2026-07-31

Warum überhaupt eine politische Partei?

Von Unzufriedenheit zu politischen Konsequenzen

In unserem vorherigen Beitrag Von Lähmung zum Handeln haben wir eine vertraute, aber zutiefst unangenehme Situation beschrieben. Die Worte sind gesprochen. Die Warnzeichen sind da. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse liegen vor. Die Erklärungen, Reden, Zielvorgaben und feierlichen Versprechen sind ebenfalls vorhanden.

Die notwendigen Maßnahmen werden dennoch nicht ergriffen.

Es handelt sich hierbei nicht primär um ein Problem fehlender Informationen. Auch ist es nicht einfach ein Problem fehlenden Willens der handelnden Personen. Es ist ein politisches Problem. Genauer gesagt: ein Problem der politischen Umsetzung. Demokratische Gesellschaften wissen weit mehr, als sie derzeit in dauerhaftes, mutiges und langfristiges Handeln umsetzen können.

Diese Beobachtung führt uns zur ersten der sieben Fragen, deren Beantwortung wir versprochen haben:

Wozu überhaupt eine politische Partei?

Was: Das Mittel der Wahl ist eine politische Partei

Unsere strategische Aussage ist einfach:

Wer in einer parlamentarischen Demokratie dauerhaften politischen Einfluss ausüben will, muss letztlich das verfassungsmäßige Instrument nutzen, durch das politischer Wille geformt, Wahlen ausgetragen, Gesetze gestaltet werden und Verantwortung nicht länger verdrängt werden kann. Dieses Instrument ist die politische Partei.

Das liegt nicht daran, dass politische Parteien besonder attraktiv wären. Das sind sie nicht.

Sie sind oft langweilig, schwerfällig, langsam, ihre Repräsentanten eitel, ihr Agieren taktisch, mit sich selbst beschäftigt und wenn sie altern, verändern sie sich teilweise bis zur Unkenntlichkeit. Sie können zu Karrieremaschinen statt zu Instrumenten verantwortlicher Politik mutieren. Sie können von der Zukunft sprechen, während sie sich lediglich auf die nächste Wahl konzentrieren. Sie mögen als von ihrer Mission überzeugte Aktivisten beginnen und als Bürokratien der Selbsterhaltung enden.

Das wissen wir alles. Das ist nicht neu.

Tatsächlich war ein Großteil dessen, was wir bisher geschrieben haben, eine Kritik an der daraus resultierenden üblichen Parteipolitik: ihrer Kurzfristigkeit, ihrer Besessenheit von Persönlichkeiten, ihrem permanenten Wahlkampf, ihrer Vermeidung unangenehmer Entscheidungen und ihrer Tendenz, Politik in eine Inszenierung zu verwandeln.

Um es gleich vorweg zu klären:

Wir haben uns nicht für die Form der Partei entschieden, weil wir Parteipolitik lieben. Wir haben sie gewählt, weil in einer parlamentarischen Demokratie der politische Wandel ein organisiertes, legitimes und dauerhaftes Instrument benötigt.

  • Eine Bürgerinitiative kann etwas bewirken.
  • Ein Protest kann irritierend sein.
  • Eine Bewegung kann mobilisieren.
  • Eine Stiftung kann Bildung vermitteln.
  • Eine Denkfabrik kann beratend tätig werden.
  • Eine Kampagne kann Druck erzeugen.

Aber keiner dieser Kandidaten allein kann verlässlich an Wahlen teilnehmen, ins Parlament einziehen, Gesetze mitgestalten, Verantwortung übernehmen oder über die Welle der Aufmerksamkeit hinaus Bestand haben, die ihn ursprünglich hervorgebracht hat.

Dafür bleibt die politische Partei das entscheidende demokratische Instrument.

Wie: Die "Europäer für den Planeten" haben die Form einer Partei gewählt.

Ja, wir haben Europäer für den Planeten als politische Partei gegründet.

Wir taten dies mit voller Absicht.

Die Partei hat ein Programm und eine Satzung. Sie hat Mitglieder. Sie trifft sich. Sie diskutiert. Sie ist in der Parteidokumentensammlung des Bundeswahlleiters verzeichnet. Sie existiert nicht bloß als Idee, nicht bloß als Website, nicht bloß als moralischer Appell, sondern als institutionelles Instrument.

Doch das ist erst der Anfang.

Wir beabsichtigen nicht, eine weitere der üblichen Parteien im überfüllten Markt der Versprechen zu werden. Wir sind nicht daran interessiert, ein weiteres Logo, einen weiteren Slogan, ein weiteres Porträt eines heldenhaften Führers, eine weitere Runde lautstarker Empörung oder ein weiteres Theater der Eitelkeiten hinzuzufügen.

Die Parteiform ist unser Vehikel. Sie ist nicht unser Ziel.

Dieser Unterschied ist wichtig.

Ein Vehikel ist ein Gegenstand, den man für einen bestimmten Zweck nutzt. Es muss gewartet, gelenkt, repariert und gegebenenfalls umgebaut werden. Es sollte nicht selbst zum Zweck werden. Eine politische Partei ist nur dann nützlich, wenn sie ihrer Mission untergeordnet bleibt.

Für uns ist diese Mission klar:

Das langfristige Überleben der Menschheit in einer intakten Umwelt sichern, die liberalen Freiheiten Europas bewahren und Europas Handlungsfähigkeit in einer gefährlichen Welt erreichen.

Das ist eine zu große Aufgabe für eine zeitlich notwendigerweise begrenzte Bewegung.

  • Es erfordert Kontinuität.
  • Es erfordert Disziplin.
  • Es erfordert Lernen.
  • Es erfordert institutionelles Gedächtnis.
  • Es braucht Bürger, die bereit sind, politisch Verantwortung für ihre Zukunft und die ihrer Kinder und Enkel zu übernehmen.

Warum: Bewegungen können bewegen, Parteien können bleiben

Warum haben wir uns für den langweiligen und umständlichen Weg entschieden?

Warum nicht einfach Emotionen wecken, eine Bürgerinitiative ins Leben rufen, die sozialen Medien für ein paar Monate dominieren, die Straßen füllen, Hashtags erfinden und hoffen, dass die etablierten Politiker das endlich verstehen?

Weil wir dieses Muster schon einmal gesehen haben.

Moderne Bewegungen können schnell entstehen. Sie können beeindruckend, bewegend und moralisch wirksam sein. Sie können wichtige Themen ins öffentliche Bewusstsein rücken. Sie können das Schweigen brechen. Sie können Menschen Mut machen, die sich sonst allein wähnten.

Doch oft tun sie sich mit dem nächsten Schritt schwer: der Umwandlung von Mobilisierung in Institutionen, von Institutionen in Einfluss und von Einfluss in dauerhafte Verantwortung.

Die Fähigkeit zur Mobilisierung ist nicht dasselbe wie die Fähigkeit zu regieren.

Das ist kein Argument gegen Bewegungen. Im Gegenteil: Ohne Bürgerbewegungen werden Demokratien träge. Doch ohne institutionelle Vehikel zerstreuen sich Bewegungen oft, radikalisieren sich, werden von bestehenden Parteien vereinnahmt oder verschwinden schlicht, sobald die Medien ihr Interesse verlagern.

Politische Parteien hingegen sind auf Dauer angelegt. Das ist ihre Stärke wie auch ihre Schwäche.

Ihre Stärke liegt darin, dass sie an Wahlen teilnehmen, parlamentarische Fraktionen bilden, Einfluss auf die Gesetzgebung nehmen, Kandidaten rekrutieren, Programme entwickeln und über längere Zeiträume präsent bleiben können.

Die Gefahr besteht darin, dass sie sich zu eigennützigen Organisationen entwickeln können. Robert Michels warnte bekanntlich davor, dass Organisationen, selbst demokratische, zur Oligarchie neigen, da sich Führung, Routine, Expertise und Kontrolle über Ressourcen im Zentrum konzentrieren.

Wer eine Partei gründet und diese Gefahr nicht erkennt, ist naiv. - Wir sind es nicht.

Wir gründen keine Partei, weil wir die Risiken der Parteipolitik ignorieren. Wir gründen eine, gerade weil wir diese Risiken kennen – und weil wir ihnen von Anfang an entgegenwirken wollen.

Deshalb sind die späteren Artikel dieser Reihe von Bedeutung.

Eine Partei kann sich von ihren Mitgliedern entfremden. Deshalb werden wir uns fragen, was es heißt, wen wir uns als Mitgliederpartei bezeichnen.

Eine Partei kann zur Karriereleiter werden. Deshalb werden wir uns fragen, warum wir alle Feierabendpolitiker werden sollten – und niemand Berufspolitiker.

Eine Partei kann zu Personenkult neigen. Deshalb werden wir uns fragen, ob nicht das Programm vor der Person stehen muss.

