2026-09-11

Das politische Orakel

 

Kann ein KI-Assistent uns helfen, die Informationsflut zu bewältigen?

In unserem vorhergehenden Beitrag Warum muss Politik langweilig werden? haben wir argumentiert, dass ernsthafte politische Arbeit nicht tägliches "großes Kino" braucht.

Eine Mitgliederpartei politisch mündiger Feierabendpolitiker kann nicht mit permanenter Aufregung leben. Sie braucht ein Programm. Sie braucht eine nüchterne Arbeitskultur. Sie braucht verlässliche Informationen. Sie braucht die Fähigkeit, Signal von Rauschen zu unterscheiden.

Damit kommen wir zur letzten und vielleicht schwierigsten Frage dieser Reihe:

Wie können sich normale Mitglieder im Zeitalter der Informationsüberflutung überhaupt noch ein eigenes Urteil bilden?

Das Problem ist nicht, dass Informationen fehlen. - Das Problem ist, der Überfluss an Informationen.

Berichte, Reden, Studien, Statistiken, Videos, Podcasts, Pressemitteilungen, Expertenmeinungen, Gerüchte, Desinformation, Propaganda, Kommentare, Empörung, Gegenempörung, Halbwahrheiten, alte Fakten in neuem Gewand, neue Fakten ohne Kontext und selbstbewusst vorgetragener Unsinn im Gewand der Erkenntnis — all das erreicht uns fast täglich.

Die einzelne Bürgerin und der einzelne Bürger hatten noch nie Zugang zu so vielen Informationen.

Und doch war es selten so schwierig zu wissen, was man glauben kann - und was eben nicht.

Deshalb stellen wir uns unsere siebte und letzte Frage:

Das politische Orakel — kann ein KI-Assistent uns helfen, die Informationsflut zu bewältigen?

Unsere Antwort ist bewusst vorsichtig:

Im Prinzip ja. Aber noch nicht ohne enge Grenzen.

Was: Ein Orakel, kein Führer

Beginnen wir mit der wichtigsten Unterscheidung.

  • Wir wollen keinen synthetischen Führer.
  • Wir wollen keine Maschine, die über unser Programm entscheidet.
  • Wir wollen keinen digitalen Vorsitzenden.
  • Wir wollen keine automatisierte Propagandamaschine.
  • Wir wollen keinen Algorithmus, der Mitgliedern sagt, was sie zu denken haben.
  • Wir wollen kein System, das demokratisches Urteil ersetzt.

Was wir uns vorstellen, ist bescheidener — und gerade deshalb nützlicher.

Wir stellen uns ein politisches Orakel in dem begrenzten Sinne eines KI-gestützten Assistenten vor, der Fragen beantwortet, das Programm erklärt, Argumente vergleicht, Quellen identifiziert, