir werden sie beherrschen.‘”

Beunruhigen sollte uns die Ansicht, die Professor Calvin Jillson vom Institut für Politikwissenschaft der Southern Methodist University vertritt . Seiner Wahrnehmung nach scheint Donald Trump eine globale Vision zu verfolgen, in der regionale Hegemonialmächte die Oberhand haben: “die USA in den Amerikas, Russland in Europa und China in Asien”.

Wenn auch nur ein Fünkchen Wahrheit daran ist, sollte dies Anlass zur Sorge für die europäische Bevölkerung geben – nicht für ihre politischen Führer, die nur vier oder fünf Jahre in die Zukunft blicken und dann auch nur mit einem festen Blick auf ihre persönliche Karriere.

Es gibt jedoch auch unvoreingenommene Beobachter der Szene. Mit Blick auf den derzeit tobenden Ukraine-Krieg schloss Jvan Ricciardella am 24. Januar 2026 seinen LinkedIn-Beitrag “Europa am Scheideweg der Realität ” wie folgt ab:

Die Wiederaufnahme des Dialogs mit Moskau durch Frankreich, Italien und Deutschland signalisiert keine plötzliche Kompromissbereitschaft, sondern die verspätete Anerkennung einer Wirklichkeit, mit der Europa sich schwer getan hat: Dieser Krieg lässt sich nicht auf Dauer mit Parolen, Sanktionen und moralischem Absolutismus bewältigen. Die institutionelle Starrheit der Europäischen Union, Großbritanniens reflexartige Eskalation, Amerikas selektiver Rückzug und die Aushöhlung globaler Vermittlungsstrukturen schaffen eine Landschaft, in der die alten Regeln nicht mehr gelten. Europa steht nun am Scheideweg und muss sich entscheiden: Entweder es passt sich einer multipolaren Realität an oder es klammert sich an den Narrativ einer fiktiven Einheit, der weder den herrschenden  Machtverhältnissen noch der Glaubwürdigkeit möglicher Konsequenzen noch entspricht. Je länger eine glaubhafte Entscheidung hinausgezögert wird, desto höher wird der Preis sein – nicht nur für die Ukraine, sondern für Europa selbst.

Die ernüchternde Erkenntnis sickert langsam in die Köpfe unserer vermeintlichen Meinungsführer ein. Am 24. Januar 2026 kommentierte Henry Farrell [4] die ersten zaghaften, trotzigen Reaktionen:

Die Europäer wurden schließlich so weit in die Enge getrieben, dass sie zurückschlugen. Wie der belgische Premierminister es ausdrückte: ‚ Als glücklicher Vasall zu leben ist eine Sache, als elender Sklave zu existieren eine ganz andere .‘ [5] Es war klar, dass die Europäer endlich bereit waren, sich Donald Trump zu widersetzen.”

Andere, berufsbedingt positiv gestimmt, weisen auf die Chancen hin, die diese Situation bieten mag. Im Anschluss an das große Ritual von Davos schrieb Nick Studer, CEO von Oliver Wyman und Marsh Management Consulting, am 24. Januar 2026 im Oliver-Wyman-Newsletter …

Europa kam unter enormem Druck nach Davos: Zölle, Ukraine, Energiesicherheit und sogar Grönland. Die Stimmung war deutlich anders als 2025, als die Sorge um Regulierung und Wettbewerbsfähigkeit im Vordergrund stand. In diesem Jahr verlagerte sich der Fokus auf Handlungsfähigkeit.

Nirgends wurde dies deutlicher als im Verteidigungsbereich. Europa übernimmt deutlich mehr Verantwortung für seine eigene Sicherheit und erhöht die Militärausgaben massiv, insbesondere für Ausrüstung und Spitzentechnologien. Dies ist eine strategische Notwendigkeit und birgt zudem das Potenzial, die Wirtschaft in der gesamten EU und im NATO-Europa, einschließlich Großbritanniens, anzukurbeln, sofern die Umsetzung mit den ambitionierten Zielen Schritt hält.