Parteiarbeit kann schnell zu einem lärmenden Spektakel ausarten. Deshalb werden wir uns fragen, warum ein ruhiger, überlegter, aber konsequenter Ansatz möglicherweise wirksamer ist als ständige Erregung.

Auch eine Partei kann in der Flut an Informationen untergehen. Deshalb fragen wir uns, ob nicht ihre Mitglieder Zugang zu einer gemeinsamen politischen Wissensbasis und Entscheidungshilfe haben sollten – so etwas wie ein „politisches Orakel“: 

  • keine Priesterschaft, 
  • keine Propagandamaschine, 

sondern eine verständliche Erklärung ...

  • unserer Sicht auf Welt, 
  • unserer Argumentation und 
  • unseres Programms.

Anders ausgedrückt: Die Antwort auf die Schwächen von Parteien liegt nicht darin,  auf ihre Organisationen zu verzichten. Die Antwort liegt darin, sich deutlich anders zu organisieren.

Was folgt: Vom Zuschauer zum politisch aktiven Gestalter

Dies ist aus Sicht einer Partei die vielleicht unangenehmste Schlussfolgerung.

Wenn wir wollen, dass in einer Demokratie die politischen Akteure die richtigen Entscheidungen treffen, dürfen wir nicht bloß Zuschauer des politischen Geschehens bleiben.

Wir können uns nicht endlos über Berufspolitiker beklagen und ihnen dann die Politik gänzlich überlassen.

Wir können nicht die Beliebigkeit von Partei-Programmen kritisieren und uns dann der Arbeit an diesen Programmen verweigern.

Wir können nicht Personenkult ablehnen und dann insgeheim darauf warten, dass uns eine starke Führer-Persönlichkeit die Rettung bringt.

Wir können nicht langfristige Verantwortung fordern und uns selbst erst engagieren, wenn eine Krise bereits über die Abendnachrichten verbreitet wird.

Eine funktionierende Demokratie besteht nicht nur aus Wählern. Sie benötigt auch Bürger, die bereit sind, die Last politischer Entscheidungen mitzutragen.

Das heißt nicht, dass jeder hauptberuflich Politiker werden muss. Ganz im Gegenteil. Vielleicht liegt eines der größten Versäumnisse unseres derzeitigen Systems darin, dass es die Politik zu einem eigenständigen Beruf gemacht hat, während die Bürger auf gelegentlichen Applaus, Verärgerung oder Verzweiflung reduziert werden.

Wir brauchen mehr Bürger, die bereit sind, sich neben ihrem Tages-Job politisch zu engagieren.

  • Keine Fanatiker,
  • Keine Mitläufer,
  • Keine Karrieristen,
  • Keine Aushängeschilder und auch
  • Keine Zuschauer mit Stimmrecht.

Politisch verantwortungsbewusste Gestalter.

Menschen, die bereit sind, nachzudenken, zu lernen, zu diskutieren, zu entscheiden, zu überarbeiten, zu organisieren und die Verantwortung für die Folgen öffentlicher Entscheidungen zu übernehmen.

Deshalb haben wir uns für die Parteiform entschieden.

Nicht etwa, weil sie glamourös wäre. Das ist sie nicht.

Nicht weil Parteiarbeit leicht wäre. Das ist sie nicht.

Nicht etwa, weil Parteien immun gegen Korruption, Eitelkeit oder Verfall wären. Das sind sie nicht.

Sondern, weil in einer parlamentarischen Demokratie der lange Weg von bürgerlichem Unmut zu politischen Konsequenzen über institutionelle Verantwortung führen muss.

Eine politische Partei ist nicht die Mission.

Es ist das Vehikel für die Erfüllung der Mission.

Und wenn uns die bestehenden Vehikel in die falsche Richtung führen, dann haben die Bürger zwei Möglichkeiten: Passagiere bleiben – oder ein besseres Vehikel besteigen und steuern.

Am nächsten Freitag werden wir uns mit der zweiten Frage befassen:

Warum haben wir Europäer eine deutsche Partei gegründet?


Annotierte Referenzen

Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland, Art. 21.

  • Artikel 21 bildet die verfassungsrechtliche Grundlage für die Behauptung, dass Parteien nicht bloß private Vereinigungen, sondern Institutionen mit einer definierten demokratischen Funktion sind. Er besagt, dass politische Parteien an der Herausbildung des politischen Willens des Volkes mitwirken. Dies untermauert im vorliegenden Artikel die zentrale These, dass eine Partei das anerkannte demokratische Instrument ist, durch das politischer Wille organisiert, diskutiert und in Verantwortung umgesetzt werden kann.

Bundeswahlleiterin. (2026). Parteiunterlagen zum Download . https://www.bundeswahlleiterin.de/parteien/unterlagensammlung/downloads.html

  • Diese Quelle liefert den faktischen Beleg für die Aussage, dass „Europäer für den Planeten“ in der offiziellen Parteidokumentensammlung aufgeführt ist. Auf der Seite wird klargestellt, dass die Dokumente gemäß dem Parteiengesetz zu Informationszwecken bereitgestellt werden und die Parteien selbst für deren Inhalt verantwortlich bleiben.

Katz, R. S. & Mair, P. (1995). Veränderte Modelle der Parteiorganisation und der Parteidemokratie: Die Entstehung der Kartellpartei. Party Politics, 1 (1), 5–28. https://doi.org/10.1177/1354068895001001001

  • Katz und Mair liefern wertvolle Erkenntnisse für die Kritik an der zunehmenden Entfremdung etablierter Parteien von der Zivilgesellschaft und ihrer fortschreitenden Verankerung im Staat. Ihre These der „Kartellpartei“ untermauert den skeptischen Ton des Artikels gegenüber der herkömmlichen Parteipolitik, ohne die Argumentation auf reine Parteienfeindlichkeit zu reduzieren. Sie trägt dazu bei, zu erklären, warum Bürger etablierte Parteien oft eher als selbstschützende Organisationen denn als Instrumente bürgerlicher Erneuerung wahrnehmen.

Mair, P. (2013). Die Herrschaft über die Leere: Die Aushöhlung der westlichen Demokratie . Verso.

  • Mair liefert die umfassendere demokratische Diagnose, die dem Artikel zugrunde liegt: die wachsende Kluft zwischen Bürgern und Parteien. Seine Arbeit untermauert die These, dass Parteien wieder stärker mit den Bürgern, ihren Programmen, der Partizipation und der öffentlichen Verantwortung verbunden werden müssen, um demokratisch relevant zu bleiben. Diese Referenz wird auch für spätere Artikel über Mitgliedschaft, Programm und politische Verantwortung von Nutzen sein.

Michels, R. (1962). Politische Parteien: Eine soziologische Studie über die oligarchischen Tendenzen der modernen Demokratie (Übers. E. Paul & C. Paul). Free Press. Originalausgabe 1911.

  • Michels liefert die klassische Warnung, dass demokratische Organisationen mit zunehmendem Wachstum tendenziell oligarchische Strukturen entwickeln. Das ist wichtig, da der Artikel Parteien nicht romantisiert. Im Gegenteil, er argumentiert, dass Parteien zwar notwendig, aber auch gefährlich sind – und dass diese Gefahren von Anfang an erkannt und eingedämmt werden müssen.

Tarrow, S. (2022). Macht in der Bewegung: Soziale Bewegungen und Konfliktpolitik (4. Aufl.). Cambridge University Press.

  • Tarrows Ansatz ist hilfreich, um zeitweise Mobilisierung von dauerhafter politischer Handlungsfähigkeit zu unterscheiden. Seine Arbeiten zu sozialen Bewegungen und Konfliktpolitik stützen die These des Artikels, dass Bewegungen das öffentliche Bewusstsein schärfen und politische Chancen eröffnen können, langfristiger Einfluss jedoch Organisationsstrukturen erfordert, die zu Beständigkeit, Entscheidungsfindung und institutioneller Umsetzung fähig sind.

Tufekci, Z. (2017). Twitter und Tränengas: Die Macht und Zerbrechlichkeit vernetzter Proteste . Yale University Press.

  • Tufekcis Ausführungen zu den schnell wachsenden modernen Bewegungen sind für diesem Artikel besonders relevant. Ihre Analyse zeigt, dass digital vernetzte Proteste zwar schnell und eindrucksvoll mobilisieren können, aber Schwierigkeiten haben, wenn sie die für Entscheidungsfindung, Resilienz und strategische Kontinuität notwendige, langsamere Organisationsarbeit vernachlässigen. Das untermauert die Unterscheidung zwischen zivilgesellschaftlicher Mobilisierung und politischen Konsequenzen.

Why a Political Party at All?

From Civic Alarm to Political Consequence

In our previous contribution From paralysis to action - a stepwise approach we described a familiar but deeply uncomfortable situation. The words are spoken. The warning signs are there. The scientific findings are published. The declarations, speeches, targets and solemn promises are present as well.

