2026-07-03

Das Ende des automatischen Fortschritts?

Dies ist Kapitel 4 von 5 unserer Reihe “Warum wir die 'Europäer des Planeten' brauchen”, die jeden Freitag erscheint. Kapitel 3: “Die Psychologie der Untätigkeit – warum wir nicht reagieren”, wurde letzten Freitag veröffentlicht.

Während großer Teile der Neuzeit, insbesondere im industrialisierten Westen, wurde das Mantra von einen fortwährenden Fortschritt beinahe wie ein säkularer Glaubenssatz beständig wiederholt. Jede Generation erwartete größeren Wohlstand, bessere Gesundheit, mehr Möglichkeiten und mehr persönliche Freiheit als die vorherige. Die von den Eltern ertragenen Entbehrungen wurden durch die  Erwartung gerechtfertigt, dass ihre Kinder einmal eine bessere Welt erben würden. Wirtschaftswachstum, wissenschaftlicher Fortschritt und soziale Reformen schienen diese Erwartung Jahrzehnt für Jahrzehnt zu bestärken. [19]

Heute mehren sich jedoch die Anzeichen von Zweifel. Zwar sind allgemeine Indikatoren wie Lebenserwartung, Bildungsniveau und technologische Kompetenz, historisch gesehen, weiterhin günstig, dennoch haben viele junge Menschen ein Bild von ihrer aktuelle Lebenswirklichkeit, das sich  deutlich von dem Optimismus früherer Generationen unterscheidet. Dafür können sie Belege anführen. In zahlreichen Ländern ist Wohnraum unerschwinglich geworden, die Staatsverschuldung ist beängstigend gestiegen, berufliche Perspektiven erscheinen weniger vorhersehbar oder gar bedroht, und die Kosten für Bildung, Gesundheitsversorgung und Familiengründung belasten junge Erwachsene besonders stark. [20]

Noch wichtiger ist jedoch, dass das Vertrauen in die Zukunft selbst zu schwinden scheint. Umfragen in vielen entwickelten Gesellschaften legen nahe, dass jüngere Generationen weniger sicher sind, einen höheren Lebensstandard als ihre Eltern zu erreichen, und weniger zuversichtlich, dass ihre Kinder wiederum bessere Chancen genießen werden als sie selbst. Die Annahme des kontinuierlichen Fortschritts – einst ein prägendes Merkmal moderner Gesellschaften – kann nicht länger als selbstverständlich gelten.

Dies bedeutet nicht zwangsläufig, dass der Niedergang bereits eingetreten ist. Gemessen an vielen objektiven Indikatoren sind moderne Gesellschaften nach wie vor außerordentlich erfolgreich. Politische Stabilität hängt jedoch nicht nur von den gegenwärtigen Bedingungen, sondern auch von Zukunftserwartungen ab. Menschen sind oft bereit, Entbehrungen zu ertragen, wenn sie an eine Verbesserung glauben. Umgekehrt können selbst wohlhabende Gesellschaften unruhig werden, wenn das Vertrauen in die Zukunft zu schwinden beginnt. [21]

Die Ursachen dieser wachsenden Unruhe sind weiterhin umstritten. Manche verweisen auf wirtschaftliche Ungleichheit, stagnierende Löhne, Wohnungsnot oder demografischen Druck. Andere betonen den technischen Wandel, die kulturelle Fragmentierung, das schwindende Vertrauen in Institutionen oder die Wahrnehmung, dass politische Systeme nicht mehr in der Lage sind, langfristige Herausforderungen zu bewältigen. Wieder andere argumentieren, dass soziale Medien und das moderne Informationsumfeld Ängste und Pessimismus über das objektiv Bedeutsame hinaus verstärken.

Was auch immer die Gründe sein mögen, in weiten Teilen der entwickelten Welt scheint sich ein gemeinsames Gefühl auszubreiten: das Gefühl, dass etwas Wichtiges aus dem Gleichgewicht geraten ist. Die Institutionen, die einst Vertrauen und Zusammenhalt schufen, genießen nicht mehr dasselbe Vertrauen. Das Versprechen, dass morgen alles besser sein würde als es heute ist, wirkt weniger überzeugend als früher.

William Shakespeare fing eine ähnliche Stimmung in Hamlet mit der berühmten Bemerkung ein, dass “etwas faul ist im Staate Dänemark ”. Diese Redewendung hat sich bis heute gehalten. Sie drückt einen Zustand aus, dem viele Gesellschaften gelegentlich begegnen: eine weit verbreitete Ahnung, dass die bestehenden Strukturen nicht mehr wie beabsichtigt funktionieren, selbst wenn die genauen Ursachen schwer zu erkennen sein mögen. [22]

Solche Phasen der Unsicherheit sind nicht beispiellos. Die Geschichte zeigt immer wieder, dass Epochen schneller technischer, wirtschaftlicher und sozialer Umbrüche oft sowohl außergewöhnliche Chancen als auch tiefgreifende Verunsicherung mit sich bringen. Die Industrielle Revolution, die Entstehung der Massendemokratie und der Übergang von Agrar- zu Stadtgesellschaften erzeugten allesamt ähnliche Mischungen aus Optimismus und Besorgnis.

Vor mehr als sechzig Jahren brachte Bob Dylan dieses Gefühl, einen Moment des Wandels zu erleben, in seinem Lied The Times They Are A-Changin'” zum Ausdruck. Die anhaltende Faszination des Liedes liegt nicht in seinem politischen Inhalt, sondern in der Erkenntnis, dass Gesellschaften periodisch Momente erreichen, in denen überlieferte Annahmen keine verlässliche Orientierung für die Zukunft mehr bieten. [23]

Die entscheidende Frage ist daher nicht, ob der Wandel kommt. Der Wandel findet bereits statt - hier und jetzt. Die Frage ist vielmehr, ob die Bürgerinnen und Bürger passive Beobachter dieser Transformation bleiben oder aktiv an deren Gestaltung mitwirken wollen. Wenn das Vertrauen in einen automatischen Fortschritt schwindet, dann kann die Verantwortung für den gesellschaftlichen Fortschritt vielleicht nicht länger allein der Geschichte, den Märkten, den Regierungen oder dem technologischen Fortschritt zugeschoben werden. Er muss wieder zu einem bewussten politischen Projekt eines jeden Bürgers werden.

Sie lasen Teil 4 von 5: “Das Ende des automatischen Fortschritts? – Warum immer mehr Menschen spüren, dass etwas nicht stimmt”. Die Reihe wird nächsten Freitag mit Teil 5 von 5 fortgesetzt: “Von der Beobachtung zum Handeln – Warum es notwendig wird, sich zu engagieren”.

Unterstützende Stimmen

Schwindendes Vertrauen in den sozialen Aufstieg

Untersuchungen in Europa und Nordamerika haben eine wachsende Besorgnis darüber ergeben, dass jüngere Generationen möglicherweise nicht den gleichen wirtschaftlichen Aufstieg genießen wie ihre Eltern.

Häufig genannte Faktoren sind:

  • Bezahlbarkeit von Wohnraum
  • prekäre Beschäftigung,
  • Vermögenskonzentration
  • demografischer Druck.

Die Debatte um die “große Stagnation”

Wirtschaftswissenschaftler wie Tyler Cowen [24] haben darauf hingewiesen, dass sich das Produktivitätswachstum und die transformative Innovation im Vergleich zu früheren Perioden verlangsamt haben könnten.

Zwar ist die These umstritten. Dennoch hat sie die Diskussionen über schwindende Erwartungen beeinflusst.

Das Vertrauen in die Institutionen

Viele Demokratien erleben einen Vertrauensverlust in:

  • politische Parteien,
  • Regierungen,
  • Medien,
  • Unternehmen.

Politikwissenschaftler betrachten dies zunehmend als eine der zentralen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts.

Zukunftsängst der jüngeren Generationen

Mehrere Umfragen deuten darauf hin, dass jüngeren Menschen folgende Punkte Sorgen bereiten:

  • wirtschaftliche Sicherheit
  • Klimawandel,
  • Wohnen,
  • geopolitische Instabilität,
  • sozialer Zusammenhalt.

Ihre Bedenken sind gut dokumentiert, deren Ursachen jedoch umstritten.

Wichtige Gegenstimmen

1. Die Anhänger der Fortschrittstheorie

Autoren wie Steven Pinker [25] und Johan Norberg halten den Pessimismus für weitgehend realitätsfremd.