Jenseits des Verteidigungsbereichs entstand die Spar- und Investitionsunion als Versuch, Billionen an Ersparnissen in KI, Dateninfrastruktur, industrielle Erneuerung und die Energiewende zu lenken. Europa mangelt es nicht an Kapital. Es mangelt an einem funktionierenden Finanzierungssystem, an Geschwindigkeit und an Willen. Die nationalen Regierungen können viel tun, und auch die EU muss ihr Tempo erhöhen. Diese Lücke bleibt Europas größtes Hindernis.

Europas Chancen sind real, aber nur für Organisationen, die bereit sind, mit Fragmentierung, Herausforderungen bei der Standardisierung und einer langsameren Umsetzung politischer Maßnahmen umzugehen. Die Gewinner werden das Ökosystem mitgestalten, anstatt darauf zu warten, dass es sich stabilisiert .

3. Europa am Scheideweg

Man kann es förmlich spüren: Europa befindet sich an einem Wendepunkt, einem jener Momente, die sich in der Geschichte nur wenige Male ereignen und der nicht zu Verzweiflung, sondern zu Klarheit, Würde und Erneuerung aufruft. Hatten die letzten Jahre den Kontinent in eine defensive Haltung gedrängt, ihn als Opfer des Wettstreits zwischen den USA und China beschrieben, ihn durch interne Spannungen ausgebremst und ihn in Sorge um den Verlust seiner nach dem Kalten Krieg gewonnenen Gewissheiten versetzt, so erfordern die kommenden Jahrzehnte eine andere Haltung: Aufrecht statt gebeugt, die Opfer-Sprache ablegen und ein gesundes Selbstvertrauen zurückgewinnen, das Europa einst zur Wiege von Ideen, Diplomatie, Innovation und institutioneller Vision machte.

Was Europa heute erlebt, ist das Ende eines jahrhundertelangen Zyklus: das Zeitalter der westlichen Hegemonie, die auf technologischer Überlegenheit, kolonialem Einfluss, finanzieller Dominanz und kultureller Ausstrahlung beruhte. Diese Ära, für die der fragwürdige Begriff der “regelbasierten Weltordnung” geprägt wurde, neigte sich schon seit geraumer Zeit dem Ende zu. Nun scheint sie endgültig vorbei zu sein. Die Zahl der Staaten, die mitentscheiden wollen, hat sich vergößert, die einst dem Westen vorbehaltenen Fähigkeiten, haben sich über den Globus verteilt. Neue Zentren wirtschaftlicher Stärke und Kompetenz sind entstanden. Eine Zeit lang genoss Europa eine ruhige und bescheidene Blütezeit im Schatten der amerikanischen Hegemonie. Doch mit dem Ende der amerikanischen Hegemonie wird Europa unsanft aus seinen Träumen gerissen. Seine Stagnation rührte von der Illusion her, die Welt würde sich auf unbestimmte Zeit um ein westliches Zentrum drehen, während China aufstieg, Mächte in der zweiten Reihe an Einfluss gewannen und die USA ihre imperiale Überdehnung zu spüren bekamen.

4. Was können wir also tun?

Ja, was können wir dagegen tun? Die Antwort auf diese drängende Frage ist offensichtlich, simpel, aber schwer umzusetzen: Europäer vereint euch!

Anders als bei der gegenwärtigen EU brauchen wir ein Europa als eine Einheit, die selbstbewusst, souverän, unabhängig, stark in den Schlüsselbereichen Wirtschaft, Verteidigung und Soft Power, glaubwürdig, zuverlässig und weltweit respektiert ist, nach außen hin monolithisch einheitlich wirkt, intern vielfältig ist, ihren kulturellen Reichtum widerspiegelt und ihren eigenen Idealen und Werten gerecht wird – kurzum, einen Vielvölkerstaat, der schlicht “Europa” genannt werden kann.