And yet, the necessary action does not follow.

This is not mainly a problem of missing information. Nor is it simply a problem of individual bad will. It is a political problem. More precisely: it is a problem of political implementation. Democratic societies know far more than they are currently able to translate into durable, courageous and long-term action.

That observation leads us to the first of the seven questions we promised to address:

Why a political party at all?

What: The vehicle of choice is a political party

Our strategic statement is simple:

Those who want lasting political influence in a parliamentary democracy must eventually use the constitutional vehicle through which political will is formed, elections are contested, laws are shaped and responsibility can no longer be avoided. That vehicle is the political party.

This is not because political parties are beautiful. They are not.

They are often boring, cumbersome, slow, vain, tactical, inward-looking and inclined to age badly. They can become machines for careers rather than instruments of responsibility. They can speak of the future while organising themselves around the next election. They can start as movements of conviction and end as bureaucracies of self-preservation.

We know all that.

Indeed, much of what we have written so far has been a critique of ordinary party politics: its short-termism, its obsession with personalities, its permanent campaigning, its avoidance of uncomfortable decisions and its tendency to turn politics into performance.

So let us be clear from the beginning:

We did not choose the party form because we love party politics. We chose it because, in a parliamentary democracy, political transformation needs an organised, legitimate and durable vehicle.

  • A citizens’ initiative can awaken.
  • A protest can irritate.
  • A movement can mobilise.
  • A foundation can educate.
  • A think tank can advise.
  • A campaign can create pressure.

But none of these alone can reliably contest elections, enter parliaments, shape legislation, assume responsibility, or endure beyond the wave of attention that first created them.

For that, a political party remains the decisive democratic instrument.

How: Europeans for the Planet already chose this form

Yes, we founded Europäer für den Planeten — Europeans for the Planet as a political party.

We did so deliberately.

The party has a programme and statutes. It has members. It meets. It discusses. It is listed in the party-document collection of the Federal Returning Officer. It exists not merely as an idea, not merely as a website, not merely as a moral appeal, but as an institutional vehicle.

But this is only the beginning.

We do not intend to become merely another ordinary party in the crowded marketplace of promises. We are not interested in adding yet another logo, another slogan, another heroic leader portrait, another round of loud indignation, another theatre of outrage.

The party form is our vehicle. It is not our idol.

That distinction matters.

A vehicle is something one uses for a purpose. It must be maintained, steered, repaired and, when necessary, redesigned. It should not become the journey itself. A political party is useful only if it remains subordinate to its mission.

For us, that mission is clear:

to help secure the long-term survival of humanity in an intact environment, while preserving Europe’s liberal freedoms and strengthening Europe’s capacity to act in a dangerous world.

That is too large a task for occasional outrage.

  • It requires continuity.
  • It requires discipline.
  • It requires learning.
  • It requires institutional memory.
  • It requires citizens who are willing to become politically responsible, not merely politically disappointed.

Why: Movements can awaken, but parties can endure

Why did we choose the boring and cumbersome path?

Why not simply stir emotions, grow a grassroots movement, dominate social media for a few months, fill streets, invent hashtags and hope that established politicians finally understand?

Because we have seen this pattern before.

Modern movements can rise quickly. They can be impressive, moving and morally necessary. They can force issues into public consciousness. They can break through silence. They can give courage to people who thought they were alone.

But they often struggle with the next step: converting mobilisation into institutions, institutions into power, and power into lasting responsibility.

The exhilaration of mobilisation is not the same as the capacity to govern.

That is not an argument against movements. On the contrary: without movements, democracies become lazy. But without institutional vehicles, movements often disperse, radicalise, are absorbed by existing parties, or fade when media attention moves elsewhere.

Political parties, by contrast, are designed for duration. That is both their strength and their weakness.

Their strength is that they can participate in elections, form parliamentary groups, influence legislation, recruit candidates, build programmes and remain visible over time.

Their inherent weakness is that they can become self-serving organisations. Robert Michels famously warned that organisations, even democratic ones, tend towards oligarchy as leadership, routine, expertise and control over resources accumulate at the centre.

Anyone who founds a party and does not understand this danger is naïve.

We are not naïve.

We did not found a party because we are blind to the risks of party politics. We founded one precisely because we know those risks — and because we want to design against them from the beginning.

That is why the later articles in this series matter.

A party can become detached from its members. So we will ask why we call ourselves a members’ party.

A party can become a career ladder. So we will ask why we want all of us to be part-time politicians — and no one a career politician.

A party can lead to a leader cult. So we will ask why programme must come before person.

A party can become a noisy spectacle. So we will ask why a boring but consistent approach may be more serious than permanent agitation.

A party can become intellectually hollow. So we will ask why members need access to a shared political knowledge base — something like a “political oracle”: not a priesthood, not a propaganda machine, but an accessible explanation of our world view, our reasoning and our programme.

In other words: the answer to the weaknesses of parties is not to avoid organisation altogether. The answer is to organise differently.

What follows: From spectators to political adults

This is perhaps the most uncomfortable conclusion.

If we want democratic politics to do the right thing, we cannot remain mere spectators of democratic politics.

We cannot complain endlessly about career politicians and then leave politics entirely to them.

We cannot criticise meaningless programmes and then refuse the labour of programme work.

We cannot reject leader cults and then secretly wait for a strong figure to rescue us.

We cannot demand long-term responsibility and then engage only when a crisis is already visible on the evening news.

A functioning democracy does not consist only of voters. It also requires citizens willing to share the burden of political judgement.

That does not mean that everyone must become a full-time politician. Quite the opposite. Perhaps one of the great failures of our current system is that it has allowed politics to become a separate profession, while citizens are reduced to occasional applause, irritation or despair.

We need more citizens who are willing to become part-time political adults.

  • Not fanatics.
  • Not followers.
  • Not careerists.
  • Not ornamental members.
  • Not spectators with voting rights.

Political adults.

People who are willing to think, learn, discuss, decide, revise, organise and accept responsibility for the consequences of public choices.

That is why we chose the party form.

Not because it is glamorous. It is not.

Not because it is easy. It is not.

Not because parties are immune to corruption, vanity or decay. They are not.

But because, in a parliamentary democracy, the long road from civic alarm to political consequence must pass through institutional responsibility.

A political party is not the mission.

It is the vehicle.

And if the existing vehicles are taking us in the wrong direction, then citizens have two choices: remain passengers — or build and steer a better one.

Next Friday, we will address the second question:

Why did we Europeans establish a German party?


Annotated references

Basic Law for the Federal Republic of Germany, art. 21.

  • Article 21 is the constitutional anchor for the claim that parties are not merely private associations, but institutions with a defined democratic function. It states that political parties participate in the formation of the political will of the people. For the present article, this supports the central argument that a party is the recognised democratic vehicle through which political will can be organised, contested and translated into responsibility.

Bundeswahlleiterin. (2026). Parteiunterlagen zum Download. https://www.bundeswahlleiterin.de/parteien/unterlagensammlung/downloads.html

  • This source provides the factual reference for the statement that Europäer für den Planeten appears in the official party-document collection. It should be used with precision: the listing does not imply endorsement by the Federal Returning Officer. The page makes clear that the documents are made available for information purposes under the Political Parties Act and that the parties themselves remain responsible for their content.

Katz, R. S., & Mair, P. (1995). Changing models of party organization and party democracy: The emergence of the cartel party. Party Politics, 1(1), 5–28. https://doi.org/10.1177/1354068895001001001

  • Katz and Mair are useful for the critique of established parties becoming detached from civil society and increasingly embedded in the state. Their “cartel party” thesis supports the article’s sceptical tone towards ordinary party politics without reducing the argument to anti-party resentment. It helps explain why citizens often experience established parties as self-protective organisations rather than vehicles of civic renewal.

Mair, P. (2013). Ruling the void: The hollowing of Western democracy. Verso.

  • Mair provides the broader democratic diagnosis behind the article: the widening gap between citizens and parties. His work supports the claim that parties must be reconnected to citizens, programme, participation and public responsibility if they are to remain democratically meaningful. This reference will also be useful for later articles on membership, programme and political responsibility.

Michels, R. (1962). Political parties: A sociological study of the oligarchical tendencies of modern democracy (E. Paul & C. Paul, Trans.). Free Press. Original work published 1911.

  • Michels supplies the classical warning that democratic organisations tend to develop oligarchic structures as they grow. This is important because the article does not romanticise parties. On the contrary, it argues that parties are necessary but dangerous — and that their dangers must be understood and designed against from the beginning.

Tarrow, S. (2022). Power in movement: Social movements and contentious politics (4th ed.). Cambridge University Press.