Sie verweisen darauf, dass :

  • Die Lebenserwartung hoch bleibt,
  • Die Armut auf niedrigem Niveau verweilt,
  • Bildung nach wie vor breite Schichten erreicht,
  • Sich unsere technischen Möglichkeiten ständig weiterentwickeln.

Von ihrem Stndpunkt aus betrachtet, handelt es sich bei der Krise möglicherweise eher um eine Wahrnehmungskrise als um eine reale Entwicklung.

2. Das Argument vom Generationen-Mythos

Manche Historiker merken an, fast jede Generation glaube, vor beispiellosen Herausforderungen zu stehen.

Klagen über den sozialen Niedergang ließen sich danach bis ins antike Griechenland, das antike Rom und praktisch jede nachfolgende Epoche zurückverfolgen.

Das Gefühl, dass die jeweilige Gesellschaft schlechter gestellt ist, sei daher an sich kein Beweis dafür, dass dies tatsächlich der Fall ist.

3. Die Anpassungstheorien

Manche Soziologen argumentieren, dass steigende Erwartungen naturgemäß Unzufriedenheit hervorrufen.

Mit zunehmendem Wohlstand vergleichen sich die Menschen weniger mit der Vergangenheit und mehr mit einer imaginierten Zukunft.

Die Folge ist, dass Wohlstand und Unzufriedenheit gleichzeitig wachsen können.


[20] Easterlin, R. A. (1974). Verbessert Wirtschaftswachstum das Los der Menschen? Empirische Belege. In: P. A. David & M. W. Reder (Hrsg.), Nationen und Haushalte im Wirtschaftswachstum (S. 89–125). Academic Press.

  • Ein wegweisender Beitrag, der das später als Easterlin-Paradoxon bekannt gewordene Konzept einführte. Easterlin argumentiert, dass steigendes Einkommen nicht zwangsläufig zu einem proportionalen Anstieg des empfundenen Wohlbefindens führt. Seine Arbeit ist bis heute grundlegend für das Verständnis, warum Wohlstand und Unzufriedenheit gleichzeitig bestehen können.

[21] Putnam, RD (2020). Der Aufschwung: Wie Amerika vor einem Jahrhundert zusammenfand und wie wir es wieder schaffen können, Simon & Schuster.

  • Putnam dokumentiert langfristige Trends in den Bereichen sozialer Zusammenhalt, Bürgerbeteiligung, Vertrauen und Ungleichheit. Die Arbeit will helfen, zu verstehen, wie das Vertrauen in Institutionen und kollektives Handeln im Laufe der Zeit steigen und fallen kann.

[22] Putnam, RD (2020). Der Aufschwung: Wie Amerika vor einem Jahrhundert zusammenfand und wie wir es wieder schaffen können . Simon & Schuster.

  • Putnam dokumentiert langfristige Trends in den Bereichen sozialer Zusammenhalt, Bürgerbeteiligung, Vertrauen und Ungleichheit. Die Arbeit soll helfen, zu verstehen, wie das Vertrauen in Institutionen steigt oder fällt

[23] Dylan, B. (1964). The times they are a-changin' [Lied]. Auf dem Album The Times They Are A-Changin' . Columbia Records.

  • Ein prägender kultureller Ausdruck des sozialen Wandels der 1960er Jahre. Obwohl das Lied keine wissenschaftliche Quelle darstellt, bleibt es ein aussagekräftiges Symbol für Zeiten, in denen etablierte Annahmen infrage gestellt werden und Gesellschaften tiefgreifende Veränderungen erleben. Seine anhaltende Relevanz liegt in der Artikulation des historischen Übergangs und der kollektiven Unsicherheit.

[24] Cowen, T. (2011). Die große Stagnation: Wie Amerika die leicht zu erreichenden Ziele der modernen Geschichte ausnutzte, daran erkrankte und sich (irgendwann) wieder erholen wird . Dutton.

  • Cowen argumentiert, dass viele der am einfachsten zugänglichen Quellen für Wirtschaftswachstum bereits ausgeschöpft seien, was zu langsamerem Produktivitätswachstum und geringeren Erwartungen an zukünftigen Wohlstand führe. Das Buch hat die Debatten über schwindenden Optimismus und wirtschaftliche Dynamik maßgeblich beeinflusst.

[25] Pinker, S. (2018). Aufklärung jetzt: Ein Plädoyer für Vernunft, Wissenschaft, Humanismus und Fortschritt . Viking.

  • Pinker legt umfangreiche Belege dafür vor, dass sich viele objektive Indikatoren menschlichen Wohlbefindens weiterhin verbessern. Seine Arbeit will die Behauptung widerlegen, moderne Gesellschaften befänden sich in einer Ära des unaufhaltsamen Niedergangs. Er formuliert Gegenargumente zum Zivilisationspessimismus.

The End of Automatic Progress?

This is chapter 4 of 5 of our series “Why we need the ‘Europeans of the Planet’, published each Friday”. Chapter 3: “The Psychology of Inaction — why we fail to respond” was published last Friday.

For much of the modern era, particularly in the industrialised West, the idea of progress functioned almost as a secular article of faith. Each generation expected to enjoy greater prosperity, better health, wider opportunities, and more personal freedom than the one before it. The hardships endured by parents were justified by the belief that their children would inherit a better world. Economic growth, scientific advancement, and social reform appeared to reinforce this expectation decade after decade. [19]

Today, however, signs of doubt are becoming increasingly visible. While aggregate indicators such as life expectancy, educational attainment, and technological capability remain historically favourable, many younger people experience a reality that feels markedly different from the optimism that accompanied previous generations. In numerous countries, housing has become less affordable, public debt has increased, career paths appear less predictable, and the costs of education, healthcare, and family formation weigh heavily on those entering adulthood. [20]

More importantly, confidence in the future itself appears to be eroding. Surveys across many developed societies suggest that younger generations are less certain that they will achieve a higher standard of living than their parents, and less confident that their children will in turn enjoy greater opportunities than they do. The assumption of continuous progress—once a defining characteristic of modern societies—can no longer be taken for granted.

This does not necessarily mean that decline has already arrived. Measured by many objective indicators, contemporary societies remain extraordinarily successful. Yet political stability depends not only on present conditions but also on future expectations. People are often willing to endure hardship when they believe improvement lies ahead. Conversely, even prosperous societies can become restless when confidence in tomorrow begins to weaken. [21]

The causes of this growing unease remain contested. Some point to economic inequality, stagnant wages, housing shortages, or demographic pressures. Others emphasise technological disruption, cultural fragmentation, declining trust in institutions, or the perception that political systems have become incapable of addressing long-term challenges. Still others argue that social media and the modern information environment amplify anxiety and pessimism beyond what objective conditions warrant.

Whatever the explanation, a common sentiment appears to be emerging across much of the developed world: a sense that something important has become misaligned. The institutions that once generated confidence and cohesion no longer inspire the same trust. The promise that tomorrow will naturally be better than today appears less convincing than it once did.

William Shakespeare captured a similar mood in Hamlet through the famous observation that "something is rotten in the state of Denmark". The phrase has endured because it describes a condition that many societies occasionally encounter: a widespread intuition that existing arrangements are no longer functioning as intended, even when the precise causes remain difficult to identify. [22]

Such periods of uncertainty are not unprecedented. History repeatedly demonstrates that eras of rapid technological, economic, and social transformation often produce both extraordinary opportunities and profound disorientation. The Industrial Revolution, the emergence of mass democracy, and the transition from agrarian to urban societies all generated similar mixtures of optimism and anxiety.

More than sixty years ago, Bob Dylan captured precisely this sensation of living through a moment of transition when he wrote The Times They Are A-Changin’.” The song's enduring appeal lies not in its political content but in its recognition that societies periodically reach moments when inherited assumptions cease to provide reliable guidance for the future. [23]

The crucial question, therefore, is not whether change is coming. Change is already here. The question is whether citizens will remain passive observers of that transformation or become active participants in shaping its direction. If confidence in automatic progress is fading, then perhaps the responsibility for progress can no longer be delegated to history, markets, governments, or technological innovation alone. It must once again become a conscious political project.

You were reading Part 4 of 5:The End of Automatic Progress? — why people increasingly sense that something is wrong”. This series will be continued next Friday with Part 5 of 5: From Observation to Action — why civic organisation becomes necessary

Supporting Evidence

Declining Confidence in Upward Mobility

Research in Europe and North America has found increasing concern that younger generations may not enjoy the same economic advancement as their parents.

Frequently cited factors include:

  • housing affordability,
  • precarious employment,
  • wealth concentration,
  • demographic pressures.

