2026-08-21

Warum wir alle Feierabendpolitikern werden müssen

 

Weil Politik wieder zur Sache aller werden muss

In unserem vorherigen Beitrag Warum nennen wir unsere Gemeinschaft eine Mitgliederpartei? haben wir argumentiert, dass Europäer für den Planeten seine Lebendigkeit nicht aus Gründerfiguren, Vorsitzenden oder charismatischen Persönlichkeiten beziehen soll, sondern aus politisch verantwortlichen Mitgliedern.

Diese Antwort führt unmittelbar zur nächsten Frage.

Wenn die Mitglieder das lebendige Zentrum der Partei sein sollen, was für Mitglieder müssen sie dann werden?

Unsere Antwort mag anspruchsvoll klingen:

Wir wollen, dass wir alle Teilzeitpolitiker werden — und niemand Berufspolitiker.

Dieser Satz ist bewusst zugespitzt. Deshalb müssen wir ihn sorgfältig erklären.

  • Wir meinen nicht, dass jedes Mitglied für ein Amt kandidieren soll..
  • Wir meinen nicht, dass jede Bürgerin und jeder Bürger jeden Abend politische Papiere diskutieren muss.
  • Wir meinen nicht, dass Politik zu einer weiteren Belastung für ohnehin erschöpfte Menschen werden soll.
  • Und wir meinen nicht, dass politische Arbeit kein Können, kein Wissen und keine Disziplin erfordert.

Ganz im Gegenteil.

  • Wir meinen, dass Politik zu wichtig ist, um von einer kleinen professionellen Klasse monopolisiert zu werden.

Ein Statement, das häufig Charles de Gaulle zugeschrieben wird, lautet sinngemäß: Politik ist eine zu ernste Angelegenheit, um sie Politikern zu überlassen. Ob diese Zuschreibung vollständig gesichert ist oder nicht, der Gedanke selbst ist richtig.

Politik prägt die Welt, in der wir leben.

  • Sie prägt die Luft, die unsere Kinder atmen.
  • Sie prägt die Freiheiten, die sie erben.
  • Sie prägt die Institutionen, die sie schützen — oder im Stich lassen.
  • Sie prägt die Frage, ob Europa in einem gefährlichen Jahrhundert handlungsfähig bleibt.

Solche Dinge dürfen nicht vollständig Menschen überlassen werden, für die Politik zur Karriereleiter geworden ist.

Was: Politische Verantwortung muss breiter verteilt werden

Unsere strategische Aussage lautet daher:

Europäer für den Planeten will dazu beitragen, dass Politik wieder zu einer geteilten bürgerschaftlichen Verantwortung wird. Deshalb wollen wir, dass viele Bürgerinnen und Bürger zu Teilzeitpolitikerinnen und Teilzeitpolitikern werden — statt Politik dauerhaft einer eigenen politischen Kaste zu überlassen.

Das ist kein Argument gegen Kompetenz.

Es ist ein Argument gegen Monopolisierung.

Eine Gesellschaft braucht Menschen, die etwas von Recht, Finanzen, Klimawissenschaft, Verwaltung, Diplomatie, Technologie, Landwirtschaft, Bildung, Gesundheit, Sicherheit, Infrastruktur und sozialer Wirklichkeit verstehen. Ernsthafte Politik kann nicht auf guten Absichten allein beruhen.

Aber ...

  • Warum sollte politisches Urteil von jenen Bürgerinnen und Bürgern getrennt werden, die mit den Folgen politischer Entscheidungen leben müssen?

  • Warum sollten politische Karrieren wichtiger werden als politische Substanz?

  • Warum sollten Parteien ihre Mitglieder dazu erziehen, Berufspolitikern Beifall zu spenden, statt Bürgerinnen und Bürger urteilsfähig zu machen?

Eine Demokratie, die Bürgerinnen und Bürger alle paar Jahre auf Wählerinnen und Wähler reduziert, ist eine verarmte Demokratie.

Wählen ist wichtig. Natürlich ist es das. - Aber Wählen allein reicht nicht.

Zwischen den Wahlen geht die Arbeit weiter: Probleme verstehen, Programme entwickeln, Vorschläge bewerten, Fehler korrigieren, Manipulation erkennen, Urteile bilden und Repräsentanten zur Verantwortung ziehen.

Diese Tätigkeit lässt sich nicht vollständig auslagern.

Wenn wir wollen, dass Politik das Richtige für uns tut, müssen Bürgerinnen und Bürger fähig werden, politische Verantwortung mitzutragen.

Wie: Teilzeitpolitik muss möglich gemacht werden

Hier müssen wir ehrlich sein.

Für den größten Teil der Geschichte war politische Beteiligung über das Wählen hinaus vor allem jenen möglich, die sie sich leisten konnten: Wohlhabenden, gut Vernetzten, hoch Gebildeten, Ruheständlern, professionell Politischen oder jenen, die von Parteien, Parlamenten, Interessengruppen und Institutionen bezahlt wurden.

Das war kein Zufall.

Politik kostet Zeit.

  • Sie verlangt Information.
  • Sie verlangt Selbstvertrauen.
  • Sie verlangt Sprache.
  • Sie verlangt organisatorisches Können.
  • Sie verlangt Zugang zu Netzwerken.
  • Sie verlangt die Fähigkeit, Signal von Rauschen zu unterscheiden.
  • Sie verlangt genügend Spielraum im eigenen Leben, um über die nächste Rechnung, die nächste Schicht oder die nächste familiäre Verpflichtung hinaus zu denken.

Die Frage ist also berechtigt:

Wie soll ein Mensch, der täglich um seinen Lebensunterhalt kämpft und dessen Energie bereits von den gewöhnlichen Verpflichtungen des Alltags aufgezehrt wird, zusätzlich politisch aktiv werden?

Noch vor einer Generation hätte die Vorstellung, dass normale Bürgerinnen und Bürger über Regionen und Länder hinweg regelmäßig Informationen aufnehmen, sich koordinieren, beraten und zu einem gemeinsamen politischen Projekt beitragen, tatsächlich utopisch geklungen.

Heute klingt sie nicht mehr utopisch.

Das Internet löst die Demokratie nicht.
Aber es verändert die Bedingungen, unter denen demokratische Beteiligung organisiert werden kann.

  • Dokumente können geteilt werden.
  • Sitzungen können über Entfernungen hinweg stattfinden.
  • Politische Bildung kann modular aufgebaut werden.
  • Übersetzung kann unterstützt werden.
  • Mitglieder können zeitversetzt beitragen.
  • Arbeitsgruppen können über Städte, Regionen und eines Tages Länder hinweg zusammenarbeiten.
  • Argumente können dokumentiert werden.
  • Entscheidungen können erklärt werden.
  • Wissen kann suchbar gemacht werden.

Das sind keine kleinen Veränderungen.

Sie bedeuten, dass eine Partei Bürgerinnen und Bürger beteiligen kann, ohne von ihnen zu verlangen, Beruf, Familie und Alltag aufzugeben.

Aber das geschieht nicht von selbst.

Die Partei muss dafür gestaltet werden.

Das bedeutet:

  • kurze Formate ebenso wie ausführliche Papiere.
  • Klare Zusammenfassungen ebenso wie detaillierte Begründungen.
  • Strukturiertes Onboarding.
  • Verlässliches Quellenmaterial.
  • Offene Arbeitsgruppen.
  • Transparente Entscheidungswege.
  • Mehrsprachige Kommunikation.
  • Aufgezeichnete Erläuterungen.
  • Wiederverwendbare Argumente und
  • Unterschiedliche Tiefen der Beteiligung, damit Mitglieder je nach Zeit, Fähigkeiten und Lebenssituation beitragen können.

Ein politisch erwachsener Teilzeitpolitiker ist nicht jemand, der Politik nebenbei und beliebig betreibt.

Es ist jemand, dessen politischer Beitrag durch gute organisatorische Gestaltung möglich gemacht wird.

Warum: Berufspolitik verzerrt Aufmerksamkeit

Warum wollen wir vermeiden, dass Berufspolitik zum dominierenden Modell wird?

Weil Berufspolitik eine strukturelle Versuchung erzeugt.

Ein Berufspolitiker muss an die nächste Wahl denken, an das nächste Amt, an den nächsten Ausschussposten, an die nächste Medienchance, an die nächste Allianz, an die nächste innerparteiliche Gruppe, an den nächsten Karriereschritt.

Das macht nicht jeden Berufspolitiker korrupt. Es macht auch nicht jeden Berufspolitiker zynisch.

Aber es schafft ein Umfeld, in dem das eigene politische Überleben leise dringlicher werden kann als langfristige Verantwortung.

Das Problem ist nicht, dass Politiker bezahlt werden.

Menschen müssen leben können. Öffentlicher Dienst darf nicht den finanziell Unabhängigen vorbehalten sein.

Das Problem entsteht dort, wo Politik zur Lebensstrategie wird: zu einer geschlossenen beruflichen Laufbahn mit eigener Sprache, eigenen Anreizen, eigenen Loyalitäten, eigenen Rivalitäten und eigener Beförderungslogik.

Dann beginnt Politik langsam, der politischen Karriere zu dienen.

Die Folgen kennen wir zur Genüge.

  • Schwierige Entscheidungen werden vertagt.
  • Unpopuläre Wahrheiten werden abgeschwächt.
  • Langfristige Probleme werden in kurzfristige Botschaften übersetzt.
  • Bürgerinnen und Bürger werden zu Zielgruppen.
  • Mitglieder werden zu Wahlkampfhelfern.
  • Programme werden zu Verhandlungsmasse.
  • Sichtbarkeit wird wichtiger als Substanz.
  • Und die Frage „Was ist richtig?“ wird ersetzt durch die Frage „Was ist politisch überlebbar?“

Das meinen wir mit Berufspolitik.

Wir wollen keine Partei, die dieses Muster von außen kritisiert und es im Inneren dann selbst wiederholt.

Wir wollen eine Partei, in der politische Verantwortung so breit verteilt ist, dass keine kleine Gruppe die Mission in eine Karrieremaschine verwandeln kann.

Die Gefahr: Amateurismus reicht nicht

Aber an dieser Stelle müssen wir unseren eigenen Slogan vor Missverständnissen schützen.

„Teilzeitpolitiker“ darf nicht bedeuten: schlecht informierte Amateure, die glauben, Aufrichtigkeit reiche aus.

Sie reicht nicht aus.