Wer ist also “wir”? Nun, es sind wir alle – wir, das Volk. Unsere gewählten Vertreter werden uns nicht retten. Sie werden von ganz anderen, tiefer liegenden Kräften angetrieben. Offensichtlich werden Vertreter gewählt, um die Politik zum Wohle des Volkes zu gestalten und ihnen so die Freiheit zu lassen, ihrem bürgerlichen Lebensunterhalt nachzugehen. Theoretisch sind diese Vertreter verpflichtet, den Willen ihrer Wähler zu vertreten. In der Praxis jedoch, sobald sie sich im Machtzentrum der Macht, fernab ihrer Heimat, etabliert haben, können sie im Grunde tun, was sie wollen, wie der Washingtoner Korrespondent William Greider in seinem 1992 erschienenen Buch “Wer wird es dem Volk sagen ? freimütig beschreibt . 

Es ist ganz offensichtlich die Aufgabe einer Basisbewegung, einer Gemeinschaft, die sich konsequent ihren Zielen verpflichtet fühlt und deren interne Struktur nicht, wie üblicherweise der Fall, Psychopathen an die Spitze befördert, die vom absoluten Willen zur Macht getrieben werden. Eine Bewegung, die Politik als Aufgabe ernst nimmt und sie anders betreibt als bisher üblich.

Diese Bewegung existiert bereits. Sie ist noch klein. Sie muss und wird wachsen und sich auf alle europäischen Länder ausbreiten, die in der liberalen Tradition der europäischen Aufklärung stehen.

Sie wird von innen und von unten wirken und unsere Zukunft beeinflussen: Die Europäer für den Planeten.


[1] Wie Theodore Roosevelt, der 26. Präsident der Vereinigten Staaten, am 2. September 1901 in einer öffentlichen Rede auf der Minnesota State Fair (kurz vor seinem Amtsantritt als Präsident) bekanntlich verkündete.


2026-01-30

Germany in decline – Europe paralyzed


"My motto is cheerful pessimism. Since I can think politically, Germany has been going downhill. But on this long road down, there are still a number of beautiful days."

Jan Fleischhauer, former editor of Der Spiegel, is occasionally quoted as uttering this rather sobering statement.

My reflexive inclination is to dismiss this melancholic resignation as premature self-abandonment. A thorough reality check however reveals that Jan Fleischhauer seems to be not so far off the mark.

1. Germany's path to insignificance

The "Deutsche Bahn", as all Germans who have ever entrusted themselves to it in good faith know, has been operating for years on the brink of total collapse. Formerly an iconic symbol of reliability, has degraded materially - particularly in long-distance operations. DB’s own reporting frames the situation as a consequence of aging infrastructure and construction backlogs, and it references stabilisation efforts and operational measures. Yes, true, but the question is legitimate: "How did we get there?" Aren’t there deeper-rooted reasons, some lack of community spirit, a wider cultural decline, rather than just occasional infrastructure underinvestment over decades?

Germanys chemical industry, once world class, is struggling as high and unpredictable energy prices let local production appear unattractive and investments resembling gambles. Although there might be cyclical factors at work as well, never before, with exception of phases after lost world wars, the pressure was felt that intense, increasingly being associated with relocation trends. Major chemical players have explicitly linked "adjustments" to the post-cheap-gas reality. BASF e.g. announced shutdowns of energy-intensive capacity and job reductions with references to changed conditions, including energy.

The fact that Europe had to exchange cheap Russian gas for expensive US LNG is usually attributed to Russia's attack on Ukraine. While this confrontation cannot be dismissed as the core trigger, it did not arise out of nowhere. It had been carefully crafted by the two rival superpowers over two and a half decades. Our leaders meekly accepted the inconvenient truth that the tiny European states had no choice in this game of great powers but to take the role of happy vassals because, in the short term, it was simply the most convenient alternative for them.

The German automotive industry, once one of the pillars of the German economy, has been rudely awakened from its dreams. It is now playing catch-up in the electric mobility sector, while its strengths in the field of combustion engines are becoming less and less relevant. While companies are pointing to market forces that are averse to electric vehicles, potential buyers are missing attractive offers and the necessary charging infrastructure. Having completely misjudged cost curves, China’s scale and speed, the sector is now operating in a catch-up mode under now harsher competitive economics. So, there is obviously something rotten in the automotive state of Germany.