The "Great Stagnation" Debate

Economists such as Tyler Cowen [24] have argued that productivity growth and transformative innovation may have slowed compared with earlier periods.

While controversial, the thesis has influenced discussions about declining expectations.

Trust in Institutions

Many democracies have experienced declining trust in:

  • political parties,
  • governments,
  • media,
  • corporations.

Political scientists increasingly regard this as one of the defining challenges of the twenty-first century.

Rising Anxiety Among Younger Generations

Multiple surveys indicate elevated levels of concern among younger people regarding:

  • economic security,
  • climate change,
  • housing,
  • geopolitical instability,
  • social cohesion.

The existence of these concerns is well documented, even though their causes remain debated.

Important Counter-Voices

1. The Progress School

Thinkers such as Steven Pinker [25] and Johan Norberg argue that pessimism is largely disconnected from reality.

They point out that:

  • life expectancy remains high,
  • poverty remains low,
  • education remains widespread,
  • technological possibilities continue to expand.

From this perspective, the crisis may be one of perception rather than reality.

2. The Generational Myth Argument

Some historians note that nearly every generation believes it faces unprecedented challenges.

Complaints about social decline can be traced back to ancient Greece, ancient Rome, and virtually every subsequent era.

The feeling that society is deteriorating is therefore not itself evidence that it actually is.

3. The Adaptation Thesis

Some sociologists argue that rising expectations naturally create dissatisfaction.

As societies become wealthier, people compare themselves less with the past and more with an imagined future.

As a result, prosperity and discontent can grow simultaneously.


[20] Easterlin, R. A. (1974). Does economic growth improve the human lot? Some empirical evidence. In P. A. David & M. W. Reder (Eds.), Nations and households in economic growth (pp. 89–125). Academic Press.

  • A classic contribution introducing what later became known as the Easterlin Paradox. Easterlin argues that rising income does not necessarily produce proportional increases in perceived well-being. The work remains foundational for understanding why prosperity and dissatisfaction may coexist.

[21] Putnam, R. D. (2020). The upswing: How America came together a century ago and how we can do it again. Simon & Schuster.

  • Putnam documents long-term trends in social cohesion, civic participation, trust, and inequality. The work is particularly valuable for understanding how confidence in institutions and collective action can rise and fall over time.

[22] Putnam, R. D. (2020). The upswing: How America came together a century ago and how we can do it again. Simon & Schuster.

  • Putnam documents long-term trends in social cohesion, civic participation, trust, and inequality. The work is particularly valuable for understanding how confidence in institutions

[23] Dylan, B. (1964). The times they are a-changin’ [Song]. On The Times They Are A-Changin’. Columbia Records.

  • A defining cultural expression of social transformation during the 1960s. While not a scholarly source, the song remains a powerful symbol of periods in which established assumptions are challenged and societies experience profound change. Its enduring relevance lies in its articulation of historical transition and collective uncertainty.

[24] Cowen, T. (2011). The great stagnation: How America ate all the low-hanging fruit of modern history, got sick, and will (eventually) feel better. Dutton.

  • Cowen argues that many of the most easily attainable sources of economic growth have already been exploited, leading to slower productivity gains and reduced expectations of future prosperity. The book has significantly influenced debates about declining optimism and economic dynamism.

[25] Pinker, S. (2018). Enlightenment now: The case for reason, science, humanism, and progress. Viking.

  • Pinker presents extensive evidence that many objective measures of human well-being continue to improve. The work challenges claims that contemporary societies are entering an era of inevitable decline and offers one of the strongest counterarguments to civilisational pessimism.

2026-06-26

Die Psychologie der Untätigkeit


Dies ist das dritte von fünf Kapiteln unserer Reihe “Warum wir die ‚ Europäer des Planeten‘ brauchen ”, die jeden Freitag erscheint. Kapitel 2: “Wohlstand bei Ressourcenverbrauch – das Paradoxon ” wurde letzten Freitag veröffentlicht.

Wie reagieren Gesellschaften auf Bedrohungen, die sich über Jahrzehnte statt über Tage erstrecken? Die Antwort ist weniger ermutigend als erhofft. Menschen sind bemerkenswert gut darin, unmittelbare Gefahren zu erkennen, tun sich aber oft schwer damit, effektiv auf Risiken zu reagieren, die sich allmählich entwickeln, komplex, ungewiss sind oder als weit entfernt wahrgenommen werden.

Diese Tendenz ist nicht primär auf Unwissenheit zurückzuführen. Im Gegenteil: Moderne Gesellschaften haben Zugang zu mehr Informationen als jede Generation zuvor. Wissenschaftliche Analysen, statistische Indikatoren, Satellitenbilder und Echtzeitkommunikation ermöglichen ein beispielloses Verständnis der sich abzeichnenden Herausforderungen. Doch Wissen allein garantiert noch kein Handeln. Tatsächlich besteht eines der prägenden Paradoxien der Moderne darin, dass Gesellschaften gleichzeitig besser informiert und politisch gelähmt sein können.

Ein Teil der Erklärung liegt in der menschlichen Evolution. Hunderttausende von Jahren lang hing das Überleben von der Reaktion auf unmittelbare Bedrohungen ab: Raubtiere, Feinde, Hungersnöte, Krankheiten oder Naturkatastrophen. Unsere kognitiven Fähigkeiten sind nach wie vor stark auf sichtbare, persönliche und dringende Gefahren ausgerichtet. Langfristige Risiken, die sich über Jahrzehnte hinweg allmählich entfalten – seien es Klimawandel, Verlust der Artenvielfalt, demografischer Rückgang, untragbare Staatsverschuldung oder geopolitische Verschiebungen – lösen nicht dieselbe instinktive Reaktion aus. [12]

Der Mensch ist ein zutiefst soziales Wesen. In unsicheren Situationen orientieren wir uns oft an anderen, um einzuschätzen, wie ernst ein Problem zu nehmen ist. Wenn Nachbarn ihren gewohnten Alltag fortsetzen, Märkte funktionieren und Institutionen ihren Betrieb aufrechterhalten, liegt die Annahme nahe, dass die Lage nicht wirklich kritisch sein kann. Sozialpsychologen bezeichnen dieses Phänomen als sozialen Beweis oder pluralistische Ignoranz : Einzelne hegen insgeheim Sorgen, verhalten sich aber in der Öffentlichkeit so, als gäbe es kein Problem, weil alle anderen scheinbar unbesorgt sind.

Darüber hinaus entsteht in modernen Gesellschaften ein ständiger Wettbewerb um Aufmerksamkeit. Wirtschaftlicher Druck, familiäre Verpflichtungen, Unterhaltung, soziale Medien, politische Kontroversen und der unaufhörliche Strom täglicher Nachrichten fordern unsere kognitive Kapazität. Unmittelbare Sorgen verdrängen naturgemäß langfristige Perspektiven. Daher führt selbst ein echtes Bewusstsein für langfristige Risiken oft nicht zu nachhaltigem politischen Engagement. [13]

Die Herausforderung wird durch Unsicherheit noch verschärft. Die meisten gesellschaftlichen Risiken großen Ausmaßes lassen sich nicht präzise vorhersagen. Experten sind sich über Zeitpunkt, Schweregrad und mögliche Lösungsansätze uneins. Diese Unsicherheit dient oft als Ausrede für Aufschub. Bürger fragen sich, wem sie glauben sollen; Politiker zögern, kostspielige Maßnahmen zu befürworten; und Institutionen halten an bestehenden Strukturen fest. Das Ergebnis ist nicht unbedingt Verleugnung, sondern eine kollektive Tendenz, schwierige Entscheidungen so lange hinauszuzögern, bis die Umstände zum Handeln zwingen. [14]

Die Geschichte liefert zahlreiche Beispiele für solches Verhalten. Finanzblasen, Umweltzerstörung, nicht nachhaltige Finanzpolitik und geopolitische Krisen wurden häufig lange vor ihrem Zusammenbruch erkannt. Dennoch verharrten Gesellschaften oft auf den eingeschlagenen Pfaden, weil Veränderungen kostspieliger, unsicherer oder politisch schwieriger erschienen als die Beibehaltung des Status quo.