Politik ist komplex:

  • Recht ist komplex.
  • Wirtschaft ist komplex.
  • Klimapolitik ist komplex.
  • Europäische Governance ist komplex.
  • Digitale Regulierung ist komplex.
  • Sicherheitspolitik ist komplex.
  • Migrationspolitik ist komplex.
  • Institutionelle Reform ist komplex.

Wer behauptet, „normale Menschen“ könnten alles allein mit gesundem Menschenverstand entscheiden, erneuert die Demokratie nicht. Er bereitet Enttäuschung vor.

Eine Bürgerpartei muss daher zwei gegensätzliche Irrtümer vermeiden.

Der erste Irrtum ist professionelle Arroganz: die Vorstellung, Politik müsse den Insidern überlassen bleiben, weil normale Bürgerinnen und Bürger sie ohnehin nicht verstehen.

Der zweite Irrtum ist amateurhafte Arroganz: die Vorstellung, Fachwissen, institutionelles Gedächtnis und disziplinierte Analyse seien entbehrlich.

Beides ist falsch.

Eine ernsthafte Mitgliederpartei braucht Bürgerinnen und Bürger und Expertinnen und Experten.

  • Sie braucht Lebenserfahrung und Fachwissen.
  • Sie braucht moralisches Urteilsvermögen und sachliche Disziplin.
  • Sie braucht Programmtreue und Korrekturfähigkeit.
  • Sie braucht Mitglieder, die gute Fragen stellen, und Fachleute, die sie beantworten, ohne dadurch zu Hohepriestern zu werden.

Unser Ziel ist nicht Herrschaft der Amateure. - Unser Ziel ist unterstützte Bürgerkompetenz.

Diese Unterscheidung ist entscheidend.

Was wir bereitstellen müssen: Programm, Analyse und Orientierung

Wenn wir von Mitgliedern erwarten, dass sie zu politisch erwachsenen Teilzeitpolitikern werden, dann schuldet die Partei ihnen Unterstützung.

Wir können nicht einfach sagen: „Engagiert euch mehr.“

Wir müssen Engagement möglich machen.

Das beginnt mit einem substanziellen Programm.

Ein Programm ist kein dekoratives Dokument für Wahlkämpfe. Es ist der gemeinsame Kompass der Partei. Es hilft den Mitgliedern zu verstehen, wofür wir stehen, wie wir argumentieren, was wir priorisieren und wie einzelne Vorschläge beurteilt werden sollen.

Deshalb wird unser nächster Beitrag die Frage stellen:

  • Warum stellen wir strikt Programm über Person?

Aber ein Programm allein genügt nicht.

Die Welt verändert sich. Krisen entstehen. Wissenschaftliche Erkenntnisse entwickeln sich weiter. Regierungen wechseln. Kriege beginnen. Technologien reifen. Desinformation verbreitet sich. Politische Möglichkeiten öffnen und schließen sich.

Deshalb muss die Partei auch regelmäßig zum Zustand der Welt Stellung nehmen — im Kleinen wie im Großen. Nicht im Stil des üblichen politischen Schlagabtauschs. Nicht im Ton permanenter Empörung. Nicht mit polemischen Reflexen. Sondern nüchtern, beständig und verständlich.

Deshalb wird der folgende Beitrag fragen:

  • Warum entscheiden wir uns für einen „langweiligen“, aber konsistenten Ansatz ohne das übliche Getöse?

Und schließlich werden wir, wenn die Informationsumgebung immer komplexer wird, bessere Werkzeuge brauchen.

Sobald die Zeit dafür reif ist, wollen wir etwas entwickeln, das man ein politisches Orakel nennen könnte: ein KI-gestütztes Wissens- und Erklärungssystem, das Mitgliedern hilft, unser Programm, unsere Argumentation und unsere Sicht auf die Welt zu verstehen.

Sagen wir auch hier klar: Ein solches Orakel darf keine Propagandamaschine sein. Es darf Urteil nicht ersetzen. Es darf keine Gewissheit vortäuschen, wo keine besteht. Es darf Mitglieder nicht in Zustimmung hinein manipulieren.

Es muss transparent, quellenbasiert, korrigierbar und intellektuell fair sein.

Aber es kann Mitgliedern helfen, etwas zu tun, was die moderne politische Umgebung sonst fast unmöglich macht: sich einen Überblick verschaffen, Argumente vergleichen, Evidenz zurückverfolgen, die Kriterien der Partei verstehen und das eigene Urteil innerhalb eines gemeinsamen Programmrahmens bilden.

Deshalb wird der letzte Beitrag dieser Sequenz fragen:

  • Warum sollte es ein politisches Orakel geben, das jedem Amateurpolitiker unsere Weltsicht erklärt?

Diese drei Instrumente gehören zusammen:

  • Programm gibt Richtung.
  • Analyse gibt Orientierung.
  • Das Orakel schafft Zugang.

Gemeinsam machen sie politische Verantwortung in Teilzeit realistischer.

Was daraus folgt: Politik muss in wirkliche Leben passen

Die Schlussfolgerung ist einfach, aber anspruchsvoll.

Wenn Politik wieder zur Sache aller werden soll, dann muss politische Beteiligung mit wirklichen menschlichen Leben vereinbar sein.

  • Menschen arbeiten.
  • Menschen kümmern sich um Kinder.
  • Menschen pflegen Eltern.
  • Menschen werden krank.
  • Menschen pendeln.
  • Menschen sind müde.
  • Menschen sind von Informationen überfordert.
  • Menschen werden gezielt manipuliert.
  • Menschen können nicht nach Feierabend noch Vollzeitpolitiker werden.

Wir dürfen also keine Partei entwerfen, die nur für Menschen mit unbegrenzter Zeit, akademischer Sicherheit und ohne Sorgeverpflichtungen funktioniert.

Wir müssen eine Partei für Bürgerinnen und Bürger gestalten, wie sie sind.

Das bedeutet: unnötige Hürden senken, ohne intellektuelle Standards zu senken.

  • Es bedeutet, weniger für den Schein zu verlangen, aber mehr für die Substanz.

  • Es bedeutet, kleine Beiträge ernst zu nehmen.

  • Es bedeutet, politische Arbeit modular zu machen.

  • Es bedeutet, Mitgliedern unterschiedliche Einstiegstiefen zu ermöglichen.

  • Es bedeutet, Bürgerinnen und Bürgern zu helfen, mit der Zeit kompetenter zu werden.

  • Es bedeutet auch, sich daran zu erinnern, dass Beteiligung nicht nur an Lautstärke, Sichtbarkeit oder Sitzungsstunden gemessen wird.

Manchmal besteht die wertvollste politische Handlung nicht darin, lauter zu rufen.

Sondern darin, besser zu verstehen.

Das meinen wir mit Teilzeitpolitikern.

  • Nicht Menschen, die Politik spielen.
  • Nicht Menschen, die Politik konsumieren.
  • Nicht Menschen, die Politik beklatschen.
  • Nicht Menschen, die Politik auslagern.

Sondern ... 

  • Bürgerinnen und Bürger, die akzeptieren, dass die Zukunft ihrer Lebensumwelt, ihrer Freiheiten, ihrer Kinder und ihrer Enkel nicht sicher anderen allein überlassen werden kann.

  • Bürgerinnen und Bürger, die im gewöhnlichen Leben verwurzelt bleiben, aber politisch nicht passiv bleiben wollen.

  • Bürgerinnen und Bürger, die keine politische Karriere anstreben, aber politische Verantwortung übernehmen.

Das ist unser Anspruch.

Nicht eine Partei von Berufspolitikern mit angehängten Mitgliedern.
Sondern eine Partei von Mitgliedern, die so unterstützt werden, dass sie zu politisch wirkungsvollen Teilzeitpolitikerinnen und Teilzeitpolitikern werden können.

Am nächsten Freitag wenden wir uns der fünften Frage zu:

  • Warum stellen wir strikt Programm über Person?


Kommentierte APA-7-Referenzen

  1. Achen, C. H., & Bartels, L. M. (2016). Democracy for realists: Why elections do not produce responsive government. Princeton University Press.
    • Achen und Bartels sind eine wichtige Gegenstimme zu naivem Beteiligungsoptimismus. Sie argumentieren, dass Wählerinnen und Wähler häufig nicht primär durch rationale politische Abwägung handeln, sondern durch Gruppenidentität, nachträgliche Reaktionen und parteipolitische Loyalität geprägt sind. Für den Beitrag ist dies nützlich, weil es zeigt: Bürgerbeteiligung wird nicht automatisch klug, nur weil sie breiter wird. Sie braucht Information, Struktur und deliberative Verfahren.

  2. Brady, H. E., Verba, S., & Schlozman, K. L. (1995). Beyond SES: A resource model of political participation. American Political Science Review, 89(2), 271–294.
    • Dieser Beitrag ist eine der wichtigsten Grundlagen für Artikel #4. Die Autoren zeigen, dass politische Beteiligung wesentlich von Ressourcen abhängt: Zeit, Geld und bürgerschaftlichen Fähigkeiten. Das stützt unmittelbar die Sorge, dass politisches Engagement nicht einfach von Menschen verlangt werden kann, die bereits durch Arbeit, Familie und finanzielle Belastungen gebunden sind. Eine Mitgliederpartei muss deshalb Beteiligungskosten senken und Bürgerkompetenz aufbauen.

  3. Carey, J. M., Niemi, R. G., & Powell, L. W. (2000). Term limits in state legislatures. University of Michigan Press.
    • Carey, Niemi und Powell liefern eine wichtige Warnung vor einem zu einfachen Anti-Professionalismus. Ihre Untersuchung zu Amtszeitbegrenzungen in US-amerikanischen Parlamenten zeigt, dass eine Schwächung professioneller politischer Erfahrung Macht auch zu Gouverneuren, Verwaltungen, Stäben und Interessenvertretern verschieben kann. Für den Beitrag ist das entscheidend: Wenn Bürgerpolitik nicht gut unterstützt wird, verschwindet Macht nicht — sie wandert zu anderen professionellen Akteuren.

  4. Council of Europe. (2024). Framework Convention on Artificial Intelligence and Human Rights, Democracy and the Rule of Law.
    • Diese Konvention ist eine zentrale Referenz für die spätere Diskussion des „politischen Orakels“. Der Europarat beschreibt sie als erstes rechtlich verbindliches internationales Übereinkommen zu künstlicher Intelligenz, das sicherstellen soll, dass KI-Systeme mit Menschenrechten, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit vereinbar bleiben. Für Artikel #4 stützt sie die Aussage, dass KI für demokratische Entscheidungsunterstützung nur unter klaren rechtlichen und ethischen Schutzvorkehrungen sinnvoll ist.