In his famous "jolt speech" [1], former German President Roman Herzog (1994–1999) already back then called for a shake-up in Germany. There may have been a few minor tremors since then, but the situation has not changed substantially.

On January 24, 2026, even Marie-Agnes Strack-Zimmermann, a staunch transatlanticist who is otherwise known for her rude tone and unacceptable messages, said something simple but true on "The Pioneer" [2], advocating for a change...

"If we continue with this petty statism in Europe, we will simply be eaten up by the US, the Chinese, and the Russians."

... and ...

"Because we no longer have reliable partners in the United States and we see that the US, China, and Russia are beginning to divide up the globe among themselves, a strong Europe is vital for our survival. And that includes a strong economy."

It is rather questionable whether we ever had a "reliable partner in the United States". Rather the term "happy vassal", that has become a term of art in the recent debates in Davos [3], characterises our role up to today.

The three randomly selected examples above alone do highlight the need for action. But we are not alone. There still are our "European compatriots". Together we are strong, right? So, what is the situation there?

2. And Europe?

The EU is rather showing signs of further disintegration. Even its name is a euphemism. This loose confederation of states is far from likening a "union," more comparable to a poker game in which each player plays with hidden cards and intending to get as much as possible for their respective home country out of the big pot. And in fact, each member of the politically decisive Council of Ministers must first and foremost fulfil their purely national mandate.

We are probably world champions when it comes to arguing and tussling. We only find unity when our big brother from across the pond proverbially steers us in the desired direction "speaking softly while carrying a big stick." [1]

This new tone from across the Atlantic surprises us, although it shouldn’t. James Dorsey, a senior fellow at the Nanyang Technological University of Singapore (NTU) S. Rajaratnam School of International Studies (RSIS), told Lianhe Zaobao that Donald Trump is just "more candid" than past US presidents.

"When his predecessors intervened in the country, it was to promote democracy, human rights, those were the issues that were raised. Donald Trump is blunt about it. This is about dominance. ‘This is our hemisphere, and we are going to dominate it.’"

An even more disturbing view is conveyed by Professor Calvin Jillson, Department of Political Science, Southern Methodist University. To his perception Trump seems to have a global vision in which regional hegemons hold sway, "the US in the Americas, Russia in Europe and China in Asia".

If there is even a grain of truth in this, it should be cause for concern among the European population—not among their political leaders, who only look four or five years ahead and then only with a firm eye on their personal careers.

There are however clear-eyed observers of the scene. With respect to the currently raging Ukraine war, on January 24, 2026 Jvan Ricciardella concluded his LinkedIn post "Europe at the Crossroads of Reality":

"The reopening of dialogue with Moscow by France, Italy, and Germany does not signal a sudden embrace of compromise, but the delayed acknowledgment of a truth Europe has struggled to face: this war cannot be managed indefinitely through slogans, sanctions, and moral absolutism. The European Union’s institutional rigidity, Britain’s reflexive escalation, America’s selective disengagement, and the erosion of global mediating structures together form a landscape in which the old rules no longer apply. Europe now stands at a crossroads, forced to choose between adapting to a multipolar reality or clinging to a fractured narrative of unity that no longer corresponds to power, credibility, or consequence. The longer this choice is deferred, the higher the price will be—not only for Ukraine, but for Europe itself."

The sobering realization is slowly sinking into the minds of our supposed thought leaders. On Jan 24, 2026 Henry Farrell commented [4] on the first timidly defiant reactions:

"The Europeans were finally pushed to the point where they pushed back. As Belgium’s prime minister put it, ‘Living as a happy vassal is one thing, existing as a miserable slave is another.’ [5] It was clear that the Europeans were finally becoming willing to retaliate against Trump."

Others, dictated by their profession point to the chances, this situation may offer. In the wake of the big Davos happening Nick Studer, CEO Oliver Wyman and Marsh Management Consulting, wrote on January 24, 2026 in the Oliver Wyman newsletter …

"Europe arrived in Davos under intense pressure: tariffs, Ukraine, energy security, and even Greenland. The mood was notably different from 2025, when concern over regulation and competitiveness dominated. This year, the conversation shifted toward agency.