Dies bedeutet nicht, dass die Menschheit dazu verdammt ist, solche Muster auf unbestimmte Zeit zu wiederholen. Die Geschichte kennt auch Beispiele bemerkenswerter Weitsicht und kollektiven Handelns. Demokratische Gesellschaften haben erfolgreich Krisen im Bereich der öffentlichen Gesundheit bewältigt, Volkswirtschaften nach Kriegen wiederaufgebaut, Luft- und Wasserverschmutzung reduziert, schädliche Chemikalien schrittweise abgeschafft und internationale Institutionen geschaffen, die in der Lage sind, gemeinsam Herausforderungen anzugehen. Die Lehre daraus ist daher nicht, dass Menschen unfähig zur Veränderung sind, sondern dass sinnvolle Veränderungen selten von selbst geschehen. Bewusstsein muss in Organisation, Partizipation und nachhaltiges politisches Handeln umgesetzt werden. [15]

Die größte Gefahr liegt womöglich nicht in Feindseligkeit, Unwissenheit oder Bosheit. Vielmehr ist es die Selbstzufriedenheit: der tröstliche Glaube, dass jemand anderes das Problem bereits löst, dass der technische Fortschritt uns schon retten wird oder dass sich die Dinge morgen von selbst regeln werden. Zivilisationen gehen selten unter, weil es ihnen an Warnungen mangelt. Viel häufiger gehen sie unter, weil Warnungen erst dann zum Handeln anregen, wenn die verfügbaren Optionen bereits stark eingeschränkt sind . [16]

Sie lasen Teil 3 von 5: “Die Psychologie der Untätigkeit – warum wir nicht reagieren ”. Die Reihe wird nächsten Freitag mit Teil 4 von 5 fortgesetzt: “Das Ende des automatischen Fortschritts? – warum immer mehr Menschen spüren, dass etwas nicht stimmt ”.

Referenzen

Gegenwartsbias

Menschen bewerten unmittelbare Belohnungen systematisch höher als zukünftige Vorteile.

Dieses Phänomen zählt zu den robustesten Erkenntnissen der Verhaltensökonomie und trägt dazu bei, die chronische Unterinvestition in langfristige Herausforderungen zu erklären.

Zugehörig zu:

  • Daniel Kahneman [17]
  • Richard Thaler [18]

Normalitätsverzerrung

Die Menschen neigen dazu anzunehmen, dass zukünftige Bedingungen den gegenwärtigen ähneln werden.

Dies erklärt, warum Warnungen oft ignoriert werden, bevor es zu größeren Störungen kommt.

Pluralistische Ignoranz

Einzelne Personen können sich insgeheim Sorgen um ein Problem machen, während sie sich in der Öffentlichkeit so verhalten, als ob sie sich keine Sorgen machten.

Dadurch entsteht die Illusion, dass die Besorgnis weniger verbreitet sei, als sie tatsächlich ist.

Probleme kollektiven Handelns

Selbst wenn die meisten Menschen eine Bedrohung erkennen, warten Einzelpersonen möglicherweise darauf, dass andere die Kosten für deren Bekämpfung tragen.

Diese Erkenntnis ist zentral für weite Teile der modernen Politikwissenschaft und Wirtschaftswissenschaft.

3.2 Wichtige Gegenmeinungen

Ein ausgewogener Essay sollte auch Kritikpunkte an “Selbstzufriedenheitsnarrativen” berücksichtigen.

1. Das Adaptionsargument

Manche Wissenschaftler argumentieren, dass das, was wie Selbstzufriedenheit aussieht, in Wirklichkeit eine rationale Anpassung sein könnte.

Die Bürger können sich nicht ständig mit jedem globalen Problem auseinandersetzen.

Die meisten Menschen müssen Prioritäten setzen:

  • Arbeit,
  • Familie,
  • Gesundheit,
  • lokale Zuständigkeiten.

Aus dieser Perspektive sind alltägliche Sorgen keine Ablenkung, sondern die Grundlage sozialer Stabilität.

2. Die technologischen Optimisten

Denker wie Matt Ridley und andere argumentieren, dass Pessimisten die Innovationsfähigkeit der Menschheit systematisch unterschätzen.

Was wie Untätigkeit aussieht, könnte das Vertrauen widerspiegeln, dass zukünftige Technologien die aktuellen Probleme mindern werden.

3. Demokratische Realisten

Politikwissenschaftler stellen oft fest, dass die öffentliche Meinung in der Regel differenzierter ist, als Aktivisten annehmen.

Die Bürger erkennen möglicherweise Risiken und wägen gleichzeitig konkurrierende Prioritäten wie Wohlstand, Bezahlbarkeit, Sicherheit und persönliche Freiheit ab.

Die daraus resultierende Vorsicht mag frustrierend sein, ist aber nicht unbedingt unvernünftig.


[12] Sunstein, CR (2007). Worst-Case-Szenarien . Harvard University Press.

  • Sunstein analysiert, wie Einzelpersonen und Regierungen Risiken mit geringer Eintrittswahrscheinlichkeit, aber hohen Auswirkungen wahrnehmen und darauf reagieren. Das Buch bietet wertvolle Einblicke, warum Gesellschaften auf manche Gefahren überreagieren und auf andere unterreagieren.

[13] Tuchman, BW (1984). Der Marsch der Torheit: Von Troja bis Vietnam . Knopf.

  • Tuchman untersucht historische Fälle, in denen Regierungen trotz deutlicher Warnungen eine Politik verfolgten, die ihren eigenen langfristigen Interessen zuwiderlief. Das Buch bietet eine überzeugende historische Perspektive auf institutionelle Trägheit und politischen Kurzfristdenken.

[14] Olson, M. (1965). Die Logik kollektiven Handelns: Öffentliche Güter und die Theorie der Gruppen . Harvard University Press.

  • Ein grundlegendes Werk der Politikwissenschaft und Wirtschaftswissenschaft. Olson erklärt, warum große Gruppen oft Schwierigkeiten haben, sich um gemeinsame Interessen zu organisieren, selbst wenn kollektives Handeln allen Beteiligten zugutekäme. Das Werk ist nach wie vor zentral für das Verständnis von Umwelt- und gesellschaftlichen Herausforderungen, die koordinierte Lösungsansätze erfordern.

[15] Ostrom, E. (1990). Die Bewirtschaftung der Gemeingüter: Die Entwicklung von Institutionen für kollektives Handeln . Cambridge University Press.

  • Ostrom bietet eine wichtige Korrektur zu übermäßig pessimistischen Darstellungen kollektiven Handelns. Anhand empirischer Fallstudien zeigt sie, dass Gemeinschaften sich erfolgreich organisieren können, um gemeinsame Ressourcen nachhaltig zu verwalten, wenn geeignete Institutionen und Anreize vorhanden sind.

[16] Diamond, J. (2005). Zusammenbruch: Wie Gesellschaften scheitern oder Erfolg haben . Viking.

  • Diamond untersucht historische Gesellschaften, die mit ökologischen, wirtschaftlichen und politischen Herausforderungen konfrontiert waren. Obwohl einige seiner Interpretationen weiterhin diskutiert werden, ist sein Werk äußerst einflussreich, da es die Frage aufwirft, warum Warnungen mitunter nicht zu rechtzeitigem kollektivem Handeln führen.

[17] Kahneman, D. (2011). Schnelles Denken, langsames Denken . Farrar, Straus and Giroux.

  • Kahneman fasst jahrzehntelange Forschung zur menschlichen Urteilsbildung und Entscheidungsfindung zusammen. Besonders relevant ist die Diskussion kognitiver Verzerrungen, die die Wahrnehmung von Risiko, Unsicherheit und langfristiger Planung beeinflussen. Das Werk liefert eine wichtige Grundlage für das Verständnis, warum Gesellschaften oft Schwierigkeiten haben, auf weit entfernte Bedrohungen zu reagieren.

[18] Thaler, RH, & Sunstein, CR (2021). Nudge: Die endgültige Ausgabe . Yale University Press.

  • Dieses einflussreiche Werk untersucht, wie vorhersehbare Verzerrungen die Entscheidungsfindung auf individueller und kollektiver Ebene prägen. Die Autoren zeigen, warum Menschen häufig nicht in ihrem eigenen langfristigen Interesse handeln, selbst wenn Informationen leicht zugänglich sind.

The Psychology of Inaction

This is chapter 3 of 5 of our series “Why we need the ‘ Europeans of the Planet’, published each Friday”. Chapter 2: Prosperity Amid Depletion — the paradox” was published last Friday.

How do societies respond when confronted with threats that may unfold over decades rather than days? The answer is less encouraging than one might hope. Human beings are remarkably capable of recognising immediate dangers, yet often struggle to respond effectively to risks that are gradual, complex, uncertain, or perceived as distant.

This tendency is not primarily a consequence of ignorance. On the contrary, modern societies have access to more information than any previous generation. Scientific assessments, statistical indicators, satellite imagery, and real-time communications provide an unprecedented understanding of emerging challenges. Yet knowledge alone does not guarantee action. Indeed, one of the defining paradoxes of the modern age is that societies can become simultaneously better informed and politically immobilised.