  • Tarrow is useful for distinguishing mobilisation from durable political capacity. His work on social movements and contentious politics supports the article’s claim that movements can awaken public consciousness and open political opportunities, but that long-term influence requires organisational structures capable of persistence, decision-making and institutional translation.

Tufekci, Z. (2017). Twitter and tear gas: The power and fragility of networked protest. Yale University Press.

  • Tufekci is especially relevant for the article’s remarks on fast-rising modern movements. Her analysis shows that digitally networked protests can mobilise rapidly and impressively, but may struggle when they have bypassed some of the slower organisational work needed for decision-making, resilience and strategic continuity. This supports the distinction between civic mobilisation and political consequence.

2026-07-24

Von Lähmung zum Handeln – ein schrittweiser Ansatz

Die Menschheit steht vor großen Herausforderungen.

Das ist eine bekannte Tatsache. Wir haben in unserer letzten Artikelreihe „Warum wir die Europäer des Planeten brauchen“, die am Freitag, dem 10. Juli 2026, veröffentlicht wurde, wiederholt darauf hingewiesen.

Das müssen wir hier nicht wiederholen. Auch stehen wir mit unseren politischen Forderungen nicht allein.

Zugegebenermaßen gibt es eine ausgeprägte und wachsende „Retro“-Bewegung  , die schlichtweg leugnet, dass wir – global und insbesondere in Europa – auf eine ökologische Katastrophe zusteuern, uns politisch von unseren früheren Freiheitsidealen entfernen und mit Wirtschaftsmodellen operieren, die langfristig nicht  funktionieren können. In einigen Ländern sind diese Vertreter bereits an der Macht. Dort werden erneuerbare Energien – unter offener Missachtung aller Warnzeichen – behindert oder gar verboten, bereits eingetretene menschengemachte Veränderungen heruntergespielt und wissenschaftliche Erkenntnisse ignoriert.

Dennoch teilt ein Großteil der Bevölkerung – vielleicht sogar die überwiegende Mehrheit – die Ansicht, dass wir wirtschaftlich umsteuern müssen, um die Grundlagen unseres Lebens langfristig zu sichern. Darüber hinaus bestreitet kaum eine der verbleibenden „gemäßigten“ Regierungen, dass derzeit zu viele Menschen zu viele Ressourcen verbrauchen oder dass es keinen glaubwürdigen technologischen Durchbruch gibt, der es uns ermöglichen würde, die gegenwärtigen Konsum-, Landnutzungs- und Emissionsmuster ohne tiefgreifende Strukturveränderungen fortzuführen.

Die Worte sind gesprochen, aber wo bleiben die Taten?

Idealerweise sollte unser gewähltes politisches Establishment handeln – idealerweise. Und genau darin liegt das Problem. Wir delegieren unser politisches Mandat – auf das wir als Bürger einer Demokratie ein Anrecht haben – für die jeweils kommende Legislaturperiode an Berufspolitiker.

Entscheidungen, die letztlich unsere langfristige Zukunft bestimmen, liegen dann in den Händen einer professionellen politischen Klasse, für die die Wiederwahl in der Regel wichtiger ist als die Erfüllung ihrer langfristigen Verantwortung. Mit der Zeit ist ihre ursprüngliche Funktion immer mehr in den Hintergrund getreten. Da sie sich auf kurzfristige Ergebnisse konzentrieren, halten sie sich selten an ihre Wahlversprechen.

Die Gründe hierfür sind vielfältig:

  • Zeit – Nachhaltige Veränderungen brauchen Zeit, um Wirkung zu zeigen. Doch eine Legislaturperiode – in der sich ein gewählter Abgeordneter erst beweisen muss – dauert halt nur vier bis fünf Jahre. [1] , [2]

  • Konsequenz – Maßnahmen, die auf dauerhaft bessere Bedingungen abzielen, erfordern oft sogenannte „unangenehme Entscheidungen“. Da kurzfristige Entscheidungen jedoch belohnt werden, sind solche Entscheidungen absolut tabu. Daher entscheiden sich die Verantwortlichen für die zweitbeste Alternative – oder sogar für eine noch schlechtere. [3] , [4]

  • Verfehlte Auslese – Die gegenwärtige Weg in die Politik wirkt wie ein Magnet für machthungrige Egomanen, eitle Selbstdarsteller und mitunter sogar regelrecht Betrüger. Im Grunde sind sie „Wölfe im Schafspelz“: Vor der Wahl schmeicheln sie mit den schönsten Worten und machen die blumigsten Versprechungen – nur um nach ihrer Wahl ihre wahren, eigenen Ziele zu verfolgen. [5] , [6] , [7]

  • Personenkult – Obwohl uns die Geschichte gelehrt haben sollte, dass das Setzen unserer Hoffnungen auf starke „Führer“ – Gestalten, die versprechen, wie ein wiederauferstandener Herkules alle Hindernisse aus dem Weg zu räumen und uns in eine strahlende Zukunft zu führen. Obwohl sie meistens unseren Untergang oder zumindest unseren Niedergang bedeuten, verfallen wir immer wieder dem Ruf „starker Männer und Frauen“ und fordern sie geradezu ein. [8]

Ein Aufruf zum Handeln

Die Liste ließe sich fortsetzen – und das wird sie auch.

Und wir, das Volk, fühlen uns hilflos. Wir sind zu sehr mit unseren täglichen Pflichten beschäftigt oder fallen gar radikalen Demagogen an den extremen Enden des politischen Spektrums zum Opfer.

Es ist keineswegs ausgemacht, wie sich diese Situation weiter entwickeln wird: ob gar nichts passiert, ob die Maßnahmen zu spät kommen und unzureichend sind oder ob wir uns sogar in die falsche Richtung bewegen.

Vielleicht sollten wir wirklich etwas dagegen unternehmen!

Nun, das sollten wir. Und hier ist der Aufruf zum Handeln: Wir haben uns auf sieben Schlüsselelemente unserer Botschaft beschränkt – einige sind nicht besonders originell, während andere radikal anders als die Norm erscheinen mögen.

Die sieben Schlüsselelemente, die in den kommenden Wochen etwas ausführlicher besprochen werden, liefern Antworten auf die folgenden Fragen…

  1. Wozu überhaupt eine politische Partei?
  2. Warum haben wir Europäer eine deutsche Partei gegründet?
  3. Warum bezeichnen wir unsere Gemeinschaft als „Mitgliederpartei“?
  4. Warum sollten wir alle Feierabendpolitiker sein – und niemand Berufspolitiker?
  5. Warum stellen wir das Programm strikt über die Person?
  6. Warum entscheiden wir uns für einen „langweiligen“, aber dauerhaften Ansatz ohne das übliche Polit-Theater?
  7. Warum es ein politisches Orakel geben sollte, das jedem Feierabendpolitiker die Welt aus unserer Sicht erklärt.

Die Antworten auf diese Fragen fallen zweifellos in eine schwierige Kategorie – die der effektiven Umsetzung. Und genau darauf wird sich diese Reihe ab dem kommenden Freitag konzentrieren.

Bleiben Sie also dran.


[1] Jacobs, AM (2011). Langfristiges Regieren: Demokratie und die Politik der Investitionen . Cambridge University Press. https://doi.org/10.1017/CBO9780511921766

  • Jacobs ist die wichtigste akademische Quelle für die intertemporale Logik hinter unseren Stichpunkten „Zeit“ und „Konsequenz“. Sein Konzept der „politischen Investition“ erfasst genau das von uns beschriebene Dilemma: Politische Akteure müssen oft sichtbare Kosten jetzt in Kauf nehmen, um erst viel später Nutzen zu erzielen. Das macht langfristige Entscheidungen politisch heikel, insbesondere wenn die Aufmerksamkeit der Wähler, die institutionellen Kapazitäten und organisierte Interessen kurzfristige Ziele bevorzugen. .

[2] Boston, J. (2017). Regieren für die Zukunft: Gestaltung demokratischer Institutionen für eine bessere Zukunft . Emerald Publishing.

  • Bostons Buch thematisiert den kurzfristigen demokratischen Ansatz, oder, wie er es nennt, die „gegenwartsbezogene Voreingenommenheit“: die Tendenz von Regierungen, kurzfristigen politischen Erwägungen übermäßiges Gewicht beizumessen und dabei das langfristige Gemeinwohl zu vernachlässigen. Dies deckt sich nahezu vollständig mit unserer Argumentation, insbesondere dort, wo Sie die vier- oder fünfjährigen Legislaturperioden des Parlaments als strukturell unvereinbar mit ökologischen, fiskalischen und zivilisatorischen Zeithorizonten kritisieren. Emeralds Beschreibung bestätigt, dass sich das Buch auf eine umsichtige, langfristige demokratische Regierungsführung und die institutionelle Herausforderung des kurzfristigen Denkens konzentriert.