Nowhere was this clearer than in defence. Europe is taking far greater responsibility for its own security, with sharply increased military spending, especially on hardware and advanced technologies. This is a strategic necessity but also has the potential to become economic stimulus across the EU and NATO Europe, including the UK, provided execution keeps up with ambition.

Beyond defence, the Savings and Investments Union emerged as an attempt to channel trillions in savings towards AI, data infrastructure, industrial renewal and the energy transition. Europe does not lack capital. It lacks a functioning financing continuum, speed, and will. There is much that national governments can do, and the EU must accelerate too. That gap … remains Europe's biggest constraint.

Europe's opportunity is real, but only for organizations prepared to navigate fragmentation, standardization challenges, and slower policy execution. The winners will help shape the ecosystem, not wait for it to settle."

3. Europe at the crossroads

You can practically feel it: Europe has arrived at a critical moment, one of those, which occur only a few times in history, one that calls not for despair but for clarity, dignity, and renewal. If recent years have pushed the continent into a defensive posture, cast as a victim caught between the United States and China, slowed by internal frictions, and anxious about the erosion of its post-Cold War certainties, the decades ahead demand a different stance: standing upright rather than crouched, shedding the language and psychology of victimhood, and reclaiming the confidence that once made Europe a cradle of ideas, diplomacy, craftsmanship, and institutional imagination.

What Europe experiences today, is the winding down of a centuries-long cycle: the age of Western hegemony built on technological excellence, colonial reach, financial dominance, and cultural authority. That era, for which the questionable term "rule-based world order" was coined, was fading for quite a while. Now it seems to be over. The world has broadened. capabilities have dispersed. New centres of economic gravity and competence have emerged. For a while Europe enjoyed a quiet and modestly prosperous time in the backwaters of the American hegemony. With the American hegemony coming to an end however, Europe find itself rudely awakened. Its stagnation arose from the illusion that the world would orbit indefinitely around a Western centre while China rose, second line powers grew and the US overplayed its cards.

4. So, what can we do?

Yes, what can we do about it? The answer to this overwhelming question is obvious, simple, but difficult to implement: Europe unite!

Other than the current EU, we need a Europe as an entity that is self-confident, sovereign, independent, strong in terms of economy, defence and soft power, credible, reliable and globally respected, appearing monolithic to the outside world, diverse internally, reflecting its cultural richness, living up to its own ideals and values – in short, a multi-nation state, simply called "Europe".

Who then is "we"? Well, It’s us – we, the people. We will not be salvaged by our elected representatives. They are driven by quite different, more intrinsic forces. Apparently, representatives are elected to establish policies for the people’s benefit, hereby leaving them free to pursue their livelihoods, which often is demanding enough. In theory, those representatives are sworn to reflect the will of those who elected them. In practice, once ensconced in ruling centre of gravity, far from their home bases, they are free to do pretty much as they please as Washington correspondent William Greider candidly describes in his 1992 book "Who Will Tell The People?"

It is quite obviously the task of a grassroots movement, a community that is consistently committed to its goals, whose internal structure does not, as is usually the case, propel psychopaths to the top to wield power, that takes politics seriously and conducts it differently than has been customary up to now.

This movement already exists. It is still small. It must and will grow, spreading to all European countries that stand in the liberal tradition of the European Enlightenment.

It will work from within and from below, and it will influence our future: The Europeans for the Planet.


[1] As Theodore Roosevelt, 26th President of the United States famously proclaimed in a public speech on September 2, 1901, at the Minnesota State Fair (shortly before becoming president)


2025-12-23

Selten war mir so elend, wenn sich meine Vermutungen bestätigten.

Selten habe ich mich so elend gefühlt, wenn sich meine Befürchtungen bestätigt haben.

Es sieht aus wie ein großer Plan – ein heimtückischer aus europäischer Sicht, ein genialer aus Sicht der Trump-Administration –, aber vielleicht auch deren Grabstein.