  5. Hibbing, J. R., & Theiss-Morse, E. (2002). Stealth democracy: Americans’ beliefs about how government should work. Cambridge University Press.
    • Hibbing und Theiss-Morse sind eine wichtige Gegenposition. Sie zeigen, dass viele Bürgerinnen und Bürger gar nicht unbedingt mehr politische Beteiligung wünschen, sondern Politik lieber effizient, konfliktarm und möglichst ohne ständige eigene Einbindung funktionieren sehen würden. Für den Beitrag ist das hilfreich, weil es vor moralischer Überforderung warnt. Beteiligung muss sinnvoll, begrenzt und mit dem Alltag vereinbar sein.

  6. Moncrief, G. F., & Thompson, J. A. (2001). On the outside looking in: Lobbyists’ perspectives on the effects of state legislative term limits. State Politics & Policy Quarterly, 1(4), 394–411.
    • Auch diese Studie warnt vor naivem Anti-Professionalismus. Die Autoren zeigen aus Sicht von Lobbyisten, dass Amtszeitbegrenzungen politischen Einfluss von Parlamenten weg und hin zu Gouverneuren, Behörden und Interessengruppen verschieben können. Für den Beitrag stützt dies die These: Wenn gewählte oder parteipolitisch aktive Bürgerinnen und Bürger nicht über Zeit, Wissen und Unterstützung verfügen, übernehmen andere Akteure mit mehr Ressourcen das Feld.

  7. OECD. (2020). Innovative citizen participation and new democratic institutions: Catching the deliberative wave. OECD Publishing.
    • Der OECD-Bericht zeigt, dass Bürgerinnen und Bürger sinnvoll an komplexen politischen Fragen mitwirken können, wenn Beteiligung gut gestaltet ist. Er dokumentiert Bürgerforen, Bürgerräte, Panels und andere deliberative Verfahren. Für den Beitrag ist die zentrale Lehre: Nicht jede spontane Beteiligung ist gute Beteiligung. Aber strukturierte, informierte und faire Beteiligung kann Legitimität, Vertrauen und Qualität politischer Entscheidungen verbessern.

  8. OECD. (2026). AI principles.
    • Die OECD-Grundsätze zu künstlicher Intelligenz sind relevant, weil sie Bedingungen für vertrauenswürdige, menschenzentrierte KI beschreiben: Achtung der Menschenrechte und demokratischer Werte, Transparenz, Erklärbarkeit, Robustheit und Rechenschaftspflicht. Diese Prinzipien lassen sich unmittelbar auf die Idee eines politischen Orakels übertragen. Ein solches Werkzeug darf nicht nur überzeugende Antworten erzeugen, sondern muss Quellen, Annahmen und Grenzen nachvollziehbar machen.

  9. Reuters Institute for the Study of Journalism. (2026). Digital News Report 2026. University of Oxford.
    • Der Digital News Report 2026 liefert aktuelle Evidenz zur Informationsumgebung. Er beschreibt den wachsenden Einfluss sozialer Plattformen, Videoformate und KI auf Nachrichtenkonsum sowie steigende Sorgen über Falschinformationen, Deepfakes, KI-generierte Informationsflut und politisch motivierte Desinformation. Das stützt die Aussage des Beitrags, dass Bürgerinnen und Bürger nicht einfach mehr Information brauchen, sondern verlässliche Orientierung.

  10. Swiss Confederation. (2024). The Federal Assembly: Parliament. Presence Switzerland.
    • Die Schweiz bietet ein wichtiges europäisches Beispiel für semi-professionelle Politik. Die offizielle Darstellung des Schweizer Parlaments beschreibt die Bundesversammlung als semi-professionelles Parlament im Sinne des Milizgedankens. Dies unterstützt die Idee, dass politische Verantwortung nicht vollständig von Berufspolitikern monopolisiert werden muss. Zugleich zeigt das Beispiel, dass ein solches Modell eine starke institutionelle Kultur und tragfähige Verfahren benötigt.

  11. Tessler, M. H., Evans, G., Bakker, M. A., Gabriel, I., Bridgers, S., Jain, R., Koster, R., Rieser, V., Dragan, A., Botvinick, M., & Summerfield, C. (2026). Can AI mediation improve democratic deliberation? arXiv.
    • Diese aktuelle Arbeit ist für die spätere Idee des politischen Orakels besonders interessant. Die Autoren untersuchen, ob KI helfen kann, das deliberative Dreiecksproblem moderner Demokratien zu bewältigen: breite Beteiligung, substanzielle Beratung und politische Gleichheit zugleich zu ermöglichen. Die Studie ist hoffnungsvoll, aber vorsichtig. Sie zeigt Potenzial, betont aber auch ungelöste empirische, technische und theoretische Fragen.

  12. Tufekci, Z. (2017). Twitter and tear gas: The power and fragility of networked protest. Yale University Press.

    • Tufekcis Arbeit ist auch hier relevant, weil Teilzeitpolitik nicht mit schneller Online-Mobilisierung verwechselt werden darf. Sie zeigt, dass digital vernetzte Proteste sehr schnell wachsen können, aber oft Schwierigkeiten haben, dauerhafte strategische und organisatorische Fähigkeiten aufzubauen. Das unterstützt die Betonung von Programm, Analyse, institutionellem Gedächtnis und strukturierter Beteiligung.

  13. Weber, M. (1919/1994). Politics as a vocation. In P. Lassman & R. Speirs (Eds.), Weber: Political writings (pp. 309–369). Cambridge University Press.
    • Weber ist für diesen Beitrag zentral, weil er zwischen Menschen unterscheidet, die „für“ die Politik leben, und solchen, die „von“ der Politik leben. Die Kritik an Berufspolitik sollte in diesem Sinne verstanden werden: Problematisch ist nicht jede Bezahlung politischer Arbeit, sondern die Verwandlung von Politik in persönliche Existenzstrategie und Karrierelogik. Zugleich erinnert Weber daran, dass Politik Verantwortung, Urteilskraft und Disziplin verlangt — nicht bloß Aufrichtigkeit.

Why Do We Want All of Us to Be Part-Time Politicians?

 

Because Politics Must Become Everyone’s Business Again

In our previous contribution, Why Do We Call Our Community a Members’ Party?, we argued that Europeans for the Planet should not derive its vitality from founders, chairpersons or charismatic personalities, but from politically responsible members.

That answer leads directly to the next question.

If the members are to be the living centre of the party, what kind of members must they become?

Our answer may sound demanding:

We want all of us to become part-time politicians — and no one a career politician.

This sentence is deliberately provocative. So let us explain it carefully.

  • We do not mean that every member should stand for office.
  • We do not mean that every citizen must spend every evening debating policy papers.
  • We do not mean that politics should become another burden placed on already exhausted people.
  • And we do not mean that political work requires no skill, knowledge or discipline.

Quite the opposite.

  • We mean that politics is too important to be monopolised by a small professional class.

A sentence often attributed to Charles de Gaulle says that politics is too serious a matter to be left to politicians. Whether the attribution is fully secure or not, the thought is correct.

Politics shapes the world in which we live.

  • It shapes the air our children breathe.
  • It shapes the freedoms they inherit.
  • It shapes the institutions that protect them — or fail them.
  • It shapes whether Europe remains capable of acting in a dangerous century.
Such matters cannot be left entirely to people for whom politics has become a career ladder.

What: Political responsibility should be distributed

Our strategic statement is this:

Europeans for the Planet wants politics to become a shared civic responsibility again. We therefore want many citizens to become part-time political adults, rather than allowing politics to become the permanent occupation of a separate political caste.

This is not an argument against competence.

It is an argument against monopoly.

A society needs people who understand law, finance, climate science, administration, diplomacy, technology, agriculture, education, health, security, infrastructure and social reality. No serious politics can be built on good intentions alone.

But ...

  • Why should political judgement be separated from the citizens who live with the consequences?

  • Why should political careers become more important than political substance?

  • Why should parties train their members to applaud professionals instead of helping citizens become capable of judgement themselves?

A democracy that reduces citizens to voters every few years is an impoverished democracy.

Voting matters. Of course it does.

But voting alone is not enough.

Between elections, the work continues: understanding problems, developing programmes, evaluating proposals, correcting errors, resisting manipulation, forming judgement, and holding representatives accountable.

That work cannot be outsourced completely.

If we want politics to do the right thing, citizens must become capable of sharing political responsibility.

How: Part-time politics must be made possible

Here we must be honest.

For most of history, political participation beyond voting was available mainly to those who could afford it: the wealthy, the well-connected, the highly educated, the retired, the professionally political, or those paid by parties, parliaments, interest groups and institutions.

That was not accidental.

Politics takes time.

  • It requires information.
  • It requires confidence.
  • It requires language.
  • It requires organisational skill.
  • It requires access to networks.
  • It requires the ability to distinguish signal from noise.
  • It requires enough space in one’s life to think beyond the next invoice, the next shift, the next family emergency.

So the question is real:

How can a person who struggles daily to earn a living, and whose energy is already consumed by ordinary obligations, also become politically active?

A generation ago, the idea that ordinary citizens across Europe could regularly inform themselves, coordinate, deliberate and contribute to a shared political project might indeed have sounded utopian.

Today, it no longer does.

The internet does not solve democracy.
But it changes the conditions under which democratic participation can be organised.

  • Documents can be shared.
  • Meetings can be held across distance.
  • Political education can be modular.
  • Translation can be supported.
  • Members can contribute asynchronously.
  • Working groups can cooperate across cities, regions and eventually countries.
  • Arguments can be documented.
  • Decisions can be explained.
  • Knowledge can be made searchable.

These are not small changes.

They mean that a party can help citizens participate without demanding that they abandon their work, families and lives.

But this will not happen automatically.

The party must design for it.

That means ...

  • Short formats as well as long papers.
  • Clear summaries as well as detailed reasoning.
  • Structured onboarding.
  • Reliable source material.
  • Open working groups.
  • Transparent decision paths.
  • Multilingual communication.
  • Recorded explanations.
  • Reusable arguments.
  • And different levels of participation, so that members can contribute according to their time, skills and life situation.

A part-time political adult is not someone who does politics casually.

It is someone whose political contribution is made possible by good organisational design.

Why: Career politics distorts attention

Why should we avoid career politics as the dominant model?

Because career politics creates a structural temptation.

A professional politician must think about the next election, the next position, the next committee role, the next media opportunity, the next alliance, the next internal faction, the next step upward.

That does not make every professional politician corrupt. It does not even make every professional politician cynical.