[3] Weaver, RK (1986). Die Politik der Schuldvermeidung. Journal of Public Policy, 6 (4), 371–398. https://doi.org/10.1017/S0143814X00004219

  • Weaver argumentiert, dass Politiker oft stärker motiviert sind, die Schuld für unpopuläre Maßnahmen abzuwälzen, als sich für gute Politik zu profilieren. Dies deckt sich direkt mit unserer These, dass notwendige, aber unangenehme Entscheidungen aufgeschoben, abgeschwächt oder durch zweitklassige Alternativen ersetzt werden. Die RePEc/Cambridge-Publikation fasst die These des Artikels zusammen: Der Anreiz, Schuld abzuwälzen, führt zu Strategien wie der Einschränkung der Tagesordnung, der Sündenbocksuche und dem Abwälzen der Verantwortung.

[4] Pierson, P. (1994). Der Abbau des Wohlfahrtsstaates? Reagan, Thatcher und die Politik des Sparens . Cambridge University Press.

  • Pierson ist hinsichtlich des Punktes „Konsequenz“ hilfreich, da er erklärt, warum schmerzhafte politische Veränderungen so schwierig umzusetzen sind. Sparpolitik unterscheidet sich von Expansionspolitik: Der Entzug von Leistungen oder das Auferlegen von Verlusten mobilisiert Widerstand, fördert die Vermeidung von Schuldzuweisungen und veranlasst Regierungen oft dazu, betroffene Gruppen zu verbergen, zu spalten oder zu entschädigen. Dies untermauert unsere These, dass Politiker häufig „unangenehme Entscheidungen“ vermeiden, und zwar in einer präziseren institutionellen Sprache. Das Werk stellt fest, dass Sparmaßnahmen nur unter bestimmten politischen Strategien erfolgreich sind, darunter die Spaltung der Anhängerschaft, die Entschädigung der Betroffenen oder das Verbergen der Auswirkungen vor Kritikern.

[5] Besley, T. (2005). Politische Selektion. Journal of Economic Perspectives, 19 (3), 43–60. https://doi.org/10.1257/089533005774357761

  • Besley liefert einen etablierten politökonomischen Rahmen, um zu analysieren, wer in die Politik geht und wie institutionelle Strukturen die Qualität politischer Führung beeinflussen. Dies bietet eine wissenschaftlich fundiertere Unterstützung für unseren Abschnitt „Auslese der Falschen“ über rein polemische oder psychologische Argumente hinaus. Es ermöglicht die These, dass das Problem nicht allein in persönlichem moralischem Versagen liegt, sondern in der Art und Weise, wie politische Systeme bestimmte Personengruppen auswählen, belohnen und fördern. Die AEA-Seite bestätigt die Details des Artikels und fasst die zentrale Frage zusammen: Wie prägen politische Institutionen den Aufstieg politischer Akteure?

[6] Blais, J., & Pruysers, S. (2017). Die Macht der dunklen Seite: Persönlichkeit, die Dunkle Triade und politischer Ehrgeiz. Personality and Individual Differences, 113 , 167–172. https://doi.org/10.1016/j.paid.2017.03.029

  • Dies ist für unser Argument der „Auslese der Falschen“ von hoher Relevanz, sollte aber mit Vorsicht interpretiert werden. Die Studie untersucht den Zusammenhang zwischen politischem Ehrgeiz und der sogenannten Dunklen Triade: Machiavellismus, Narzissmus und Psychopathie. Sie beweist nicht , dass Politiker als Gruppe pathologisch sind, liefert aber empirische Belege für die Befürchtung, dass bestimmte dunkle Persönlichkeitsmerkmale mit politischem Ehrgeiz einhergehen könnten. Dies verleiht unserer etwas provokanten Argumentation eine fundierte Beweisgrundlage. Im Abstract und in den Auszügen des Artikels wird erwähnt, dass die Studie das HEXACO-Modell und die Merkmale der Dunklen Triade als Prädiktoren für aufkeimenden politischen Ehrgeiz untersuchte.

[7] Łobaczewski, AM (2007). Politische Ponerologie: Eine Wissenschaft über das Wesen des Bösen, angepasst an politische Zwecke (A. Chciuk-Celt, Übers.; 2. Aufl.). Red Pill Press.

  • Betrachten Sie diese Quelle als provokante politisch-psychologische Warnung und nicht als etablierte empirische Autorität. Sie passt zu unserer Metapher vom „Wölfen im Schafspelz“ und unserer Befürchtung, dass destruktive Persönlichkeiten politische Systeme ausnutzen können. Da das Buch jedoch kontrovers ist und nicht zum Standardkanon der Politikwissenschaft gehört, empfehle ich, es zusammen mit Besley (2005) und Blais und Pruysers (2017) zu lesen. Open Library bestätigt die Angaben zur zweiten Auflage von 2007, zum Untertitel, zum Verlag, zum Übersetzer und zur ISBN.

[8] Brown, A. (2014). Der Mythos des starken Führers: Politische Führung im modernen Zeitalter . Basic Books.

  • Brown stellt die gängige Annahme infrage, dass Führungskräfte, die Kollegen, Institutionen und Entscheidungsprozesse dominieren, zwangsläufig am effektivsten sind. Er argumentiert, dass kooperative, kollegiale und institutionell verankerte Führung oft erfolgreicher ist als das inszenierte Modell des „starken Führers“. Dies untermauert unsere These, dass Gesellschaften immer wieder aggressive persönliche Dominanz mit echter politischer Kompetenz verwechseln. Die Beschreibung des Verlags stellt ausdrücklich fest, dass Brown die weit verbreitete Ansicht infrage stellt, dominante Führungskräfte seien die erfolgreichsten und bewundernswert.

From paralysis to action - a stepwise approach

Humanity faces major challenges

This is a well-known fact. We have pointed it out repeatedly in our last series “Why we need the Europeans of the Planet”, published on Friday, 2026-07-10.

There is no need to repeat ourselves here again. Nor do we stand alone with our political demands.

Admittedly, there is a distinct and growing "retro" movement that simply denies we are heading — globally and especially in Europe — toward an ecological catastrophe, drifting politically away from our former ideals of freedom, and operating under economic models that cannot function as expected in the long run. In some countries, they are already in power. There, in open disregard of all warning signs, renewable energies are obstructed or even banned, man-made changes that have already occurred are downplayed, and scientific findings are ignored.

Nevertheless, a large part of the population—perhaps even the vast majority—shares the view that we need to change course economically to preserve the foundations of our lives in the long term. Furthermore, hardly any of the remaining "moderate" governments denies that too many people are currently consuming too many resources, or that there is no credible technological breakthrough that would allow us to continue present patterns of consumption, land use and emissions without deep structural change.

The words are spoken, but where are the actions?

Ideally, it is our elected political establishment that should be taking action—ideally. And therein lies the problem. We delegate our political mandate – which, as citizens in a democracy, we are entitled to – to professional politicians for an upcoming parliamentary term.

Decisions that ultimately determine our long-term future are thus in the hands of a professional political class for whom being re-elected generally is more important than fulfilling their long-term responsibilities. Over time, its original function has increasingly taken a back seat. As they focus on short-term results, they rarely stick to what they promised before the election.

The reasons for this are manifold:

  • Time – Sustainable changes take time to take effect. Yet a legislative term—during which an elected representative must "prove" themselves—lasts only four to five years. [1], [2]

  • Consequence – Measures intended to yield lastingly better conditions often require so-called "uncomfortable decisions." Yet, as short-term decisions are rewarded, such decisions are an absolute no-go. So, those in charge opt for the second-best alternative – or even worse. [3], [4]

  • Flawed Selection – The way politics is currently conducted acts like a magnet for power-hungry egomaniacs, vain self-promoters, and occasionally outright crooks. Essentially "wolves in sheep's clothing," they use the sweetest words and make the most flowery promises before the election—only to pursue their true, underlying agendas once they have actually been voted into office. [5],[6],[7]

  • Cult of Leadership – Although history should have taught us that pinning our hopes on strong "leaders"—figures promising to sweep away all obstacles like a resurrected Hercules and guide us toward a bright future—usually spells our ruin or at least our decline, we repeatedly fall for "strong men and women," and indeed practically demand them. [8]

A call to action

The list goes on—and it will continue to do so.

And we, the people, feel helpless. We are too preoccupied with our daily obligations or even fall prey to radical demagogues at the extreme ends of the political spectrum.

It is by no means certain how this situation will play out: whether nothing will happen at all, whether action will come too late and be insufficient, or whether we might even head in the wrong direction.

Perhaps we really ought to do something about it!

Well, we should. And here is the call to action: We have limited ourselves to seven key elements of our message – some are not particularly original, whilst others may seem radically different from the norm.