"Es ist offiziell: Trump will eine schwächere Europäische Union", schrieb Ian Bremmer am 10. Dezember 2025 [1] .

Er fuhr fort:

"Die transatlantischen Beziehungen befinden sich nicht an einem Scheideweg, sie haben ihn bereits hinter sich. Amerikas neue nationale Sicherheitsstrategie bestätigt, was die Europäer seit der Rede von Vizepräsident JD Vance im vergangenen Februar in München befürchtet haben: Washington sieht eine starke, geeinte Europäische Union nun als ein Problem, das gelöst werden muss, nicht als einen Verbündeten, den es zu unterstützen gilt."

Für eine Hegemonialmacht ist "divide et impera" (Teile und herrsche [2]) eine Grundregel. Schließen sich Nationen hingegen zusammen, selbst in einem lockeren Staatenbund wie der EU, muss dies als Bedrohung betrachtet werden.

Diese Ansicht ist nicht so abwegig, wie es auf den ersten Blick scheinen mag. Vielmehr kann sie als ein bewährtes Prinzip der präventiven Verteidigung betrachtet werden. Es gibt umfangreiche historische Belege dafür, dass das kaiserliche China eine diplomatische und militärische Strategie anwandte, die als  Yi Yi Zhi Yi  (以夷制夷[3] bekannt ist und oft mit  "Barbaren zur Kontrolle von Barbaren" übersetzt wird . Dieser real-politische Ansatz zielte darauf ab, die chinesische Souveränität zu wahren, indem interne Gegensätze unter Nomadenstämmen ausgenutzt oder rivalisierende ausländische Mächte gegeneinander ausgespielt wurden.

Dieser Gedanke spiegelt auch Henry Farrells Überlegung vom 6. Dezember wider : "Amerika hat seinen größten Feind ausgemacht: Westeuropa[4].

In seinem Kommentar zur Nationalen Sicherheitsstrategie (NSS [5]) der Trump-Administration führte er außerdem aus:

Die neue globale Strategie der Trump-Regierung ist eine Art Groyper-Strategie-Cosplay [6], die sich gleichzeitig als Leitfaden für konkrete Politik ausgibt. Sie ist zum Scheitern verurteilt, selbst nach ihren eigenen lächerlichen und zutiefst beleidigenden Maßstäben. Wie ich meinen Studenten immer sagte: Eine nationale Sicherheitsstrategie richtet sich an drei Zielgruppen: die US-Regierung selbst, Verbündete und Freunde sowie Gegner. Die neue Strategie lässt sich von der ersten Gruppe nicht kohärent umsetzen, wird die zweite noch weiter verprellen und der dritten neue Möglichkeiten eröffnen.

Wenig Trost bietet uns Europäern seine abschließende Feststellung, insbesondere jenen, die sich zuvor als überzeugte Transatlantiker präsentierten:

"Die Vision der Trump-Regierung von Amerikas Größe führt dazu, dass das Land ärmer, schwächer und gemeiner wird. Das neue Strategiepapier wird seinen Teil dazu beitragen, diesen Prozess zu beschleunigen."

Für die sendungsbewusste Anne Applebaum [7] , Redakteurin bei  The Atlantic [8] , ist die NSS sogar gleichbedeutend mit "Der längste Abschiedsbrief in der amerikanischen Geschichte – Die neue nationale Sicherheitsstrategie der Trump-Regierung zielt auf die liberale Demokratie selbst." [9]

Jedenfalls erhalten wir derzeit reichlich Bestätigung für die Aussage der ehemaligen deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel, die mit den Worten zitiert wird: "Die USA sind kein verlässlicher Partner mehr für Europa[10] .

Man könnte sich fragen, ob sie das jemals gewesen sind.

Wie als Bestätigung für diese Zweifel, soll Henry Kissinger Gerüchten zufolge einmal gesagt haben: "Amerika hat keine ewigen Freunde oder Feinde, nur Interessen".