But it does create an environment in which career survival can quietly become more urgent than long-term responsibility.

The problem is not that politicians are paid.

People must be able to live. Public service should not be reserved for the independently wealthy.

The problem arises when politics becomes a life strategy: a closed professional track with its own language, incentives, loyalties, rivalries and promotion logic.

Then politics slowly begins to serve the political career.

We have seen the consequences often enough:

  • Difficult decisions are postponed.
  • Unpopular truths are softened.
  • Long-term problems are translated into short-term messages.
  • Citizens become target groups.
  • Members become campaign labour.
  • Programmes become negotiation material.
  • Visibility becomes more important than substance.
  • And the question “What is right?” is replaced by the question “What can be survived politically?”

That is what we mean by career politics.

We do not want a party that merely criticises this pattern from the outside and then reproduces it internally.

We want a party in which political responsibility is spread so widely that no small group can convert the mission into a career machine.

The danger: Amateurism is not enough

But here we must guard against our own slogan.

“Part-time politicians” must not mean uninformed amateurs pretending that sincerity is enough.

It is not.

Politics is complex:

  • Law is complex.
  • Economics is complex.
  • Climate policy is complex.
  • European governance is complex.
  • Digital regulation is complex.
  • Security policy is complex.
  • Migration policy is complex.
  • Institutional reform is complex.

Anyone who says “ordinary people can decide everything by common sense alone” is not renewing democracy. He is preparing disappointment.

A citizens’ party must therefore avoid two opposite errors.

The first error is professional arrogance: the belief that politics should be left to insiders because ordinary citizens cannot understand it.

The second error is amateur arrogance: the belief that expert knowledge, institutional memory and disciplined analysis are unnecessary.

Both are wrong.

A serious members’ party needs citizens and experts.

  • It needs lived experience and technical knowledge.
  • It needs moral judgement and factual discipline.
  • It needs programme loyalty and openness to correction.
  • It needs members who ask good questions, and specialists who answer them without becoming a priesthood.

Our goal is not amateur rule.
Our goal is supported citizen competence.

That distinction is decisive.

What we must provide: Programme, analysis and orientation

If we ask members to become part-time political adults, then the party owes them support.

We cannot simply say: “Be more engaged.”

We must make engagement possible.

That begins with a substantive programme.

A programme is not a decorative document for election campaigns. It is the shared compass of the party. It helps members understand what we stand for, how we reason, what we prioritise and how individual proposals should be judged.

That is why our next contribution will ask:

  • Why do we strictly value programme over person?

But a programme alone is not enough.

The world changes. Crises emerge. Scientific findings evolve. Governments shift. Wars begin. Technologies mature. Disinformation spreads. Political opportunities open and close.

Therefore, the party must also comment regularly on the state of the world — on both the small and the large scale. Not in the style of the usual political fray. Not in the tone of permanent outrage. Not with polemical reflexes. But soberly, consistently and intelligibly.

That is why the following contribution will ask:

  • Why do we opt for a boring but consistent approach without all the usual fuss?

And finally, if the information environment keeps growing more complex, we will need better tools.

Once the time is right, we intend to develop something like a political oracle: an AI-supported knowledge and explanation system that helps members understand our programme, our reasoning and our view of the world.

Let us be clear: such an oracle must not be a propaganda machine. It must not replace judgement. It must not invent certainty where none exists. It must not manipulate members into agreement.

It must be transparent, source-based, corrigible and intellectually fair.

But it may help members do what the modern political environment otherwise makes almost impossible: get an overview, compare arguments, trace evidence, understand the party’s criteria, and form their own judgement within a shared programme framework.

That is why the final contribution in this sequence will ask:

  • Why should there be a political oracle to explain our worldview to every amateur politician?

These three instruments belong together:

  • Programme gives direction.
  • Analysis gives orientation.
  • The oracle gives access.

Together, they make part-time political responsibility more realistic.

What follows: Politics must fit into real lives

The conclusion is simple, but demanding.

If politics is to become everyone’s business again, then political participation must be compatible with real human lives.

  • People work.
  • People care for children.
  • People look after parents.
  • People fall ill.
  • People commute.
  • People are tired.
  • People are overwhelmed by information.
  • People are targeted by manipulation.
  • People cannot become full-time politicians after work.

So we must not design a party only for those with unlimited time, academic confidence and no care obligations.

We must design a party for citizens as they are.

That means lowering unnecessary barriers without lowering intellectual standards:

  • It means asking less for show, but more for substance.

  • It means respecting small contributions.

  • It means making political work modular.

  • It means allowing members to enter at different depths.

  • It means helping citizens become more competent over time.

  • It means remembering that participation is not measured only by noise, visibility or hours spent in meetings.

Sometimes the most valuable political act is not shouting louder.

It is understanding better.

That is what we mean by part-time politicians.

  • Not people playing at politics.
  • Not people consuming politics.
  • Not people applauding politics.
  • Not people outsourcing politics.

  • Citizens who accept that the future of their living environment, their freedoms, their children and their grandchildren cannot safely be left to others alone.
  • Citizens who remain rooted in ordinary life, but refuse to remain politically passive.
  • Citizens who do not want political careers, but do accept political responsibility.

That is our ambition.

Not a party of career politicians with members attached.

A party of members, supported well enough to become part-time political adults.

Next Friday, we will address the fifth question:

  • Why do we strictly value programme over person?

3. Annotated APA 7 references

  1. Achen, C. H., & Bartels, L. M. (2016). Democracy for realists: Why elections do not produce responsive government. Princeton University Press.
    • Achen and Bartels are useful as a counterweight to romantic participatory optimism. They argue that voters are often driven less by rational policy evaluation than by group identity, retrospective reactions, and partisan loyalties. This does not undermine the article’s argument, but it disciplines it: citizen participation must be supported by information, structure, and deliberation, not simply assumed to become wise by being popular.

  2. Brady, H. E., Verba, S., & Schlozman, K. L. (1995). Beyond SES: A resource model of political participation. American Political Science Review, 89(2), 271–294.
    • This is one of the most important references for article #4. The authors identify time, money, and civic skills as core resources for political participation. This directly supports the article’s concern that political work cannot simply be demanded from people already struggling with work, family, and financial pressure. A members’ party must therefore reduce participation costs and build civic capacity.

  3. Carey, J. M., Niemi, R. G., & Powell, L. W. (2000). Term limits in state legislatures. University of Michigan Press.
    • Carey, Niemi, and Powell provide a useful warning against a simplistic anti-professional stance. Their work on U.S. state legislative term limits shows that reducing political careerism can also weaken legislatures and shift influence towards governors, staff, and other actors with institutional memory. For the article, this supports the key distinction between amateurism and supported citizen competence.

  4. Council of Europe. (2024). Framework Convention on Artificial Intelligence and Human Rights, Democracy and the Rule of Law.
    • This is an essential reference for any later discussion of the “political oracle.” The Council of Europe describes the convention as the first legally binding international treaty on AI, designed to ensure that AI systems remain consistent with human rights, democracy, and the rule of law. For article #4, it supports the claim that AI may be useful for democratic decision support only if governed under strict democratic safeguards.

  5. Hibbing, J. R., & Theiss-Morse, E. (2002). Stealth democracy: Americans’ beliefs about how government should work. Cambridge University Press.
    • Hibbing and Theiss-Morse are a strong countervoice. They argue that many citizens do not actually want more involvement in politics and would prefer government to operate without visible conflict and constant public participation. This is important because article #4 should not pretend that citizens naturally desire permanent engagement. The party must make participation meaningful, bounded, and compatible with life — not simply morally demand more of everyone.

  6. Moncrief, G. F., & Thompson, J. A. (2001). On the outside looking in: Lobbyists’ perspectives on the effects of state legislative term limits. State Politics & Policy Quarterly, 1(4), 394–411.
    • This article is another useful warning. It finds strong agreement among lobbyists that term limits shifted political influence away from legislatures and towards governors, administrative agencies, and interest groups. This helps the essay avoid naïveté: if elected or party-political citizens lack time and knowledge, power does not disappear — it migrates to those who have both.

  7. OECD. (2020). Innovative citizen participation and new democratic institutions: Catching the deliberative wave. OECD Publishing.
    • The OECD report gives strong support to the article’s claim that ordinary citizens can contribute meaningfully to complex political questions if deliberation is properly designed. It documents citizens’ assemblies, juries, panels, and other processes used by public authorities to address difficult policy problems. The important lesson is not that citizens can improvise politics alone, but that structured, informed participation can improve legitimacy, trust, and policy quality.
  8. OECD. (2026). AI principles.

    • The OECD AI Principles are relevant because they define conditions for trustworthy, human-centred AI, including respect for human rights and democratic values, transparency, explainability, robustness, and accountability. These principles are directly applicable to the proposed political oracle: such a tool must explain, source, and expose its reasoning rather than merely produce persuasive answers.

  9. Reuters Institute for the Study of Journalism. (2026). Digital News Report 2026. University of Oxford.
    • The 2026 Digital News Report provides the article’s strongest current evidence on the information environment. It describes declining trust pressures as news discovery shifts towards social media, video networks, and AI, and notes rising Western European concern about fake news, deepfakes, AI slop, and politically motivated misinformation. This supports the article’s claim that citizens need reliable orientation, not merely more information.

  10. Swiss Confederation. (2024). The Federal Assembly: Parliament. Presence Switzerland.
    • Switzerland provides the most obvious European example of semi-professional politics. The official Swiss description explains that the Federal Assembly is a semi-professional parliament in keeping with the militia concept of community service. This supports the idea that public responsibility need not always be monopolised by full-time political professionals, while also showing that such a model requires deep institutional culture.

  11. Tessler, M. H., Evans, G., Bakker, M. A., Gabriel, I., Bridgers, S., Jain, R., Koster, R., Rieser, V., Dragan, A., Botvinick, M., & Summerfield, C. (2026). Can AI mediation improve democratic deliberation? arXiv.
    • This recent work is useful for the forward-looking “political oracle” theme. The authors discuss whether AI can help with democracy’s deliberative trilemma: broad participation, meaningful deliberation, and political equality. They see potential in AI-mediated deliberation, but also stress unresolved empirical, technical, and theoretical challenges. It is therefore a balanced reference: useful for hope, but also for caution.

  12. Tufekci, Z. (2017). Twitter and tear gas: The power and fragility of networked protest. Yale University Press.
    • Tufekci remains relevant here because part-time political responsibility must not be confused with rapid online mobilisation. Her work shows that networked protest can scale quickly but may lack the slow organisational capacity needed for strategy and durability. This supports the article’s emphasis on programme, analysis, institutional memory, and structured participation rather than mere digital activism.