The seven key elements to be discussed in a bit more depth during the following weeks will deliver answers to the following questions …

  1. Why a political party at all?
  2. Why did we Europeans establish a German party?
  3. Why do we call our community a ‘members’ party’?
  4. Why do we want all of us to be part-time politicians – and no one a career politician?
  5. Why do we strictly value program over person?
  6. Why do we opt for a ‘boring’ but consistent approach without all the usual fuss?
  7. Why there should be a political oracle to explain our world view to every amateur politician.

The answers to these questions undoubtedly fall into a difficult category—that of effective implementation. And that is precisely what this series will focus on, starting this coming Friday.

So, please stay tuned


[1] Jacobs, A. M. (2011). Governing for the long term: Democracy and the politics of investment. Cambridge University Press. https://doi.org/10.1017/CBO9780511921766

  • Jacobs is the strongest academic source for the intertemporal logic behind our “Time” and “Consequence” bullets. His concept of “policy investment” captures precisely the dilemma you describe: political actors must often impose visible costs now to produce benefits only much later. That makes long-term decisions politically fragile, particularly when voters’ attention, institutional capacity and organised interests favour the short term. Cambridge’s front matter confirms the title, author, publisher, publication year and the book’s focus on “democracy and the politics of investment.”

[2] Boston, J. (2017). Governing for the future: Designing democratic institutions for a better tomorrow. Emerald Publishing.

  • Boston’s book directly addresses democratic short-termism, or what he calls “presentist bias”: the tendency of governments to place undue weight on near-term political considerations at the expense of long-term welfare. This fits our argument almost exactly, especially where you criticise four- or five-year parliamentary terms as structurally misaligned with ecological, fiscal and civilisational time horizons. Emerald’s description confirms that the book focuses on prudent long-term democratic governance and the institutional challenge of short-termism.

[3] Weaver, R. K. (1986). The politics of blame avoidance. Journal of Public Policy, 6(4), 371–398. https://doi.org/10.1017/S0143814X00004219

  • Weaver argues that politicians are often more motivated to avoid blame for unpopular actions than to claim credit for good policy. This maps directly onto our argument that necessary but uncomfortable decisions are postponed, diluted or replaced by second-best alternatives. The RePEc/Cambridge listing summarises the article’s thesis: incentives to avoid blame produce strategies such as agenda limitation, scapegoating and passing the buck.

[4] Pierson, P. (1994). Dismantling the welfare state? Reagan, Thatcher, and the politics of retrenchment. Cambridge University Press.

  • Pierson is useful for the “Consequence” bullet because he explains why painful policy changes are politically difficult. Retrenchment politics differs from expansionary politics: taking away benefits or imposing losses mobilises resistance, encourages blame avoidance and often leads governments to hide, divide or compensate affected groups. This supports our claim that politicians often avoid “uncomfortable decisions,” but it does so in a more precise institutional vocabulary. Cambridge’s description notes that retrenchment succeeds only under certain political strategies, including dividing supporters, compensating those affected, or hiding the effects from critics.

[5] Besley, T. (2005). Political selection. Journal of Economic Perspectives, 19(3), 43–60. https://doi.org/10.1257/089533005774357761

  • Besley provides a mainstream political-economy framework for thinking about who enters politics and how institutional structures influence the quality of political leadership. This is a more academically robust support for our “Flawed Selection” section than relying only on polemical or psychological language. It lets you argue that the problem is not merely personal moral failure, but the way political systems select, reward and elevate certain types of people. The AEA page confirms the article details and summarises the central question: how political institutions shape who rises to power.

[6] Blais, J., & Pruysers, S. (2017). The power of the dark side: Personality, the Dark Triad, and political ambition. Personality and Individual Differences, 113, 167–172. https://doi.org/10.1016/j.paid.2017.03.029

  • This is highly relevant to our “Flawed Selection” argument, but should be used carefully. The study examines the relationship between political ambition and the so-called Dark Triad: Machiavellianism, narcissism and psychopathy. It does not prove that politicians as a class are pathological, but it does provide empirical support for the concern that some darker personality traits may be associated with political ambition. This gives our mildly agitating language a more defensible evidentiary anchor. The article’s abstract and section snippets state that the study assessed the HEXACO model and Dark Triad traits as predictors of nascent political ambition.

[7] Łobaczewski, A. M. (2007). Political ponerology: A science on the nature of evil adjusted for political purposes (A. Chciuk-Celt, Trans.; 2nd ed.). Red Pill Press.

  • Treat this reference as a provocative political-psychological warning, not as a mainstream empirical authority. It fits our “wolves in sheep’s clothing” language and our concern that destructive personalities can exploit political systems. However, because the book is controversial and not part of the core political-science canon, I recommend pairing it with Besley (2005) and Blais and Pruysers (2017). Open Library confirms the 2007 second edition, subtitle, publisher, translator and ISBN details.

[8] Brown, A. (2014). The myth of the strong leader: Political leadership in the modern age. Basic Books.

  • Brown challenges the common assumption that leaders who dominate colleagues, institutions and decision-making processes are necessarily the most effective. He argues that cooperative, collegial and institutionally embedded leadership is often more successful than the theatrical “strong leader” model. This supports our claim that societies repeatedly confuse forceful personal dominance with genuine political capacity. The publisher’s description explicitly states that Brown challenges the widespread belief that dominating leaders are the most successful or admirable.

2026-07-10

Von der Erkenntnis zur Aktion

Dies ist das fünfte von fünf Kapiteln unserer Reihe „Warum wir die ‚Europäer für den Planeten‘ brauchen “, die jeden Freitag erscheint. Kapitel 4: „Das Ende des automatischen Fortschritts? – Warum immer mehr Menschen spüren, dass etwas nicht stimmt“, haben wir am letzten Freitag veröffentlicht.

Wenn die auf den vorangegangenen Seiten dargelegte Diagnose im Großen und Ganzen zutrifft, dann lässt sich eine Schlussfolgerung kaum vermeiden: Darauf zu warten, dass jemand anderes diese Probleme löst, ist keine praktikable Strategie mehr – war sie vermutlich auch nie.

Seit Generationen sind Bürger in demokratischen Gesellschaften daran gewöhnt, Verantwortung abzugeben. Regierungen regieren, Experten beraten, Märkte verteilen Ressourcen, und Institutionen steuern die gesellschaftlichen Abläufe. Diese Arbeitsteilung hat uns oft gute Dienste geleistet. Doch die Geschichte zeigt immer wieder, dass tiefgreifende Umbrüche letztlich mehr erfordern. Sie brauchen Bürger, die bereit sind, aktiv an der Gestaltung der Zukunft mitzuwirken, anstatt nur darauf zu reagieren [26].

Albert Einstein wird oft die Beobachtung zugeschrieben, dass [27]:

Wir können unsere Probleme nicht mit derselben Denkweise lösen, mit der wir sie geschaffen haben.”

Ob er es nun genau so formuliert hat oder nicht, die zugrundeliegende Erkenntnis ist einer tieferen Betrachtung wert. Wenn die Herausforderungen der Menschheit zunehmend miteinander verknüpft, langfristig und global geworden sind, muss sich unsere politischer Horizont ebenfalls entsprechend weiterentwickeln [28].

Der erste Schritt ist daher weder technischer noch institutioneller Natur. Er ist eher gesellschaftlicher Natur.

Wir müssen anerkennen, dass die Verantwortung für unsere Zukunft letztlich bei uns liegt. Nicht allein bei Regierungen. Nicht bei den bestimmenden Großunternehmen. Auch nicht bei den derzeitigen internationalen Organisationen. Sie an zukünftige Generationen zu delegieren, wäre ebenfalls nicht fair. Die Bürgerinnen und Bürger selbst bleiben die letztendliche Quelle der Legitimität in demokratischen Gesellschaften, und ohne ihre direkte und aktive Beteiligung kann kein dauerhafter Wandel stattfinden [29].

Der zweite Schritt besteht darin, sich auf eine Mission zu einigen, die ambitioniert genug ist, um gemeinsame Anstrengungen zu rechtfertigen, und die gleichzeitig so beständig, dass sie die täglichen politischen Schwankungen überdauert. Jedes erfolgreiche politische Projekt basierte letztlich auf einem übergeordneten Ziel. Die Frage ist nicht, ob Gesellschaften ihr Handeln von solchen Zielen leiten lassen, sondern ob diese Ziele bewusst gewählt werden oder sich scheinbar zufällig ergeben.

Aus europäischer Sicht drängen sich drei grundlegende Ziele auf:

1. Das langfristige Überleben der Menschheit auf einem bewohnbaren Planeten sichern.

Das ist nicht nur das Anliegen „weltabgewandter“ Umweltaktivisten. Es ist eine zivilisatorische Verpflichtung.

Ohne eine stabile ökologische Grundlage sind alle anderen politischen Errungenschaften nur von kurzer Dauer. Wirtschaftlicher Wohlstand, soziale Gerechtigkeit, technische Innovation und kulturelle Blüte hängen letztlich alle von der fortwährenden Funktionsfähigkeit der natürlichen Systeme ab, auf denen unsere sozialen und ökonomischen Systeme fußen.