Damit erwähnte er eines der Leitprinzipien offensiven Großmachtpolitik, deren prominentester, lautester und umstrittenster Verfechter derzeit John Mearsheimer [11] ist. Lange Zeit sträubte ich mich gegen diese Theorie – bis die zahlreichen historischen und aktuellen Beispiele nicht länger ignoriert werden konnten.

Um die aktuelle Situation etwas nüchterner zu betrachten, möchte ich aus dem neuesten Newsletter von Oliver Wyman [12] zitieren:

"Der Jahreswechsel bietet eine gute Gelegenheit zur Reflexion – nicht nur über Vergangenes, sondern auch über die übergeordneten Kräfte, die die Zukunft prägen. Viele dieser Kräfte haben sich über mehr als ein Jahrzehnt im Stillen entwickelt, doch es wächst das Gefühl, dass wir einen tiefgreifenden Wandel erleben, uns von einer Ordnung in die nächste bewegen, ohne jedoch eine klare Vorstellung davon zu haben, wie diese neue aussehen wird.

Den letzten wirklichen Wendepunkt hatten wir am Ende des Zweiten Weltkriegs, als die Vereinigten Staaten zur globalen Supermacht aufstiegen und die geopolitische Architektur sowie die Einsatzregeln neu geschrieben wurden.

Heute ist die alte Ordnung zerbrochen, bevor eine neue entstehen konnte. Wir bewegen uns von einer der friedlichsten Perioden der Menschheitsgeschichte in eine weitaus stärker  umkämpfte. Die Vereinigten Staaten haben nun einen ebenbürtigen Konkurrenten – eine Nation, die in der Lage ist, mit ihrer Wirtschaftskraft, ihrem technologischen Ehrgeiz und ihrer geografischen Reichweite mitzuhalten. Die Welt kehrt zu Einflusssphären zurück, wobei die USA und China die Machtverhältnisse bestimmen werden und Europa unbehaglich zwischen den Fronten gefangen ist."

Warum bin ich deswegen so unglücklich? Nun, ich habe es ja kommen sehen. In meinem Blogbeitrag vom 18.09.2021 mit dem Titel "Quo vadis Europe? – Den alten Kontinent neu denken" [13] schrieb ich einmal:

"Europa braucht mehr Gewicht

Wenn wir nicht zum Spielball fremder Mächte, nicht zum Opfer globaler Entwicklungen und nicht zwischen rivalisierenden Machtblöcken zerrieben werden wollen, dann müssen wir uns neu erfinden.

Wenn wir auf der Weltbühne als respektierter Akteur wahrgenommen werden wollen, wenn wir uns selbst ernst nehmen wollen, dann müssen wir Europa als politische Einheit schaffen. Ja, wir müssen es zuerst schaffen. Denn das Europa, das wir für diese Notwendigkeit brauchen, existiert noch nicht, es wurde noch nicht einmal konsequent vorgedacht."

Das Problem ist also da. Es lässt sich nicht länger ignorieren – auch wenn unsere überforderten Politiker ihr Bestes geben, genau das zu tun. Jemand muss endlich handeln. Und das haben wir getan. Denn dieser "Jemand", sind wir alle. Wir haben die "Europäer für den Planeten" gegründet [14].

Wir haben uns drei Aufträge gegeben:

  • Das Überleben der Menschheit in einer nachhaltigen und intakten Umwelt zu gewährleisten,

  • Unsere spezifisch europäischen bürgerlichen Freiheiten zu bewahren, 

  • Ein geeintes Europa als Vielvölkerstaat mit einheitlicher Außen-, Verteidigungs-, Finanz- und Wirtschaftspolitik schaffen.

Wenn Ihr unsere Überzeugung teilt, dass Europa als Idee und Wirklichkeit wert ist, erhalten zu werden – worauf wartet Ihr dann noch?

Komm und schließ dich uns an [15] .