Part of the explanation lies in human evolution. For hundreds of thousands of years, survival depended on responding to immediate threats: predators, enemies, famine, disease, or natural disasters. Our cognitive architecture remains highly attuned to dangers that are visible, personal, and urgent. Long-term risks that unfold gradually over decades—whether climate change, biodiversity loss, demographic decline, unsustainable public debt, or geopolitical shifts—do not trigger the same instinctive response. [12]

Human beings are also profoundly social creatures. When confronted with uncertainty, we frequently look to others for cues about how seriously a problem should be taken. If neighbours continue their routines, markets continue functioning, and institutions continue operating, the natural assumption is that the situation cannot be truly critical. Social psychologists refer to this phenomenon as social proof or pluralistic ignorance: individuals privately harbour concerns while publicly behaving as though no problem exists because everyone else appears unconcerned.

Moreover, modern societies generate a constant competition for attention. Economic pressures, family responsibilities, entertainment, social media, political controversies, and the endless stream of daily news all compete for cognitive bandwidth. Immediate concerns naturally crowd out distant possibilities. As a result, even genuine awareness of long-term risks often fails to translate into sustained political engagement. [13]

The challenge is compounded by uncertainty. Most large-scale societal risks cannot be predicted with precision. Experts disagree about timing, severity, and possible solutions. Such uncertainty often becomes an excuse for postponement. Citizens ask whom they should believe; politicians hesitate to champion costly measures; and institutions default to preserving existing arrangements. The result is not necessarily denial but a collective tendency to delay difficult decisions until circumstances force action. [14]

History offers many examples of such behaviour. Financial bubbles, environmental degradation, unsustainable fiscal policies, and geopolitical crises have frequently been recognised long before they reached a breaking point. Yet societies often continued along established trajectories because change appeared more costly, more uncertain, or more politically difficult than maintaining the status quo.

This does not imply that humanity is doomed to repeat such patterns indefinitely. History also contains examples of remarkable foresight and collective action. Democratic societies have successfully confronted public health crises, rebuilt economies after war, reduced air and water pollution, phased out harmful chemicals, and created international institutions capable of addressing shared challenges. The lesson is therefore not that people are incapable of change, but that meaningful change rarely occurs automatically. Awareness must be transformed into organisation, participation, and sustained political action. [15]

The greatest danger may not be hostility, ignorance, or malice. It may be complacency: the comforting belief that someone else is already solving the problem, that technological progress will inevitably rescue us, or that tomorrow will take care of itself. Civilisations seldom decline because they lack warnings. More often, they decline because warnings fail to generate action until the available options have narrowed. [16]

You were reading Part 3 of 5:The Psychology of Inaction — why we fail to respond”. This series will be continued next Friday with Part 4 of 5:The End of Automatic Progress? — why people increasingly sense that something is wrong

3.1 Supporting Evidence

Present Bias

Humans systematically value immediate rewards more highly than future benefits.

This phenomenon is among the most robust findings in behavioural economics and helps explain chronic underinvestment in long-term challenges.

Associated with:

  • Daniel Kahneman [17]
  • Richard Thaler [18]

Normalcy Bias

People tend to assume that future conditions will resemble present conditions.

This explains why warnings are often discounted before major disruptions occur.

Pluralistic Ignorance

Individuals may privately worry about a problem while publicly behaving as though they do not.

This creates an illusion that concern is less widespread than it really is.

Collective Action Problems

Even when most people recognise a threat, individuals may wait for others to bear the costs of addressing it.

This insight is central to much of modern political science and economics.

3.2 Important Counter-Voices

A balanced essay should also acknowledge criticisms of "complacency narratives."

1. The Adaptation Argument

Some scholars argue that what appears to be complacency may actually be rational adaptation.

Citizens cannot focus continuously on every global problem.

Most people must prioritise:

  • work,
  • family,
  • health,
  • local responsibilities.

From this perspective, everyday concerns are not a distraction but the foundation of social stability.

2. The Technological Optimists

Thinkers such as Matt Ridley and others argue that pessimists consistently underestimate humanity's ability to innovate.

What appears to be inaction may reflect confidence that future technologies will mitigate current problems.

3. Democratic Realists

Political scientists often note that public opinion is usually more nuanced than activists assume.

Citizens may recognise risks while simultaneously weighing competing priorities such as prosperity, affordability, security, and personal freedom.

The resulting caution may be frustrating, but it is not necessarily irrational.


[12] Sunstein, C. R. (2007). Worst-case scenarios. Harvard University Press.

  • Sunstein analyses how individuals and governments perceive and respond to low-probability, high-impact risks. The book offers valuable insight into why societies may both overreact to some dangers and underreact to others.

[13] Tuchman, B. W. (1984). The march of folly: From Troy to Vietnam. Knopf.

  • Tuchman investigates historical cases in which governments pursued policies contrary to their own long-term interests despite clear warnings. The book provides a compelling historical perspective on institutional inertia and political short-termism.

[14] Olson, M. (1965). The logic of collective action: Public goods and the theory of groups. Harvard University Press.

  • A foundational text in political science and economics. Olson explains why large groups often struggle to organise around shared interests even when collective action would benefit all participants. The work remains central to understanding environmental and societal challenges requiring coordinated responses.

[15] Ostrom, E. (1990). Governing the commons: The evolution of institutions for collective action. Cambridge University Press.

  • Ostrom offers an important corrective to overly pessimistic accounts of collective action. Through empirical case studies she demonstrates that communities can successfully organise themselves to manage shared resources sustainably when appropriate institutions and incentives exist.

[16] Diamond, J. (2005). Collapse: How societies choose to fail or succeed. Viking.

  • Diamond examines historical societies that faced environmental, economic, and political pressures. While some of his interpretations remain debated, the work is highly influential in exploring why warnings sometimes fail to produce timely collective action.

[17] Kahneman, D. (2011). Thinking, fast and slow. Farrar, Straus and Giroux.

  • Kahneman synthesises decades of research into human judgment and decision-making. Particularly relevant is the discussion of cognitive biases that affect perceptions of risk, uncertainty, and long-term planning. The work provides an important foundation for understanding why societies often struggle to respond to distant threats.

[18] Thaler, R. H., & Sunstein, C. R. (2021). Nudge: The final edition. Yale University Press.

  • This influential work explores how predictable biases shape individual and collective decision-making. The authors demonstrate why people frequently fail to act in their own long-term interests even when information is readily available.

2026-06-19

Wohlstand bei Ressourcenverbrauch


Dies ist Kapitel 2 von 5 unserer Reihe „Warum wir die ‚ Europäer des Planeten‘ brauchen “, die jeden Freitag erscheint. Kapitel 1: Die große Ressourcenknappheit – die planetare Herausforderung “ wurde letzten Freitag veröffentlicht.

Eine der größten Ironien der Menschheitsgeschichte ist, dass die Zeit, in der die Menschheit den größten Druck auf die Natur ausgeübt hat, gleichzeitig die Zeit war, in der sich unser Wohlstand am dramatischsten verbessert hat.

Als Thomas Hobbes [5] 1651 seinen Leviathan veröffentlichte, war das Leben für die meisten Menschen tatsächlich prekär. Krankheiten, Hungersnöte, Gewalt, Kindersterblichkeit und materielle Not waren weit verbreitet. Die durchschnittliche Lebenserwartung zum Zeitpunkt der der Geburt lag in vielen Gesellschaften unter vierzig Jahren, die Alphabetisierung war begrenzt, und die überwältigende Mehrheit der Menschheit lebte am Existenzminimum oder nahe daran.

Heute hingegen genießt die Menschheit ein Maß an Gesundheit, Wohlstand, Bildung und persönlicher Sicherheit, das für frühere Generationen unvorstellbar gewesen wäre. Die weltweite Lebenserwartung hat sich in den letzten zwei Jahrhunderten mehr als verdoppelt; die extreme Armut ist im Verhältnis zur Weltbevölkerung drastisch gesunken; Alphabetisierung ist zur Norm geworden; und der technologische Fortschritt hat den Zugang zu Nahrungsmitteln, Medikamenten, Informationen und Mobilität in einem beispiellosen Ausmaß erweitert. Nur wenige Epochen der Menschheitsgeschichte können mit diesen Errungenschaften mithalten.