Dieser erste Auftrag dient unserer Bewegung daher als ständig leitende Richtschnur.

2. Die liberalen europäischen Freiheiten bewahren

Die Verteidigung der Menschenwürde, der individuellen Freiheit, der Rechtsstaatlichkeit, der Meinungsfreiheit, der demokratischen Rechenschaftspflicht und des Pluralismus stellt einen der wichtigsten Beiträge Europas zur menschlichen Zivilisation dar.

Diese Freiheiten sind weder selbstverständlich noch unangreifbar. Sie bedürfen des ständigen Schutzes vor autoritären Anmaßungen, Extremismus, politischer Apathie und institutionellem Verfall.

Dieser zweite Auftrag stellt eine für uns Europäer nicht verhandelbare Nebenbedingung dar.

3. Ein Europa aufbauen, das sich in einer multipolaren Welt behaupten kann.

Das 21. Jahrhundert ist zunehmend geprägt von Akteuren auf kontinentaler Ebene, die in einem wettbewerbsorientierten und vernetzten globalen System agieren. In einem solchen Umfeld hängt Europas Fähigkeit, seine Interessen zu schützen, seine Werte zu verteidigen und konstruktiv zu globalen Herausforderungen beizutragen, von seiner Fähigkeit zum kollektiven Handeln ab.

Dieses Ziel ist kein Selbstzweck. Es ist der strategische Mechanismus, durch den die ersten beiden Aufträge realistisch erfüllt werden können.

Zusammen bilden diese drei Verpflichtungen eine Mission, die über einen einzelnen Wahlzyklus, ein einzelnes politisches Thema oder eine einzelne Generation hinausgeht.

Doch Missionen allein reichen nicht aus.

Die Geschichte lehrt, dass bedeutsame Veränderungen selten durch passive Zustimmung entstehen. Sie entstehen vielmehr dann, wenn Einzelpersonen entscheiden, dass ein Anliegen, das wichtig genug ist, um darüber zu diskutieren, auch wichtig genug ist, um sich dafür zu organisieren.

Der dritte Schritt ist daher eine persönliche Verpflichtung.

Bürger, die diese Ziele teilen, sollten nicht isolierte Beobachter bleiben. Sie sollten sich vernetzen, zusammenarbeiten und sich öffentlich als Teilnehmer eines gemeinsamen Vorhabens zu erkennen geben. Politischer Einfluss entsteht nicht durch die Zustimmung einer Mehrheit, sondern erst, wenn eine engagierte Minderheit sichtbar, organisiert und beharrlich wird.

Der vierte Schritt ist der Aufbau von Institutionen.

Mit zunehmender Beteiligung steigt auch die Sichtbarkeit. Sichtbarkeit schafft Dialog. Dialog schafft Legitimität. Legitimität schafft Einfluss.

Daraus ergeben sich praktische Aufgaben: die Entwicklung eines Manifests, die Gründung lokaler und nationaler Organisationen, die grenzüberschreitende Zusammenarbeit, die Teilnahme an öffentlichen Debatten, die Unterstützung von Kandidaten und schließlich, aber eben erst als letzter, entscheidender Schritt, die Teilnahme an demokratischen Wahlen, wo dies angebracht ist.

Die Geschichte liefert unzählige Beispiele für Ideen, die zwar intellektuell anziehend, aber politisch irrelevant waren, weil sie nie den Schritt von der Diskussion zur Organisation schafften. Sie liefert aber auch Beispiele für relativ kleine Gruppen entschlossener Bürger, die ganze Gesellschaften veränderten, weil es ihnen gelang, Institutionen aufzubauen, die ihre Ideen weitertragen konnten [30].

Der Weg von der Vision zur Realität ist daher weder geheimnisvoll noch beispiellos. Er beginnt mit einer einfachen Entscheidung:

die Zukunft nicht länger als etwas zu betrachten, das uns widerfährt, sondern als etwas, für das wir gemeinsam Verantwortung tragen.

Die Details, wie eine solche Bewegung organisiert, gesteuert, finanziert und auf ganz Europa ausgeweitet werden könnte, bedürfen einer sorgfältigen Überlegung. Es handelt sich um praktische Fragen, und praktische Fragen erfordern praktische Antworten.

Diese Fragen werden in nachfolgenden Beiträgen näher untersucht.

Fürs Erste genügt eine Schlussfolgerung.

Wenn die Herausforderungen, vor denen wir stehen, real sind und die Zukunft offen und nicht vorbestimmt ist, dann kann es keine Option sein, sich passiv den kommenden Entwicklungen hinzugeben. Die Aufgabe, das kommende Jahrhundert zu gestalten, liegt weder allein bei Regierungen noch bei Experten.

Sie ist der Auftrag an uns alle.

Dies ist Kapitel 5 von 5 unserer Serie „Warum wir die ‚Europäer des Planeten‘ brauchen “, die jeden Freitag erscheint.

Vieles von dem, was wir in diesen fünf Artikeln beschrieben oder gefordert haben, mag Ihnen völlig selbstverständlich erscheinen. Und tatsächlich lehnen es nur wenige bekennende „retro“-Politiker offen ab.

Die verbleibende Frage lautet also: Warum unternimmt niemand etwas dagegen? Wenn keiner unserer gewählten Vertreter willens oder fähig ist zu handeln – wie sollen wir dann diese offensichtlich drängenden Probleme angehen?

Die Antworten auf diese Fragen gehören zweifellos in die schwierigere Kategorie – die der Umsetzung. Und genau darauf wird sich die nächste Folge dieser Reihe konzentrieren, die am kommenden Freitag beginnt.

Bleiben Sie also bitte dran!

Vorwegnahme der erwarteten Einwände

Während wir unsere politische Meinung äußern, sollten wir kurz auf die wichtigsten Einwände eingehen, die bereits geäußert wurden.

Der technokratische Einwand

Manche argumentieren, dass komplexe globale Probleme vorrangig Experten, Wissenschaftlern und professionellen Institutionen überlassen werden sollten und nicht Bürgerbewegungen.

Antwort: Fachwissen ist unerlässlich, aber demokratische Legitimität erfordert letztlich die Beteiligung der Bürger [31] und deren Zustimmung.

Der Einwand der Inkrementalisten

Andere argumentieren, dass die bestehenden Institutionen bereits in der Lage seien, sich schrittweise anzupassen, und dass neue politische Bewegungen eine unnötige Fragmentierung hervorrufen könnten.

Antwort: Eine schrittweise Reform ist oft vorzuziehen, doch die Geschichte lehrt, dass eine institutionelle Erneuerung häufig externen bürgerlichen Druck erfordert.

Der Einwand der nationalen Souveränität

Kritiker könnten argumentieren, dass die europäische Integration die demokratische Selbstverwaltung auf nationaler Ebene schwächt.

Antwort: Die Debatte dreht sich nicht darum, ob die Demokratie erhalten werden sollte, sondern darum, auf welcher Ebene die demokratische Autorität kontinentale und globale Herausforderungen am effektivsten bewältigen kann.


Referenzen

[26] Dewey, J. (1927). Die Öffentlichkeit und ihre Probleme. Henry Holt.

  • Ein Klassiker der Verteidigung demokratischer Bürgerschaft. Dewey argumentiert, dass Bürger aktiv am öffentlichen Leben teilnehmen müssen, damit demokratische Gesellschaften kollektive Herausforderungen wirksam bewältigen können. Das Werk ist nach wie vor hochrelevant für Argumente für bürgerschaftliches Engagement und politische Erneuerung.

[27] Calaprice, A. (Hrsg.). (2010). Die ultimativen zitierfähigen Einstein-Zitate. Princeton University Press.

  • Die maßgebliche Sammlung von Albert Einstein zugeschriebenen Zitaten. Die häufig zitierte Aussage, Probleme durch neues Denken zu lösen, wird weithin mit Einstein in Verbindung gebracht, obwohl ihr genauer Wortlaut und ihre Herkunft unklar bleiben. Das Zitat verdeutlicht dennoch ein wichtiges Prinzip intellektueller und politischer Anpassungsfähigkeit.

[28] Barber, BR (1984). Starke Demokratie: Partizipatorische Politik für ein neues Zeitalter. University of California Press.

  • Barber argumentiert, dass demokratische Gesellschaften am besten funktionieren, wenn Bürger aktiv an der Politik teilnehmen, anstatt sie nur passiv zu konsumieren. Das Buch liefert eine überzeugende theoretische Begründung für den Aufbau von Bewegungen und die Mobilisierung der Zivilgesellschaft.

[29] Arendt, H. (1958). Die menschliche Existenz. style= >University of Chicago Press.