  13. Weber, M. (1919/1994). Politics as a vocation. In P. Lassman & R. Speirs (Eds.), Weber: Political writings (pp. 309–369). Cambridge University Press.
    • Weber is essential because he distinguishes between those who live “for” politics and those who live “off” politics. The article’s critique of career politics should be read in this Weberian sense: the problem is not remuneration as such, but the conversion of politics into a personal livelihood and career logic. Weber also reminds us that politics requires responsibility, judgement, and discipline — not merely sincerity.

2026-08-14

Warum nennen wir unsere Gemeinschaft eine Mitgliederpartei?

Weil Politik zu wichtig ist, um sie politischen Profis zu überlassen

Dieser Satz wird häufig Charles de Gaulle zugeschrieben. Er will sagen: Politik sei eine zu ernste Angelegenheit, um sie Politikern zu überlassen.

Ob diese Zuordnung nun gesichert ist oder nicht: Der Gedanke selbst ist weit verbreitet. Ja, er ist beinahe Allgemeingut geworden. Viele Menschen würden der Aussage zustimmen, dass Politik zu wichtig ist, um sie ausschließlich jenen zu überlassen, die sie zu ihrem Beruf gemacht haben.

Und doch tun wir in der Praxis genau das.

Für die meisten Bürgerinnen und Bürger beschränkt sich politische Beteiligung weitgehend darauf, alle paar Jahre zur Wahl zu gehen, gelegentlich eine Petition zu unterschreiben, vielleicht einen Artikel weiterzuleiten — und dann wieder ins private Leben zurückzukehren, mit jener vertrauten Mischung aus Hoffnung, Frustration und Resignation.

Wir wollen das ändern.

In unserem ersten Beitrag dieser Reihe, Warum überhaupt eine politische Partei?, haben wir argumentiert, dass eine Partei nicht die Mission selbst ist, sondern das verfassungsrechtliche Vehikel, mit dem zivile Unzufriedenheit zu politischer Wirkung werden kann.

In unserem zweiten Beitrag, Warum haben wir Europäer eine deutsche Partei gegründet?, haben wir erklärt, warum eine europäische politische Mission zunächst durch eine nationale rechtliche Tür gehen musste. Europäer für den Planeten begann als deutsche Partei — nicht, weil uns Deutschland genügen würde, sondern weil Deutschland der Ort war, an dem die wirkliche institutionelle Arbeit für uns beginnen konnte.

Doch sobald eine solche Partei existiert, stellt sich unausweichlich die nächste Frage:

Wer gibt dieser Partei ihr Leben?

Unsere Antwort ist klar:

  • Nicht die Gründer.
  • Nicht der Vorstand.
  • Keine charismatische Führergestalt.
  • Nicht eine professionelle politische Klasse.
  • Sondern die Mitglieder

Deshalb nennen wir unsere Gemeinschaft eine Mitgliederpartei.

Was: Eine Partei, deren Lebenskraft von ihren Mitgliedern kommt

Unsere strategische Aussage lautet:

Europäer für den Planeten ist als Mitgliederpartei angelegt: als eine Partei, deren Lebenskraft nicht von Gründerfiguren, Vorsitzenden oder charismatischen Rettern ausgeht, sondern von politisch verantwortlichen Mitgliedern, die sich einem gemeinsamen Programm verpflichtet fühlen.

Das bedeutet nicht: eine Partei ohne Führung.

Das wäre naiv.

Jede ernsthafte Organisation braucht Rollen, Mandate, Verfahren, Verantwortung und Entscheidungsfähigkeit. Eine Partei, die nicht entscheiden kann, kann nicht handeln. Und eine Partei, die nicht handeln kann, bleibt ein Debattierzirkel — ganz gleich, wie edel ihre Absichten sein mögen.

Seien wir also präzise:

Eine Mitgliederpartei ist keine Partei ohne Führung. Sie ist eine Partei, in der Führung den Mitgliedern, dem Programm und der Mission dient — nicht umgekehrt.

Diese Unterscheidung ist entscheidend.

In der gewöhnlichen Parteipolitik werden Mitglieder oft wie Dekoration behandelt. Sie applaudieren, spenden, verteilen Flugblätter, besuchen Versammlungen, legitimieren Entscheidungen, die andernorts längst getroffen wurden — und verschwinden anschließend wieder im Hintergrund. Das sichtbare Zentrum wird von Persönlichkeiten besetzt: Gründerinnen und Gründern, Vorsitzenden, Kandidatinnen und Kandidaten, Fraktionsfiguren, Mediengesichtern, aufstrebenden Stars.

Wir wollen diese Logik umkehren.

  • Die Gründer mögen das Projekt angestoßen haben, aber sie besitzen es nicht.

  • Der Vorstand mag führen, aber er darf nicht dominieren.

  • Die Sprecherin oder der Sprecher mag repräsentieren, aber nicht herrschen.

  • Arbeitsgruppen mögen Vorschläge vorbereiten, aber sie dürfen nicht zu geschlossenen Priesterschaften werden.

Mitglieder mögen beraten und entscheiden, aber nicht bloß Stimmungen, Impulsen oder Online-Wellen folgen.

  • Das Programm ist der gemeinsame Bezugspunkt.
  • Die Mission ist der Auftrag der Organisation.
  • Die Mitglieder sind ihr lebendiges Zentrum.

Wie: Verteilte Verantwortung statt persönlicher Herrschaft

Wie soll eine solche Mitgliederpartei funktionieren?

Zunächst dadurch, dass Aufgaben und Rollen verteilt werden.

Eine politische Partei braucht einen Vorstand, aber der Vorstand darf nicht zur Partei werden. Sie braucht Gründerinnen und Gründer, aber die Gründer dürfen nicht zum Mythos werden. Sie braucht öffentliche Stimmen, aber diese Stimmen dürfen nicht mit eigener Meinung im Namen der Partei verwechselt werden. Sie braucht Kompetenz, aber Kompetenz muss rechenschaftspflichtig bleiben.

Langfristig muss das öffentliche Gesicht der Partei nicht ihr Gründer oder ihr Vorsitzender sein. Es kann sehr wohl eine Sprecherin sein — idealerweise eine Frau — deren Aufgabe nicht darin besteht, die Partei persönlich zu verkörpern, sondern dem Programm und den Mitgliedern hinter diesem Programm eine Stimme zu geben.

Das ist kein kosmetischer Punkt. - Es ist ein struktureller.

Wenn Vorsitz, Gründung, Strategie, öffentliches Gesicht und symbolische Identität der Partei in einer einzigen Person zusammenfallen, wird die Partei fragil. Sie wird anfällig für Eitelkeit, Erschöpfung, Skandale, mediale Überpersonalisierung und Reputationsangriffe. Schlimmer noch: Sie erzieht ihre Mitglieder dazu, Zuschauerinnen und Zuschauer der Leistung einer anderen Person zu werden.

Eine Mitgliederpartei muss Funktionen daher trennen.

  • Der Vorsitz hilft, geordnete Führung zu sichern.
  • Der Vorstand trägt organisatorische Verantwortung.
  • Die Sprecherin oder der Sprecher kommuniziert öffentlich.
  • Arbeitsgruppen entwickeln Wissen und Vorschläge.
  • Mitglieder beteiligen sich an Urteil, Beratung und Entscheidung.
  • Das Programm schafft Kontinuität über Personen hinweg.

Das beseitigt Führung nicht. Es zivilisiert sie.

  • Führung wird zur Dienstfunktion, nicht zum Besitz.
  • Sichtbarkeit wird zur Rolle, nicht zum Thron.
  • Autorität wird bedingt, nicht mystisch.
  • Repräsentation wird rechenschaftspflichtig, nicht theatralisch.

Warum: Schutz vor den Gefahren herkömmlicher Politik

Warum ist das nötig?

Wegen der Defekte herkömmlicher Politik, die wir bereits oft genug beschrieben haben.

Erstens zieht die Aussicht auf Macht — Macht über andere — zuweilen sonderbare Charaktere an. Nicht immer. Nicht zwangsläufig. Aber oft genug, um politisch gefährlich zu sein. Ein System, das Ehrgeiz, Selbstdarstellung, taktische Beweglichkeit und ständige öffentliche Performance belohnt, sollte sich nicht wundern, wenn es Menschen anzieht, die gerade in diesen Verhaltensweisen besonders begabt sind.

Zweitens verlangt die Karriereleiter des Politikerberufs einen erheblichen Teil der Aufmerksamkeit. Es gibt Ausschüsse, Fraktionen, Kandidaturen, Medienauftritte, Bündnisse, interne Rivalitäten, Reputationspflege und permanenten Wahlkampf. Inhalte spielen natürlich weiterhin eine Rolle. Aber unter solchen Bedingungen geraten sie leicht in den Dienst der Karriereabsicherung.

Drittens bleibt Personenkult eine der wiederkehrenden Versuchungen der Demokratie. Viele Bürgerinnen und Bürger sagen, sie wollten Beteiligung. Doch in Momenten der Angst sehnen sie sich nach jemandem, der entscheidet, durchgreift, vereinfacht, Hindernisse beseitigt und Rettung verspricht. Der starke Führer wird dann als eine Art politischer Herkules imaginiert, der alle Hindernisse hinwegfegt und das Volk in eine bessere Zukunft führt.

Die Geschichte liefert uns viele Gründe, dieser Fantasie zu misstrauen.

Starke Führer verwechseln öffentliche Mission häufig mit persönlichem Schicksal. Sie nutzen Politik als Fahrzeug für ihre eigene Legende. Sie dominieren Institutionen, statt sie zu stärken. Sie ersticken Widerspruch im Namen der Entschlossenheit. Und selbst dort, wo ihre Absichten nicht zerstörerisch sind, schwächt die Gewohnheit, auf Rettung zu warten, die demokratische Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger selbst.

Viertens sind exponierte Persönlichkeiten heute zunehmend verletzbar. Im Zeitalter sozialer Medien können Reputationen mit außerordentlicher Geschwindigkeit beschädigt oder zerstört werden. Eine anonym gestartete Schmierkampagne, ein manipuliertes Fragment, ein alter Satz aus dem Zusammenhang gerissen, eine koordinierte Welle der Empörung — all das kann eine Partei destabilisieren, die zu stark von einer einzigen sichtbaren Person abhängt.

Die Antwort darauf ist nicht Unsichtbarkeit. - Eine Partei muss sichtbar sein.