Referenzen


[1] Bremmer, I. (10. Dezember 2025). Es ist offiziell: Trump will eine schwächere Europäische Union. GZERO Media. Abgerufen von https://www.gzeromedia.com/by-ian-bremmer/trump-wants-weaker-european-union

[2] Wikipedia-Autoren . (o. J.). Teile und herrsche. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Abgerufen am 21.12.2025 von https://en.wikipedia.org/wiki/Divide_and_conquer

[3] Park, SB (2020). Die politischen Beziehungen zwischen China und Korea während der Qing-Dynastie (1882–1895): Eine Studie zur “Yi-Yi-Zhi-Yi“-Diplomatiestrategie (Masterarbeit). Nanyang Technological University, Singapur. https://hdl.handle.net/10356/149168 dr.ntu.edu.sg

Diese Masterarbeit untersucht die sino-koreanischen diplomatischen Beziehungen während der späten Qing-Dynastie anhand der Yi-Yi-Zhi-Yi- Strategie (以夷制夷, “Barbar gegen Barbar“). Der Autor argumentiert, dass die Außenpolitik des Qing-Chinas gegenüber Chosŏn-Korea von 1882 bis 1895 im Kontext des zunehmenden westlichen und japanischen Einflusses als strategische Anwendung dieses Paradigmas und nicht als konventionelle Tributdynamik zu verstehen ist. Die Arbeit ist nützlich für Forschende, die sich mit historischen diplomatischen Strategien, regionalen Machtdynamiken in Ostasien und sich wandelnden Paradigmen der internationalen Beziehungen befassen, und ist unter der Creative Commons Attribution-NonCommercial 4.0 International License (CC BY-NC 4.0) lizenziert. dr.ntu.edu.sg

[4] Farrell, H. (6. Dezember 2025). Amerika hat seinen größten Feind identifiziert: Westeuropa. Programmable Mutter. Abgerufen von https://www.programmablemutter.com/p/america-has-identified-its-final

[5] Brownstein Hyatt Farber Schreck LLP . 9. Dezember 2025. Das Weiße Haus veröffentlicht die Nationale Sicherheitsstrategie 2025. Abgerufen von https://www.bhfs.com/insight/white-house-releases-2025-national-security-strategy/

[6] Britannica, T. Editors of Encyclopaedia . (o. J.). Nick Fuentes. In: Encyclopædia Britannica. Abgerufen am 21.12.2025 von https://www.britannica.com/biography/Nick-Fuentes

[7] Applebaum, A. (o. J.). Anne Applebaum. The Atlantic. Abgerufen am 21.12.2025 von https://www.theatlantic.com/author/anne-applebaum/

[8] Weltnachrichten . (o. J.). The Atlantic. Abgerufen am 21.12.2025 von https://www.theatlantic.com/world/

[9] Applebaum, A. (Dezember 2025). Nationale Sicherheitsstrategie und Demokratie. The Atlantic. Abgerufen von https://www.theatlantic.com/ideas/2025/12/national-security-strategy-democracy/685270/

[10] CBC News. (7. Mai 2017). Merkel und Trump sprechen über die NATO, Trump sagt: “Wir werden uns um den IS kümmern.“ https://www.cbc.ca/news/world/merkel-trump-1.4136906

[11] University of Chicago , Department of Political Science. (o. J.). John Mearsheimer. Abgerufen am 21.12.2025 von https://political-science.uchicago.edu/directory/John-Mearsheimer

[12] Oliver Wyman . (o. J.). Startseite. Abgerufen am 21.12.2025 von https://www.oliverwyman.com/index.html

[13] Walther, H. (September 2021). Quo vadis Europe? Rethinking the old continent. Horst Walthers Blog. Abgerufen von https://horst-walther.blogspot.com/2021/09/quo-vadis-europe-rethinking-old.html

[14] Europäer für den Planeten (o. J.). Die Partei für Europas Platz in der Welt . Abgerufen am 21.12.2025 von https://eufp.de/

[15] Join — Europaer für den Planeten . (nd). Europaer für den Planeten. Abgerufen am 21.12.2025 von https://eufp.de/join/

Europa als Bundesstaat - eine Notwendigkeit

Warum Europa seinen politischen Weg bis zum Ziel muss, um als geachtete Macht auf der Weltbühne Gehör zu finden, sein Erbe der Aufklä...