Dieser Erfolg hat jedoch seinen Preis. Dieselben industriellen, landwirtschaftlichen und technischen Systeme, die Milliarden Menschen aus der Armut befreit haben, haben die Ökosysteme der Erde in einem beispiellosen Tempo verändert. Riesige Waldgebiete wurden gerodet oder fragmentiert, die Artenvielfalt ist in vielen Regionen zurückgegangen, Süßwassersysteme stehen unter zunehmendem Druck, und die Konzentration von Treibhausgasen in der Atmosphäre steigt weiter an.

Die Entwaldung gibt weiterhin Anlass zu großer Sorge, insbesondere in tropischen Regionen wie dem Amazonasbecken, dem Kongobecken und Teilen Südostasiens. Das globale Bild ist jedoch komplexer als oft angenommen. Zwar schreitet der Waldverlust fort, doch hat sich sein Ausmaß seit dem späten 20. Jahrhundert im Allgemeinen verlangsamt, und in einigen Regionen – darunter Teile Europas, Nordamerikas und Chinas – kam es durch Aufforstungs- und Wiederaufforstungsprogrammen sogar zu einer Nettozunahme der Waldfläche. Die Herausforderung besteht daher nicht allein in der schrumpfenden Waldfläche, sondern auch in der abnehmenden Qualität der Ökosysteme, der Fragmentierung von Lebensräumen und der Verdrängung artenreicher Naturwälder durch weniger artenreiche, bewirtschaftete Landschaften. [6]

Die Lage gibt im Hinblick auf die Biodiversität noch mehr Anlass zur Besorgnis. Wissenschaftler bezeichnen die gegenwärtige Periode zunehmend als Beginn eines sechsten Massenaussterbens, das durch Aussterberaten gekennzeichnet ist, die deutlich über der langfristigen natürlichen Hintergrundrate liegen. Lebensraumzerstörung, Klimawandel, invasive Arten, Umweltverschmutzung und Übernutzung setzen immer mehr Arten unter Druck. Obwohl das genaue Ausmaß und der Verlauf weiterhin Gegenstand wissenschaftlicher Debatten sind, herrscht weitgehend Einigkeit darüber, dass die Menschheit eine der bedeutendsten Phasen des Artenverlusts seit dem Aussterbeereignis verursacht, das vor 66 Millionen Jahren das Zeitalter der Dinosaurier beendete. [7]

Diese Situation stellt eine gewaltige Herausforderung dar. Dieselbe Zivilisation, die beispiellosen menschlichen Wohlstand hervorgebracht hat, steht nun vor der Aufgabe, die ökologischen Grundlagen zu bewahren, auf denen dieser Wohlstand letztlich beruht. Die Frage ist nicht mehr, ob die Menschheit den Planeten verändern kann. Das kann sie ganz offensichtlich. Die Frage ist vielmehr, ob sie lernen kann, das zu tun, ohne die natürlichen Systeme zu zerstören, die ihren zukünftigen Wohlstand sichern.

Sie lasen Teil 2 von 5: „Wohlstand inmitten von Mangel – das Paradoxon“. Die Reihe wird nächsten Freitag mit Teil 3 von 5 fortgesetzt: Die Psychologie der Untätigkeit – warum wir nicht reagieren “ .

2.1 Belege

Das Plädoyer für den menschlichen Fortschritt

Die Beweislage ist überzeugend und weitgehend unbestritten.

Zu den wichtigsten Trends seit etwa 1800 gehören:

Indikator

Langfristiger Trend

Lebenserwartung

Starker Anstieg

Säuglingssterblichkeit

Starker Rückgang

Alphabetisierung

Starker Anstieg

Extreme Armut

Starker Rückgang

Lebensmittelverfügbarkeit

Zunahme

Kindersterblichkeit

Starker Rückgang

Zugang zu Bildung

Starker Anstieg

Diese Perspektive wird mit Denkern wie den folgenden in Verbindung gebracht:

  • Steven Pinker [8]
  • Hans Rosling [9]
  • Max Roser
  • Johan Norberg

Sie argumentieren, dass viele öffentliche Diskussionen den außerordentlichen Fortschritt, der seit der Aufklärung erzielt wurde, unterschätzen.

Argumente für die ökologische Verschlechterung

Die Beweislage ist hier allerdings ebenfalls deutlich.

Wissenschaftler verweisen auf Folgendes:

  • Rückgang der Artenvielfalt
  • Lebensraumverlust
  • Klimawandel
  • Süßwasserverknappung
  • Bodendegradation
  • Ozeanversauerung.

Diese Bedenken werden häufig mit Folgendem in Verbindung gebracht:

  • Johan Rockström [10]
  • Paul Ehrlich
  • Elizabeth Kolbert [11]
  • David Attenborough

2.2 Wichtige Gegenstimmen

1. Die Fortschrittsoptimisten

Denker wie Steven Pinker argumentieren, dass viele Umweltnarrative die Innovations- und Anpassungsfähigkeit der Menschheit unterschätzen.

Sie stellen fest:

  • Die Luftqualität hat sich in vielen wohlhabenden Ländern verbessert.
  • Manche Wälder erholen sich.
  • Die landwirtschaftliche Effizienz hat zugenommen.
  • Technologische Substitution reduziert häufig die Ressourcenintensität.

2. Die Ökomodernisten

Die ökomodernistische Schule argumentiert, dass:

Mehr Technologie, nicht weniger Technologie, ist die Lösung.

Sie plädieren für:

  • Kernenergie,
  • intensive Landwirtschaft,
  • Urbanisierung,
  • synthetische Lebensmittel
  • Entkopplung von Wohlstand und Umweltauswirkungen.

3. Die Tiefenökologen

Am anderen Ende des Spektrums argumentieren Tiefenökologen, dass die gängigen Nachhaltigkeitspolitiken das Ausmaß der ökologischen Übernutzung und des Biodiversitätsverlusts unterschätzen.

Sie glauben, dass die aktuellen Reformen möglicherweise nicht ausreichen, um größere Störungen des Ökosystems zu verhindern.


[5] Hobbes, T. (1651/2012). Leviathan (I. Shapiro, Hrsg.). Yale University Press.

  • Ein grundlegendes Werk der politischen Philosophie. Hobbes’ Beschreibung des Lebens im Naturzustand als „einsam, armselig, widerlich, brutal und kurz“ ist zu einer der meistzitierten Charakterisierungen vormoderner Unsicherheit geworden. Das Werk liefert einen wichtigen historischen Einblick.

[6] Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen. (2024). Der Zustand der Wälder der Welt 2024. FAO.

  • Liefert maßgebliche globale Daten zu Waldfläche, Entwaldung, Wiederaufforstung und Waldmanagement. Besonders wertvoll, da es ein differenzierteres Bild zeichnet als die gängige Darstellung einer einheitlich zunehmenden Entwaldung und regionale Unterschiede sowie rückläufige globale Entwaldungsraten im Vergleich zu früheren Jahrzehnten aufzeigt.

[7] IPBES, Zwischenstaatliche Plattform für Biodiversität und Ökosystemleistungen. (2019). Globaler Bewertungsbericht zu Biodiversität und Ökosystemleistungen . IPBES-Sekretariat.

  • Die umfassendste internationale Bewertung des Biodiversitätsverlusts und der Ökosystemdegradation. Der Bericht kommt zu dem Schluss, dass etwa eine Million Arten einem erhöhten Aussterberisiko ausgesetzt sind, und liefert die stärksten institutionellen Belege für die Besorgnis über eine großflächige ökologische Verschlechterung.

[8] Pinker, S. (2018). Aufklärung jetzt: Ein Plädoyer für Vernunft, Wissenschaft, Humanismus und Fortschritt . Viking.

  • Pinker liefert eine umfassende statistische Begründung für die These, dass die Menschheit in Bezug auf Gesundheit, Wohlstand, Wissen und Freiheit beispiellose Fortschritte erzielt hat. Das Werk bildet ein wichtiges Gegenargument zu Erzählungen vom Niedergang der Zivilisation.

[9] Rosling, H., Rosling, O. & Rosling Rönnlund, A. (2018). Factfulness: Zehn Gründe, warum wir uns über die Welt irren – und warum die Dinge besser sind, als Sie denken . Flatiron Books.

  • Anhand umfangreicher globaler Daten belegen die Autoren dramatische Verbesserungen in den Bereichen Gesundheit, Bildung, Einkommen und Lebenserwartung. Das Buch zählt zu den einflussreichsten zeitgenössischen Argumenten für die These, dass der langfristige menschliche Fortschritt häufig unterschätzt wird.