Die Antwort lautet: verteilte Sichtbarkeit, verteilte Kompetenz und verteilte Verantwortung.

Eine Mitgliederpartei beseitigt die Gefahren von Eitelkeit, Karriereismus, Führerkult oder Reputationsangriffen nicht. Aber sie verringert die Abhängigkeit von genau jenen Strukturen, die diese Gefahren so zerstörerisch machen.

Eine Mitgliederpartei ist nicht die alte Massenpartei

An dieser Stelle sollten wir ein Missverständnis vermeiden.

Wenn wir von einer Mitgliederpartei sprechen, meinen wir keine nostalgische Rückkehr zur alten Massenpartei des 20. Jahrhunderts.

Wir stellen uns keine riesigen Ortsvereine vor, keine endlosen Abendversammlungen, keine Papierakten, keine Verfahrensrituale und keine loyale Mitgliedschaft, die alle paar Jahre bloß Stimmen liefert. Ebenso wenig stellen wir uns eine Partei vor, in der jede Frage jederzeit von allen entschieden werden muss.

Das wäre keine Demokratie. Das würde zur Erschöpfung führen.

Eine moderne Mitgliederpartei muss intelligenter sein.

Sie muss unterschiedliche Grade der Beteiligung ermöglichen. Manche Mitglieder werden kontinuierlich mitarbeiten. Andere werden sich auf bestimmte Themen konzentrieren. Manche bringen berufliche Expertise ein. Andere bringen lokale Erfahrung ein. Einige helfen bei Kommunikation. Andere bei Verwaltung, Veranstaltungen, Recherche, Übersetzung, Finanzierung, Gestaltung, Technologie, Bildung oder Kandidatenunterstützung.

Nicht jedes Mitglied muss alles tun. Aber jedes Mitglied sollte als politisch mündiger Bürger ernst genommen werden.

Das bedeutet: Die Partei muss mehr bieten als Applaus und gelegentliche Mobilisierung. Sie muss Orientierung, Wissen, reale Aufgaben, verständliche Prozesse und sinnvolle Möglichkeiten zur Mitwirkung bieten.

Eine Mitgliederpartei sollte nicht fragen:

  • „Wie können wir unsere Mitglieder benutzen?“

Sie sollte fragen:

  • „Wie können wir Bürgerinnen und Bürger befähigen, politische Verantwortung mitzutragen?“

Das ist eine ganz andere Frage.

Technik: nützlicher service, als Führung (noch) untauglich

Moderne Kommunikationstechnik kann uns dabei helfen.

Sie kann eine Mitgliederpartei in einer Weise möglich machen, die vor einer Generation kaum denkbar gewesen wäre. Mitglieder können sich über Regionen und Länder hinweg treffen. Dokumente können sofort geteilt werden. Programmentwürfe können gemeinsam kommentiert werden. Arbeitsgruppen können koordinieren, ohne reisen zu müssen. Wissen kann gespeichert, durchsucht, übersetzt und aktualisiert werden. Bürgerinnen und Bürger, die nicht an physischen Treffen teilnehmen können, können dennoch mitwirken.

Für ein europäisches Projekt ist das unverzichtbar.

Ohne digitale Kommunikation bliebe eine transnationale Mitgliederpartei langsam, teuer und sozial begrenz. Mit digitaler Kommunikation können Mitglieder in verschiedenen Regionen und Ländern gemeinsam lernen, beraten, organisieren und schließlich gemeinsam handeln.

Aber Technik nicht die Lösung unserer Probleme.

Sie kann sich in der Politik auch als schädlich erweisen.

  • Sie kann Beratung in permanentes Abstimmen verwandeln.
  • Sie kann Geschwindigkeit über Urteilskraft stellen.
  • Sie kann Empörung stärker belohnen als Nachdenken.
  • Sie kann Scheinbeteiligung erzeugen, während die eigentliche Tagesordnung andernorts gesetzt wird.
  • Sie kann neue informelle Eliten hervorbringen: jene mit Zeit, technischer Gewandtheit, rhetorischer Aggressivität, Plattformzugang oder Kontrolle über Daten.
  • Sie kann Politik lauter machen und zugleich weniger intelligent.
Einige dieser Elemente lassen sich heute bereits beobachten.

Unser Grundsatz sollte daher sein:

Moderne Kommunikationstechnik kann uns helfen, eine Mitgliederpartei zu werden. 
Aber sie kann uns nicht zu einer machen.

Technik kann Informationen verteilen.

  • Sie kann Konsultationen beschleunigen.
  • Sie kann institutionelles Gedächtnis bewahren.
  • Sie kann mehrsprachige Zusammenarbeit unterstützen.
  • Sie kann helfen, eine Art politisches Wissenssystem aufzubauen — ein politisches Orakel, wenn man so will — durch das Mitglieder das Programm, die dahinterliegenden Überlegungen und die Weltsicht verstehen können, aus der es folgt.

Aber Technik kann Urteilskraft nicht ersetzen.

  • Sie kann Vertrauen nicht ersetzen.
  • Sie kann Verantwortung nicht ersetzen.
  • Sie kann Charakter nicht ersetzen.

Eine Mitgliederpartei muss Technik daher überlegt und mit Disziplin nutzen. Technik soll Beratung, Lernen und Rechenschaft unterstützen. Sie darf nicht zur Maschine für spontane Stimmungen, emotionale Mobilisierung oder digitalen Führerkult werden.

Die Plattform darf nicht zur Partei werden.

Was daraus folgt: Mitglieder müssen politisch mündig sein oder werden

Die Schlussfolgerung ist anspruchsvoll.

Eine Mitgliederpartei kann nicht aus passiven Sympathisantinnen und Sympathisanten bestehen, die darauf warten, von einer Führungsmannschaft geleitet und unterhalten zu werden.

Sie kann nicht aus Menschen bestehen, die Politik lediglich mit besserem Gewissen konsumieren wollen.

Sie kann kein Fanclub sein, keine Protest-Mailingliste, kein Debattierkreis und keine moralische Komfortzone.

Wenn die Mitglieder das lebendige Zentrum der Partei sein sollen, dann muss Mitgliedschaft etwas bedeuten.

  • Sie bedeutet, bereit zu sein zu lernen.
  • Sie bedeutet, bereit zu sein zuzuhören.
  • Sie bedeutet, bereit zu sein zu streiten, ohne zu zerstören.
  • Sie bedeutet, bereit zu sein Verfahren zu akzeptieren.
  • Sie bedeutet, bereit zu sein Programm und persönliche Meinung zu unterscheiden.
  • Sie bedeutet, bereit zu sein kleine, langweilige, notwendige Aufgaben zu übernehmen.
  • Sie bedeutet, bereit zu sein Verantwortung zu tragen, bevor man Einfluss fordert.

Deshalb ist eine Mitgliederpartei nicht der einfache Weg. - Sie ist der schwierigere Weg.

Aber sie ist auch der einzige Weg, der zu unserer Diagnose passt.

  • Wenn wir beklagen, dass Politik den Berufspolitikern überlassen wurde, dann müssen wir aufhören, Politik den Berufspolitikern zu überlassen.

  • Wenn wir Führerkulte kritisieren, dann müssen wir aufhören, auf Führer zu warten, die uns retten.

  • Wenn wir politisches Theater ablehnen, dann müssen wir das Handwerk politischer Arbeit lernen.

  • Wenn wir sagen, dass das Programm wichtiger sein soll als die Person, dann müssen wir eine Partei aufbauen, in der Mitglieder das Programm verstehen, entwickeln und verteidigen.

Eine Mitgliederpartei ist daher nicht bloß eine organisatorische Entscheidung. - Sie ist eine demokratische Aussage.

Sie sagt: Politik ist kein Schauspiel, das von wenigen für viele aufgeführt wird. Politik ist die gemeinsame Verantwortung von Bürgerinnen und Bürgern, die bereit sind, politisch mündig zu werden.

Deshalb nennen wir uns eine Mitgliederpartei.

  • Nicht, weil Mitglieder immer recht hätten. - Das haben sie nicht.
  • Nicht, weil Beteiligung jedes Problem löst. - Das tut sie nicht.
  • Nicht, weil verteilte Verantwortung einfach wäre. - Das ist sie nicht.
  • Sondern weil eine Partei, die demokratische Politik erneuern will, selbst damit beginnen muss, eine demokratischere Form von Politik zu praktizieren

Die Partei bezieht ihre Lebenskraft nicht aus prominenten Persönlichkeiten.

Sie bezieht ihre Lebenskraft aus Mitgliedern, die bereit sind, gemeinsam zu denken, zu lernen, sich zu organisieren und zu handeln.

Das ist das Versprechen. - Und es ist zugleich die schwere Aufgabe.

Am nächsten Freitag wenden wir uns der vierten Frage zu:

Warum wollen wir, dass wir alle Teilzeitpolitiker sind — und niemand Berufspolitiker?


Referenzen in annotierten APA 7-Format

  1. Brown, A. (2014). The myth of the strong leader: Political leadership in the modern age. Basic Books.
    •  Brown liefert die zentrale Referenz für die Kritik am Führerkult. Er stellt die verbreitete Annahme infrage, dass „starke“ Führungspersönlichkeiten — verstanden als dominante Figuren, die sich gegenüber Kolleginnen, Kollegen und Institutionen durchsetzen — notwendigerweise besonders erfolgreich oder bewundernswert seien. Für diesen Beitrag stützt seine Arbeit die These, dass demokratische Politik der Retterfantasie misstrauen und Programm, Institutionen sowie geteilte Verantwortung höher bewerten sollte als charismatische Dominanz.

  2. Gerbaudo, P. (2021). Are digital parties more democratic than traditional parties? Evaluating Podemos and Movimento 5 Stelle’s online decision-making platforms. Party Politics, 27(4), 730–742.
    • Gerbaudos Analyse ist besonders hilfreich für den vorsichtigen Umgang mit digitaler Parteibeteiligung. Er untersucht Parteien, die Online-Plattformen als Instrumente innerparteilicher Demokratie präsentieren, insbesondere Podemos und Movimento 5 Stelle. Seine Ergebnisse mahnen zur Vorsicht: Digitale Parteien können Beteiligung versprechen und dennoch stark top-down organisiert bleiben. Das unterstützt die Unterscheidung dieses Beitrags zwischen Technik als nützlichem Diener und Technologie als gefährlichem Herrn.