  • Arendt untersucht das Wesen politischen Handelns, der öffentlichen Teilhabe und der kollektiven Verantwortung. Ihre Unterscheidung zwischen passiver Existenz und aktiver Bürgerschaft bildet eine philosophische Grundlage für Aufrufe zum bürgerschaftlichen Engagement.

[30] Tocqueville, A. de. (1835/2000). Die Demokratie in Amerika (Übers. HC Mansfield & D. Winthrop). University of Chicago Press.

  • Tocquevilles Analyse freiwilliger Vereinigungen zählt nach wie vor zu den grundlegenden Werken zur bürgerlichen Organisation. Er argumentiert, dass demokratische Gesellschaften auf der Bereitschaft ihrer Bürger beruhen, Vereinigungen zu bilden, die in der Lage sind, gemeinsame Ziele zu verfolgen.

[31] Habermas, J. (1996). Zwischen Tatsachen und Normen: Beiträge zu einer Diskurstheorie des Rechts und der Demokratie. MIT Press.

  • Eine der einflussreichsten zeitgenössischen Theorien zur demokratischen Legitimität. Habermas betont die Rolle des öffentlichen Diskurses, der Bürgerbeteiligung und der demokratischen Beratung bei der Gestaltung kollektiver Entscheidungen.

From Observation to Action


This is chapter 5 of 5 of our series “Why we need the ‘ Europeans of the Planet’, published each Friday”. Chapter 4: The End of Automatic Progress? — why people increasingly sense that something is wrong” was published last Friday.

If the diagnosis outlined in the preceding pages is broadly correct, then one conclusion becomes difficult to avoid: waiting for someone else to solve these problems is no longer a viable strategy.

For generations, citizens in democratic societies have become accustomed to delegating responsibility. Governments govern, experts advise, markets allocate resources, and institutions manage the machinery of society. This division of labour has often served us well. Yet history repeatedly demonstrates that periods of profound transformation eventually require something more. They require citizens willing to participate actively in shaping the future rather than merely reacting to it [26].

Albert Einstein is often credited [27] with the observation that:

We cannot solve our problems with the same thinking we used when we created them.”

Whether or not he expressed it in precisely those words, the underlying insight remains compelling. If humanity's challenges have become increasingly interconnected, long-term, and global in nature, then our political imagination must evolve accordingly [28].

The first step is therefore neither technological nor institutional. It is civic.

We must acknowledge that responsibility ultimately rests with us. Not with governments alone. Not with corporations. Not with international organisations. Not with future generations. Citizens remain the ultimate source of legitimacy in democratic societies, and no durable transformation can occur without their active participation [29].

The second step is to agree upon a mission sufficiently ambitious to justify collective effort and sufficiently enduring to outlast the daily fluctuations of politics. Every successful political project has ultimately been anchored in a larger purpose. The question is not whether societies operate according to such purposes, but whether those purposes are chosen consciously or emerge accidentally.

From a European perspective, three foundational objectives suggest themselves:

1. Ensure Humanity's Long-Term Survival on a Habitable Planet

This is not merely an environmental objective. It is a civilisational obligation.

Without a stable ecological foundation, every other political achievement becomes temporary. Economic prosperity, social justice, technological innovation, and cultural flourishing all ultimately depend upon the continued viability of the natural systems that sustain human life.

This objective therefore serves as the movement's permanent north star.

2. Preserve Liberal European Freedoms

The defence of human dignity, individual liberty, the rule of law, freedom of expression, democratic accountability, and pluralism constitutes one of Europe's most important contributions to human civilisation.

These freedoms are neither inevitable nor self-sustaining. They require continuous protection against authoritarianism, extremism, political apathy, and institutional decay.

This objective serves as a non-negotiable condition.

3. Build a Europe Capable of Acting Effectively in a Multipolar World

The twenty-first century is increasingly characterised by continental-scale actors operating within a competitive and interconnected global system. In such an environment, Europe's ability to protect its interests, defend its values, and contribute constructively to global challenges depends upon its capacity to act collectively.

This objective is not an end in itself. It is the strategic mechanism through which the first two objectives can realistically be pursued.

Together, these three commitments define a mission that extends beyond a single election cycle, a single policy issue, or a single generation.

Yet missions alone are insufficient.

History demonstrates that meaningful change rarely emerges from passive agreement. It emerges when individuals decide that a concern important enough to discuss is also important enough to organise around.

The third step is therefore commitment.

Citizens who share these objectives should not remain isolated observers. They should connect, cooperate, and publicly identify themselves as participants in a common endeavour. Political influence begins not when a majority agrees, but when a committed minority becomes visible, organised, and persistent.

The fourth step is institution-building.

As participation grows, visibility follows naturally. Visibility creates dialogue. Dialogue creates legitimacy. Legitimacy creates influence.

From there, practical tasks emerge: developing a manifesto, establishing local and national organisations, cooperating across borders, participating in public debate, supporting candidates, and eventually competing in democratic elections where appropriate.

History provides countless examples of ideas that remained intellectually attractive but politically irrelevant because they never crossed the threshold from discussion to organisation. It also provides examples of relatively small groups of determined citizens who transformed entire societies because they succeeded in building institutions capable of carrying their ideas forward [30].

The path from vision to reality is therefore neither mysterious nor unprecedented. It begins with a simple decision: to stop viewing the future as something that happens to us and start treating it as something for which we share responsibility.

The details of how such a movement might be organised, governed, financed, and expanded across Europe deserve careful consideration. They are practical questions, and practical questions have practical answers.

Those questions will be explored in subsequent essays.

For now, one conclusion is sufficient.

If the challenges before us are real, and if the future remains open rather than predetermined, then citizenship is not a spectator sport. The task of shaping the century ahead belongs neither to governments nor to experts alone.

It belongs to all of us.

This is chapter 5 of 5 of our series “Why we need the ‘Europeans of the Planet’, published each Friday”. 

Much of what we have described or called for in these five articles may seem entirely self-evident to you. And indeed, only a few avowed  ‘retro’ politicians openly oppose it. 

So the remaining question is rather: why is nobody doing anything about it? If none of our elected representatives is willing or able to act – how are we supposed to tackle these obviously pressing problems? 

The answers to these questions undoubtedly fall into the more difficult category—that of implementation. And that is precisely what the next series in this sequence will focus on, starting this coming Friday.

So, please stay tuned!

Addressing anticipated objections in advance

While voicing our political opinion, we should briefly acknowledge the principal objections, which are already out there.

The Technocratic Objection

Some argue that complex global problems should be left primarily to experts, scientists, and professional institutions rather than citizen movements.

Response: Expertise is indispensable, but democratic legitimacy ultimately requires citizen participation [31] and consent.

The Incrementalist Objection

Others argue that existing institutions are already capable of adapting gradually and that new political movements may create unnecessary fragmentation.

Response: Incremental reform is often preferable, but history suggests that institutional renewal frequently requires external civic pressure.

The National Sovereignty Objection

Critics may argue that European integration weakens democratic self-government at the national level.

Response: The debate is not whether democracy should be preserved, but at which level democratic authority can most effectively address continental and global challenges.


[26] Dewey, J. (1927). The public and its problems. Henry Holt.

  • A classic defence of democratic citizenship. Dewey argues that citizens must actively participate in public life if democratic societies are to address collective challenges effectively. The work remains highly relevant to arguments for civic engagement and political renewal.

[27] Calaprice, A. (Ed.). (2010). The ultimate quotable Einstein. Princeton University Press.

  • The most authoritative collection of quotations attributed to Albert Einstein. The frequently cited statement about solving problems with new thinking is widely associated with Einstein, although its exact wording and provenance remain uncertain. The quotation nevertheless captures an important principle of intellectual and political adaptation.

[28] Barber, B. R. (1984). Strong democracy: Participatory politics for a new age. University of California Press.

  • Barber argues that democratic societies function best when citizens are active participants rather than passive consumers of politics. The book offers a powerful theoretical justification for movement-building and civic mobilisation.

[29] Arendt, H. (1958). The human condition. University of Chicago Press.

  • Arendt explores the nature of political action, public participation, and collective responsibility. Her distinction between passive existence and active citizenship provides a philosophical foundation for calls to civic engagement.

[30] Tocqueville, A. de. (1835/2000). Democracy in America (H. C. Mansfield & D. Winthrop, Trans.). University of Chicago Press.

  • Tocqueville's analysis of voluntary associations remains one of the foundational works on civic organisation. He argues that democratic societies depend upon citizens' willingness to form associations capable of pursuing common purposes.

[31] Habermas, J. (1996). Between facts and norms: Contributions to a discourse theory of law and democracy. MIT Press.

  • One of the most influential contemporary theories of democratic legitimacy. Habermas emphasises the role of public discourse, civic participation, and democratic deliberation in shaping collective decisions.

Warum überhaupt eine politische Partei?

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