[10] Rockström, J., Steffen, W., Noone, K., Persson, Å., Chapin, FS, Lambin, EF, ... & Foley, JA (2009). Ein sicherer Operationsraum für die Menschheit. Natur, 461 (7263), 472–475.

  • Der Artikel stellt das einflussreiche Konzept der planetaren Grenzen vor und argumentiert, dass die Menschheit mehrere ökologische Schwellenwerte erreicht oder überschreitet. Er schlägt eine Brücke zwischen den Errungenschaften der menschlichen Entwicklung und den Bedenken hinsichtlich der Nachhaltigkeit der gegenwärtigen Entwicklungen.

[11] Kolbert, E. (2014). Das sechste Massenaussterben: Eine unnatürliche Geschichte . Henry Holt.

  • Dieses mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnete Werk popularisierte wissenschaftliche Bedenken hinsichtlich des beschleunigten Verlusts der Artenvielfalt und der Möglichkeit, dass menschliche Aktivitäten ein sechstes Massenaussterben auslösen. Es zählt bis heute zu den einflussreichsten Büchern über den gegenwärtigen ökologischen Niedergang.

Prosperity Amid Depletion


This is chapter 2 of 5 of our series “Why we need the ‘ Europeans of the Planet’, published each Friday”. Chapter 1:The Great Depletion — the planetary challenge” was published last Friday.

One of the great ironies of human history is that the period in which humanity has exerted the greatest pressure on the natural world has also been the period in which human well-being has improved most dramatically.

When Thomas Hobbes [5] published Leviathan in 1651, life for most people was indeed precarious. Disease, famine, violence, infant mortality, and material deprivation were widespread. Average life expectancy at birth in many societies was less than forty years, literacy was limited, and the overwhelming majority of humanity lived at or near subsistence level.

Today, by contrast, humanity enjoys levels of health, wealth, education, and personal security that would have been unimaginable to earlier generations. Global life expectancy has more than doubled over the past two centuries; extreme poverty has fallen dramatically as a proportion of the world's population; literacy has become the norm rather than the exception; and technological progress has expanded access to food, medicine, information, and mobility on an unprecedented scale. Few periods in human history can match the scale of these achievements.

Yet this success has not come without cost. The same industrial, agricultural, and technological systems that have lifted billions out of poverty have transformed the Earth's ecosystems at extraordinary speed. Vast areas of forest have been cleared or fragmented, biodiversity has declined across many regions, freshwater systems are under increasing pressure, and atmospheric concentrations of greenhouse gases continue to rise.

Deforestation remains a significant concern, particularly in tropical regions such as the Amazon Basin, the Congo Basin, and parts of Southeast Asia. However, the global picture is more complex than is often assumed. While forest loss continues, its rate has generally declined since the late twentieth century, and some regions—including parts of Europe, North America, and China—have experienced net forest expansion through reforestation and afforestation programmes. The challenge is therefore not simply one of shrinking forest area, but of declining ecosystem quality, habitat fragmentation, and the replacement of diverse natural forests with less biodiverse managed landscapes. [6]

The situation is even more serious with respect to biodiversity. Scientists increasingly describe the current period as the beginning of a Sixth Mass Extinction, characterised by extinction rates substantially above the long-term natural background rate. Habitat destruction, climate change, invasive species, pollution, and overexploitation are placing growing numbers of species under pressure. Although the exact scale and trajectory remain subjects of scientific debate, there is broad agreement that humanity is driving one of the most significant episodes of biological loss since the extinction event that ended the age of the dinosaurs sixty-six million years ago. [7]

This presents a profound challenge. The same civilisation that has delivered unprecedented human flourishing now faces the task of preserving the ecological foundations upon which that flourishing ultimately depends. The question is no longer whether humanity can transform the planet. It plainly can. The question is whether it can learn to do so without undermining the natural systems that sustain its future prosperity.

You were reading Part 2 of 5: “Prosperity Amid Depletion — the paradox”. This series will be continued next Friday with Part 3 of 5:The Psychology of Inaction — why we fail to respond.

2.1 Supporting Evidence

The Case for Human Progress

The evidence is remarkably strong and largely uncontested.

Key trends since approximately 1800 include:

Indicator

Long-term Trend

Life expectancy

Strong increase

Infant mortality

Strong decrease

Literacy

Strong increase

Extreme poverty

Strong decrease

Food availability

Increase

Child mortality

Strong decrease

Access to education

Strong increase

This perspective is associated with thinkers such as:

  • Steven Pinker [8]
  • Hans Rosling [9]
  • Max Roser
  • Johan Norberg

They argue that many public discussions underestimate the extraordinary progress achieved since the Enlightenment.

The Case for Ecological Deterioration

The evidence is also substantial.

Scientists point to:

  • biodiversity decline,
  • habitat loss,
  • climate change,
  • freshwater depletion,
  • soil degradation,
  • ocean acidification.

These concerns are frequently associated with:

  • Johan Rockström [10]
  • Paul Ehrlich
  • Elizabeth Kolbert [11]
  • David Attenborough

2.2 Important Counter-Voices

1. The Progress Optimists

Thinkers such as Steven Pinker argue that many environmental narratives understate humanity's ability to innovate and adapt.

They note that:

  • air quality has improved in many wealthy countries,
  • some forests are returning,
  • agricultural efficiency has increased,
  • technological substitution often reduces resource intensity.

2. The Ecomodernists

The ecomodernist school argues that:

More technology, not less technology, is the solution.

They advocate:

  • nuclear energy,
  • intensive agriculture,
  • urbanisation,
  • synthetic foods,
  • decoupling prosperity from environmental impact.

3. The Deep Ecologists

At the opposite end of the spectrum, deep ecologists argue that mainstream sustainability policies underestimate the severity of ecological overshoot and biodiversity loss.

They believe current reforms may be insufficient to prevent major ecosystem disruption.


[5] Hobbes, T. (1651/2012). Leviathan (I. Shapiro, Ed.). Yale University Press.

  • A foundational work of political philosophy. Hobbes's description of life in the state of nature as "solitary, poor, nasty, brutish and short" has become one of the most cited characterisations of pre-modern insecurity. The work provides an important historical

[6] Food and Agriculture Organization of the United Nations. (2024). The state of the world's forests 2024. FAO.

  • Provides authoritative global data on forest cover, deforestation, reforestation, and forest management. Particularly valuable because it reveals a more nuanced picture than common narratives of uniformly accelerating deforestation, showing regional variation and declining global deforestation rates compared with previous decades.

[7] IPBES, Intergovernmental Science-Policy Platform on Biodiversity and Ecosystem Services. (2019). Global assessment report on biodiversity and ecosystem services. IPBES Secretariat.

  • The most comprehensive international assessment of biodiversity loss and ecosystem degradation. The report concludes that approximately one million species face elevated extinction risk and provides the strongest institutional evidence supporting concerns about large-scale ecological deterioration.

[8] Pinker, S. (2018). Enlightenment now: The case for reason, science, humanism, and progress. Viking.

  • Pinker presents a comprehensive statistical defence of the proposition that humanity has experienced unprecedented progress in health, prosperity, knowledge, and freedom. The work serves as a major counterpoint to narratives of civilisational decline.

[9] Rosling, H., Rosling, O., & Rosling Rönnlund, A. (2018). Factfulness: Ten reasons we're wrong about the world—and why things are better than you think. Flatiron Books.

  • Using extensive global data, the authors demonstrate dramatic improvements in health, education, income, and life expectancy. The book is among the most influential contemporary defences of the view that long-term human progress is frequently underestimated.

[10] Rockström, J., Steffen, W., Noone, K., Persson, Å., Chapin, F. S., Lambin, E. F., ... & Foley, J. A. (2009). A safe operating space for humanity. Nature, 461(7263), 472–475.

  • Introduces the influential Planetary Boundaries framework, arguing that humanity is approaching or exceeding several ecological thresholds. The paper provides a bridge between human-development achievements and concerns about the sustainability of current trajectories.

[11] Kolbert, E. (2014). The sixth extinction: An unnatural history. Henry Holt.

  • This Pulitzer Prize-winning work popularised scientific concerns regarding accelerated biodiversity loss and the possibility that human activity is driving a sixth mass extinction event. It remains one of the most influential books on contemporary ecological decline.

2026-06-12

Die Plünderung des Planeten geht weiter


Dies ist Kapitel 1 von 5 unserer Serie Warum wir dieEuropäer des Planeten brauchen“ , die jeden Freitag erscheint .