  3. Green Party of England and Wales. (2025). Constitution of the Green Party.
    • Die Satzung der Green Party of England and Wales ist ein praktisches Beispiel für eine Partei, die mehrere anti-personalistische Elemente institutionell verankert: Ko-Führung, Gremienstrukturen, Sprecherrollen und Rückrufmechanismen. Sie sollte nicht als Modell verstanden werden, das einfach kopiert werden kann. Sie zeigt aber, dass Führung, öffentliche Repräsentation und Rechenschaftspflicht strukturell voneinander getrennt werden können.

  4. Greens/EFA Group in the European Parliament. (2026). Our co-presidents.
    • Die Fraktion der Grünen/EFA im Europäischen Parlament bietet ein relevantes europäisches Beispiel für geschlechterbalancierte Ko-Präsidentschaft und institutionalisierte Machtteilung. Für den vorliegenden Beitrag ist dies nützlich, weil es zeigt, dass öffentliche Sichtbarkeit nicht zwangsläufig in einer einzigen dominanten Person konzentriert sein muss. Sichtbarkeit kann auch strukturiert, geteilt und rechenschaftspflichtig organisiert werden.

  5. Inter-Parliamentary Union & Parliamentary Assembly of the Council of Europe. (2018). Sexism, harassment and violence against women in parliaments in Europe. Inter-Parliamentary Union.
    • Diese Studie ist wichtig für das Argument, dass exponierte politische Persönlichkeiten, insbesondere Frauen, heute besonderen Angriffen ausgesetzt sind. Die Untersuchung berichtete, dass 58 Prozent der befragten Parlamentarierinnen bereits Ziel sexistischer Online-Angriffe in sozialen Netzwerken geworden waren. Das stützt die These, dass moderne Parteien ihre öffentliche Identität nicht zu stark auf eine einzelne Person konzentrieren sollten, sondern Sichtbarkeit, Unterstützung und Verantwortung verteilen müssen.

  6. Kling, C. C., Kunegis, J., Hartmann, H., Strohmaier, M., & Staab, S. (2015). Voting behaviour and power in online democracy: A study of LiquidFeedback in Germany’s Pirate Party. arXiv.
    • Die Studie zu LiquidFeedback in der deutschen Piratenpartei ist nützlich, weil sie sowohl das Potenzial als auch die Risiken digitaler Beteiligung untersucht. Sie analysiert die Entstehung sogenannter „Super-Voter“ in einem delegierten Online-Demokratie-System. Die Ergebnisse sprechen weder für blinde Begeisterung noch für pauschale Ablehnung digitaler Werkzeuge. Sie sprechen vielmehr für sorgfältiges institutionelles Design.

  7. Michels, R. (1962). Political parties: A sociological study of the oligarchical tendencies of modern democracy (E. Paul & C. Paul, Trans.). Free Press. Original work published 1911.
    • Michels ist die klassische Referenz für das „eherne Gesetz der Oligarchie“: die Tendenz demokratischer Organisationen, im Laufe ihres Wachstums Machtkonzentrationen und Führungsgruppen auszubilden. Seine Arbeit ist für eine Mitgliederpartei besonders relevant, weil sie vor Naivität schützt. Auch Organisationen mit demokratischem Anspruch können informelle Eliten, Routinen und Machtzentren entwickeln.

  8. OECD. (2020). Innovative citizen participation and new democratic institutions: Catching the deliberative wave. OECD Publishing.
    • Der OECD-Bericht dokumentiert den Aufstieg deliberativer Bürgerbeteiligung und analysiert zahlreiche Beispiele wie Bürgerräte, Bürgerjurys und Bürgerpanels. Er unterstützt die Grundannahme dieses Beitrags, dass Bürgerinnen und Bürger zu komplexen öffentlichen Fragen sinnvoll beitragen können, wenn Beteiligung informiert, strukturiert und deliberativ gestaltet wird. Zugleich unterstreicht er eine zentrale Warnung: Beteiligung wird nicht allein dadurch wertvoll, dass viele Menschen beteiligt sind. Sie muss gestaltet werden.

  9. Scarrow, S. E. (2015). Beyond party members: Changing approaches to partisan mobilization. Oxford University Press.
    • Scarrow ist besonders relevant für das Konzept einer modernen Mitgliederpartei. Sie zeigt, dass Parteimitglieder in parlamentarischen Demokratien historisch eine wichtige Rolle spielten: Sie halfen bei Mobilisierung, verbanden Parteiführungen sichtbar mit gesellschaftlichen Milieus und trugen zur organisatorischen Verankerung von Parteien bei. Zugleich hilft ihre Analyse, ältere Massenparteien von flexibleren modernen Formen parteipolitischer Mobilisierung zu unterscheiden.

  10. Shaw, A., & Hill, B. M. (2014). Laboratories of oligarchy? How the iron law extends to peer production. arXiv.
    • Shaw und Hill übertragen Michels’ Oligarchieproblem auf moderne Online-Gemeinschaften und Peer-Production-Projekte. Ihre Ergebnisse legen nahe, dass auch offen angelegte digitale Gemeinschaften im Laufe der Zeit Beteiligungsungleichheiten und verfestigte Führungsstrukturen entwickeln können. Das ist eine wichtige Warnung für jede Partei, die glaubt, digitale Offenheit allein verhindere Machtkonzentration.

  11. Tufekci, Z. (2017). Twitter and tear gas: The power and fragility of networked protest. Yale University Press.
    • Tufekcis Arbeit erklärt, warum schnelle digitale Mobilisierung nicht mit dauerhafter politischer Handlungsfähigkeit gleichzusetzen ist. Netzwerkbasierte Proteste können rasch wachsen und große Aufmerksamkeit erzeugen, leiden aber häufig darunter, dass sie die langsame organisatorische Arbeit überspringen, die für Strategie, Resilienz und Entscheidungsfähigkeit notwendig ist. Für diesen Beitrag stützt das die Unterscheidung zwischen Mitgliedern als bloßen Unterstützern und Mitgliedern als verantwortlichen Mitgestaltern.

Why Do We Call Our Community a Members’ Party?

Because Politics Is Too Important to Be Left to Political Professionals

A sentence often attributed to Charles de Gaulle says that politics is too serious a matter to be left to politicians.

Whether the attribution is entirely certain or not, the thought itself is powerful. Indeed, it has become almost common sense. Many people would agree that politics is too important to be entrusted entirely to those who have made politics their profession.

And yet, in practice, this is exactly what we do.

For most citizens, political participation is largely reduced to voting at the ballot box every few years, occasionally signing a petition, perhaps forwarding an article, and then returning to private life with a familiar mixture of hope, frustration and resignation.

We want to change that.

In our first contribution in this series, Why a Political Party at All?, we argued that a party is not the mission, but the constitutional vehicle through which civic concern can become political consequence.

In our second contribution, Why Did We Europeans Establish a German Party?, we explained why a European political mission had to begin through a national legal door. Europeans for the Planet began as a German party not because Germany is enough, but because Germany is where the real institutional work could begin.

But once such a party exists, the next question is unavoidable:

Who gives this party its life?

Our answer is clear:

  • Not the founders.
  • Not the board.
  • Not a charismatic leader.
  • Not a professional political class.

  • The members.

That is why we call our community a members’ party.

What: A party whose vitality comes from its members

Our strategic statement is this:

Europeans for the Planet is designed as a members’ party: a party whose vitality comes not from founders, chairpersons or charismatic saviours, but from politically responsible members committed to a shared programme.

This does not mean a party without leadership.

That would be naïve.

Every serious organisation needs roles, mandates, procedures, responsibility and decision-making capacity. A party that cannot decide cannot act. And a party that cannot act will remain a debating club, however noble its intentions.

So let us be precise:

A members’ party is not a party without leadership. It is a party in which leadership serves the members, the programme and the mission — not the other way round.

This distinction matters.

In ordinary party politics, members are often treated as decoration. They applaud, donate, distribute leaflets, attend meetings, legitimate decisions already taken elsewhere, and then disappear again into the background. The visible centre is occupied by personalities: founders, chairpersons, candidates, faction leaders, media figures, rising stars.

We want to invert this logic.

  • The founders may have initiated the project, but they do not own it.
  • The board may govern, but it must not dominate.
  • The spokesperson may represent, but must not rule.
  • Working groups may prepare, but must not become closed priesthoods.
  • Members may deliberate and decide, but not merely follow moods, impulses or online waves.

The programme is the common point of reference.

The mission is the reason for the organisation.

The members are the living centre.

How: Distributed responsibility instead of personal rule

How should such a members’ party work?

First, by distributing roles.

A political party needs a board, but the board should not become the party. It needs founders, but the founders should not become the mythology. It needs public voices, but these voices should not be confused with ownership. It needs competence, but competence must remain accountable.

In the long run, the public face of the party need not be its founder or chairperson. It may well be a spokesperson — ideally a woman — whose task is not to embody the party personally, but to give voice to the programme and the members behind it.

This is not a cosmetic point.

It is a structural one.

If the chairperson, founder, chief strategist, public face and symbolic identity of the party all collapse into one person, the party becomes fragile. It becomes vulnerable to vanity, exhaustion, scandal, media over-personalisation and reputational attack. Worse still, it trains members to become spectators of someone else’s performance.

A members’ party must therefore separate functions.

  • The chairperson helps ensure orderly governance.
  • The board carries organisational responsibility.
  • The spokesperson communicates publicly.
  • Working groups develop knowledge and proposals.
  • Members participate in judgement, deliberation and decision.
  • The programme provides continuity across persons.

This does not remove the need for leadership. It civilises it.

  • Leadership becomes a service function, not a possession.
  • Visibility becomes a role, not a throne.
  • Authority becomes conditional, not mystical.
  • Representation becomes accountable, not theatrical.

Why: Protection against the defects of ordinary politics

Why is this necessary?

Because we have already described the defects of ordinary politics often enough.

First, the prospect of power — power over others — sometimes attracts peculiar characters. Not always. Not inevitably. But often enough to be politically dangerous. A system that rewards ambition, self-promotion, tactical flexibility and constant public performance should not be surprised when it attracts people especially talented in precisely those behaviours.

Second, the career ladder associated with the profession of politician demands a politician’s primary attention. There are committees, factions, candidacies, media appearances, alliances, internal rivalries, reputation management and permanent campaigning. Policy matters still matter, of course. But under such conditions they easily become subordinated to career survival.

Third, the cult of leadership remains one of democracy’s recurring temptations. Many citizens say they want participation, but in moments of fear they long for someone who will decide, cut through, impose, simplify and rescue. The strong leader is then imagined as a kind of political Hercules who will sweep away all obstacles and lead the people into a brighter future.

History gives us many reasons to distrust this fantasy.

Strong leaders often confuse public mission with personal destiny. They may use politics as a vehicle for their own legend. They may dominate institutions instead of strengthening them. They may silence dissent in the name of decisiveness. And even where their intentions are not destructive, the democratic habit of waiting for rescue weakens citizens themselves.

Fourth, high-profile individuals are increasingly vulnerable. In the age of social media, reputations can be damaged or destroyed with extraordinary speed. An anonymously launched smear campaign, a manipulated fragment, an old phrase torn from context, a coordinated wave of outrage — all of this can destabilise a party that depends too heavily on one visible person.

The answer is not invisibility.

A party must be visible.

The answer is distributed visibility, distributed competence and distributed responsibility.

A members’ party does not eliminate the dangers of vanity, careerism, leader worship or reputational attack. But it reduces dependence on precisely the structures that make those dangers so damaging.

A members’ party is not an old mass party

At this point, one misunderstanding should be avoided.

When we speak of a members’ party, we do not mean a nostalgic return to the old mass party of the twentieth century.

We do not imagine huge party branches, endless evening meetings, paper files, procedural rituals and a loyal membership that simply delivers votes every few years. Nor do we imagine a party in which every question must be decided by everyone all the time.

That would not be democracy.

It would be exhaustion.

A modern members’ party must be more intelligent than that.

It must allow different degrees of involvement. Some members will contribute continuously. Others will work on specific topics. Some will bring professional expertise. Others will bring local experience. Some will help with communication. Others will help with administration, events, research, translation, fundraising, design, technology, education, or candidate support.

Not every member must do everything.

But every member should be taken seriously as a political adult.

That means the party must offer more than applause and occasional mobilisation. It must offer orientation, knowledge, real tasks, understandable processes and meaningful ways to contribute.

A members’ party should not ask:

O “How can we use our members?”

It should ask:

ü “How can we help citizens become capable of sharing political responsibility?”

That is a very different question.

Technology: useful servant, dangerous master

Modern communication technology can help us here.

It can make a members’ party possible in ways that would have been unthinkable a generation ago. Members can meet across regions and countries. Documents can be shared instantly. Policy drafts can be commented on collectively. Working groups can coordinate without travelling. Knowledge can be stored, searched, translated and updated. Citizens who cannot attend physical meetings can still participate.

For a European project, this is indispensable.

Without digital communication, a transnational members’ party would remain slow, expensive and socially narrow. With digital communication, members in different regions and countries can learn together, deliberate together, organise together and eventually act together.

But technology is not salvation.

It can also damage politics.

  • It can turn deliberation into permanent polling.
  • It can reward speed over judgement.
  • It can amplify outrage over thought.
  • It can create pseudo-participation while real agenda-setting remains elsewhere.
  • It can produce new informal elites: those with time, technical skill, rhetorical aggression, platform access or control over data.
  • It can make politics louder while making it less wise.

So our principle should be simple:

Modern communication technology can help us become a members’ party. But it cannot make us one.

Technology can distribute information.

  • It can accelerate consultation.
  • It can preserve institutional memory.
  • It can support multilingual cooperation.
  • It can help build something like a political knowledge base — a political oracle, if you will — through which members can understand the programme, the reasoning behind it and the worldview from which it follows.

But technology cannot replace judgement.

  • It cannot replace trust.
  • It cannot replace responsibility.
  • It cannot replace character.

A members’ party must therefore use technology under constitutional discipline. Technology should serve deliberation, learning and accountability. It should not become a machine for instant moods, emotional mobilisation or digital leader worship.

The platform must not become the party.

What follows: Members must become political adults

The conclusion is demanding.

A members’ party cannot consist of passive sympathisers waiting to be entertained by a leadership team.

It cannot consist of people who merely want to consume politics with a cleaner conscience.

It cannot be a fan club, a protest mailing list, a discussion circle or a moral comfort zone.

If the members are to be the living centre of the party, then membership must mean something.

  • It means being willing to learn.
  • It means being willing to listen.
  • It means being willing to argue without destroying.
  • It means being willing to accept procedures.
  • It means being willing to distinguish programme from personal opinion.
  • It means being willing to do small, boring, necessary tasks.
  • It means being willing to carry responsibility before demanding influence.

That is why a members’ party is not the easy way.

It is the harder way.

But it is also the only way that fits our diagnosis.

  • If we complain that politics has been left to career politicians, then we must stop leaving politics to career politicians.

  • If we criticise leader cults, then we must stop waiting for leaders to rescue us.

  • If we reject political theatre, then we must learn the craft of political work.

  • If we say that the programme should matter more than the person, then we must build a party in which members understand, develop and defend the programme.

A members’ party is therefore not merely an organisational choice.

It is a democratic statement.

It says: politics is not a spectacle performed by a few for the many. Politics is the shared responsibility of citizens who are willing to become politically adult.

That is why we call ourselves a members’ party.

Not because members are always right.

They are not.

Not because participation solves every problem.

It does not.

Not because distributed responsibility is easy.

It is not.

But because a party that wants to renew democratic politics must itself begin by practising a more democratic form of politics.

The party does not derive its vitality from prominent personalities.

It derives its vitality from members who are willing to think, learn, organise and act together.

That is the promise.

It is also the burden.

Next Friday, we will address the fourth question:

Why do we want all of us to be part-time politicians — and no one a career politician?

Annotated APA 7 references

  1. Brown, A. (2014). The myth of the strong leader: Political leadership in the modern age. Basic Books.
    • Brown’s book is the central reference for the article’s critique of leader worship. He challenges the widespread assumption that “strong ” leaders — understood as dominant figures who impose themselves on colleagues and policy-making processes — are necessarily the most successful or admirable. This supports the article’s claim that democratic politics should distrust the saviour fantasy and value programme, institutions and shared responsibility over charismatic dominance.

  2. Gerbaudo, P. (2021). Are digital parties more democratic than traditional parties? Evaluating Podemos and Movimento 5 Stelle’s online decision-making platforms. Party Politics, 27(4), 730–742.
    • Gerbaudo’s work is useful for the article’s cautious treatment of technology. He analyses parties that present online platforms as instruments of intra-party democracy, especially Podemos and Movimento 5 Stelle. His conclusion is sobering: digital parties may promise membership-controlled participation, yet their platform politics can remain strong ly top-down. This supports the article’s distinction between technology as a useful servant and technology as a dangerous master.

  3. Green Party of England and Wales. (2025). Constitution of the Green Party.
    • The Green Party’s constitution is useful as a practical example of a party that institutionalises several anti-personalist features: co-leadership options, council structures, spokesperson roles and recall mechanisms. It should not be treated as a model to copy wholesale, but it provides a real-world precedent for separating leadership, representation and accountability in a party structure.

  4. Greens/EFA Group in the European Parliament. (2026). Our co-presidents.
    • The Greens/EFA Group provides a relevant European example of gender-balanced co-presidency and gender balance among Bureau members. This supports the article’s argument that the public face of a party or political group need not be a single dominant figure and that visibility can be structured institutionally. It is especially useful for discussing spokespersons, dual leadership and the symbolic importance of women in visible representative roles.

  5. Inter-Parliamentary Union & Parliamentary Assembly of the Council of Europe. (2018). Sexism, harassment and violence against women in parliaments in Europe. Inter-Parliamentary Union.
    • This study is important for the article’s point about the vulnerability of highly visible political figures, especially women. The IPU/PACE findings reported that 58% of women parliamentarians surveyed had been targeted by online sexist attacks on social networks. This supports the argument that modern parties should not concentrate their public identity in one exposed individual, but should distribute visibility, support and responsibility.

  6. Kling, C. C., Kunegis, J., Hartmann, H., Strohmaier, M., & Staab, S. (2015). Voting behaviour and power in online democracy: A study of LiquidFeedback in Germany’s Pirate Party. arXiv.
    • This study of LiquidFeedback in the German Pirate Party is useful because it examines both the promise and risk of digital participation. It investigates the emergence of “super-voters” in a delegated online democracy platform. The authors found that theoretical power concentration existed, but also that such users often voted with majority tendencies. This makes the case neither for blind enthusiasm nor for simple rejection of digital tools, but for careful institutional design.

  7. Michels, R. (1962). Political parties: A sociological study of the oligarchical tendencies of modern democracy (E. Paul & C. Paul, Trans.). Free Press. Original work published 1911.
    • Michels is the classical reference for the “iron law of oligarchy”: the tendency of democratic organisations to develop leadership concentrations as they grow. His work is directly relevant because a members’ party must not romanticise membership democracy. The danger of informal elites, organisational routine and power concentration remains real, even in organisations founded with democratic intentions.

  8. OECD. (2020). Innovative citizen participation and new democratic institutions: Catching the deliberative wave. OECD Publishing.
    • The OECD report documents the growth of representative deliberative practices, collecting close to 300 examples and analysing their design choices, trade-offs, benefits and limits. It supports the article’s broader claim that citizens can contribute meaningfully to complex public decisions when participation is structured, informed and deliberative. It also reinforces a central warning: participation must be designed; it does not become wise merely because many people are involved.

  9. Scarrow, S. E. (2015). Beyond party members: Changing approaches to partisan mobilization. Oxford University Press.
    • Scarrow’s work is highly relevant to the concept of a modern members’ party. She shows that party members have historically played a central role in parliamentary democracies by helping parties mobilise voters and visibly linking party leaders with grassroots supporters. Her analysis also helps distinguish older mass-party models from more flexible forms of partisan mobilisation. This supports the article’s claim that a members’ party should not nostalgically reproduce twentieth-century structures, but should make membership meaningful in modern conditions.

  10. Shaw, A., & Hill, B. M. (2014). Laboratories of oligarchy? How the iron law extends to peer production. arXiv.
    • Shaw and Hill are useful because they test Michels’ “iron law” in modern online collaborative communities. Their findings suggest that even peer-production projects inspired by open collaboration may develop entrenched leadership and participation inequalities as they grow. This is a strong warning for any party tempted to believe that digital openness alone prevents oligarchy. It supports the article’s demand for constitutional discipline in the use of technology.

  11. Tufekci, Z. (2017). Twitter and tear gas: The power and fragility of networked protest. Yale University Press.
    • Tufekci’s work helps explain why rapid digital mobilisation is not the same as durable political capacity. Her analysis of networked protest shows that online tools can help movements rise quickly, but also that movements may suffer when they bypass the slow organisational work needed for resilience, strategy and decision-making. This supports the article’s distinction between members as temporary supporters and members as politically responsible co-builders.

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