Der Bedarf der Menschheit an Ressourcen der Biosphäre übersteigt derzeit die Regenerationsfähigkeit der Erde für viele der Ressourcen und Ökosystemleistungen, von denen die moderne Zivilisation abhängt. Laut der Methodik des Global Footprint Network verbraucht die Menschheit natürliche Ressourcen und Ökosystemleistungen in einem Umfang, der etwa 1,7 bis 1,8 Erden entspricht, was auf eine anhaltende ökologische Überlastung hindeutet [1].

Konkret bedeutet dies, dass Wälder schneller abgeholzt werden, als sie nachwachsen, Fischbestände schneller dezimiert werden, als sie sich erholen, Süßwasser in manchen Regionen schneller entnommen wird, als es sich regeneriert, und Treibhausgase schneller freigesetzt werden, als natürliche Systeme sie absorbieren können.

Das genaue Ausmaß dieser Überschreitung ist weiterhin umstritten. Kritiker argumentieren, dass der ökologische Fußabdruck [2] unterschiedliche Umweltphänomene zu einem einzigen Indikator zusammenfasst und auf Annahmen beruht, die die Komplexität ökologischer und ökonomischer Systeme möglicherweise zu stark vereinfachen. Einige Forscher betrachten die Zahl „1,7 Erden“ daher weniger als präzise Messung denn als Faustregel, die Richtung und Ausmaß des menschlichen Umwelteinflusses verdeutlichen soll.

Die weitergehende Schlussfolgerung lässt sich jedoch kaum von der Hand weisen. Unabhängige Indizien deuten auf einen beschleunigten Verlust der Artenvielfalt, eine abnehmende Widerstandsfähigkeit der Ökosysteme, weitverbreitete Bodendegradation, Süßwasserknappheit und einen sich rasch verändernden Klimawandel hin. Ob man die genaue Berechnung des Überschreitens der Klimagrenzen akzeptiert oder nicht, die Menschheit übt einen beispiellosen Druck auf die natürlichen Systeme aus, von denen ihr Wohlstand letztlich abhängt.

Die grundlegendere Frage betrifft die Ursachen. Einige Beobachter betonen das Bevölkerungswachstum und argumentieren, dass die Erde eine Bevölkerung von voraussichtlich fast zehn Milliarden Menschen nicht unbegrenzt ernähren kann. Andere konzentrieren sich auf Konsummuster und weisen darauf hin, dass ein Kind aus einer einkommensstarken Gesellschaft ein Vielfaches der Ressourcen eines Kindes aus einer einkommensschwachen Gesellschaft verbrauchen kann. 

Eine dritte Denkrichtung hebt technologische Innovation und die Anpassungsfähigkeit des Menschen hervor und argumentiert, dass Ressourcenknappheit immer wieder Effizienzsteigerungen, Substitutionen und neue Produktionsformen angeregt hat. 

Die Debatte dreht sich daher nicht mehr darum, ob die Menschheit ökologischen Grenzen gegenübersteht, sondern wie gravierend diese Grenzen sind und welche Kombination aus Bevölkerung, Konsum, Regierungsführung und Technologie letztendlich den Ausgang bestimmen wird.

Sie lasen Teil 1 von 5: Die große Ressourcenknappheit – eine planetare Herausforderung “. Die Reihe wird nächsten Freitag mit Teil 2 von 5 fortgesetzt: Wohlstand bei knapper werdenden Ressourcen – das Paradoxon“.

Befürworter

Die stärksten Belege für die allgemeine These stammen aus mehreren weitgehend unabhängigen Beobachtungen:

1. Klimawandel

Die Konzentrationen von Treibhausgasen in der Atmosphäre steigen weiter an, während die Aufnahmefähigkeit der Erde für Emissionen begrenzt bleibt. Kohlenstoffemissionen stellen den größten Bestandteil der Methode zur Berechnung des ökologischen Fußabdrucks dar.

2. Verlust der biologischen Vielfalt

Die Artensterberaten liegen deutlich über dem langfristigen Hintergrundniveau, und die Umwandlung von Lebensräumen schreitet weltweit voran.

3. Ressourcenerschöpfung

Viele Fischbestände, Grundwasserleiter, Böden und Wälder stehen unter anhaltendem Druck menschlicher Aktivitäten. Die Existenz lokaler und regionaler Ressourcenerschöpfung wird selbst von Kritikern der Übernutzungsrechnung kaum bestritten.

4. Erdüberlastungstrend

Der berechnete Erdüberlastungstag hat sich von Ende des Jahres in den 1970er Jahren auf Juli in den letzten Jahren verschoben, was auf einen langfristigen Anstieg des Gesamtenergiebedarfs der Menschheit im Verhältnis zur Biokapazität hindeutet.

Gegenstimmen

Ein ausgewogener Essay sollte mindestens drei wichtige Schulen der Kritik berücksichtigen.

1. Die methodologischen Kritiker

Forscher wie Vaclav Smil [3] und andere argumentieren, dass komplexe ökologische Realitäten nicht auf eine einzige Zahl wie „benötigte Erden“ reduziert werden können. Sie erkennen den Umweltdruck an, stellen aber die Genauigkeit und den politischen Nutzen der Berechnung des ökologischen Fußabdrucks in Frage.

2. Die technologischen Optimisten

Ökonomen in der Tradition von Julian Simon [4] argumentieren, dass menschlicher Erfindungsgeist die ultimative Ressource darstellt. Sie verweisen auf historische Beispiele, in denen Vorhersagen über die Erschöpfung von Ressourcen durch Innovation, Substitution, Effizienzsteigerung und Marktanpassung widerlegt wurden.

3. Die demografischen Skeptiker

Immer mehr Ökonomen und Demografen argumentieren, dass die drängendste langfristige Herausforderung der Menschheit nicht die Überbevölkerung, sondern die Alterung der Bevölkerung und der demografische Rückgang in vielen entwickelten Gesellschaften sein könnte. Sie warnen davor, Bevölkerungsreduzierung als universelle Lösung zu betrachten.


[1] Global Footprint Network. (2025). Welterschöpfungstag 2025. https://overshoot.footprintnetwork.org/

  • Dies ist die Hauptquelle für die Methodik des Erdüberlastungstags und des ökologischen Fußabdrucks. Sie erklärt, wie der ökologische Bedarf der Menschheit mit der globalen Biokapazität verglichen wird und stellt die Berechnung dar, die der viel zitierten Behauptung zugrunde liegt, dass die Menschheit derzeit Ressourcen verbraucht, die etwa 1,8 Erden entsprechen. Die Quelle ist unerlässlich für das Verständnis des Konzepts der Erdüberlastung, obwohl Kritiker einige ihrer methodischen Annahmen in Frage stellen.

[2] Wackernagel, M., & Rees, W. E. (1996). Unser ökologischer Fußabdruck: Reduzierung des menschlichen Einflusses auf die Erde . New Society Publishers.

  • Dieses bahnbrechende Werk führte das Konzept des ökologischen Fußabdrucks ein und legte den intellektuellen Grundstein für spätere Berechnungen der ökologischen Übernutzung. Die Autoren argumentieren, dass sich der ökologische Bedarf der Menschheit in Bezug auf biologisch produktive Land- und Meeresflächen ausdrücken lässt, wodurch ein Vergleich zwischen Konsum und ökologischer Tragfähigkeit ermöglicht wird.

[3] Smil, V. (2022). Wie die Welt wirklich funktioniert: Die Wissenschaft hinter dem, wie wir hierher gekommen sind und wohin wir gehen . Viking.

  • Smil bietet eine differenzierte Kritik an vereinfachenden Narrativen vom unmittelbar bevorstehenden Kollaps oder von unbegrenzter technologischer Rettung. Er erkennt zwar die ökologischen Beschränkungen und den Ressourcenmangel an, warnt aber davor, komplexe globale Systeme auf einzelne Indikatoren zu reduzieren. Das Buch zählt zu den einflussreichsten zeitgenössischen Gegenpositionen zur Überforderungsrhetorik.

[4] Simon, JL (1996). The ultimate resource 2 . Princeton University Press.

  • Simon präsentiert das klassische Füllhorn-Argument, dass menschliche Kreativität und technologische Innovation die effektive Verfügbarkeit von Ressourcen stetig erweitern. Das Buch gilt bis heute als grundlegendes Werk des technologischen Optimismus in Debatten über Bevölkerungswachstum, Ressourcenknappheit und ökologische Grenzen.

Das Ende des automatischen Fortschritts?

Dies ist Kapitel 4 von 5 unserer Reihe “Warum wir die ' Europäer des Planeten' brauchen”, die jeden Freitag erscheint. Kapitel ...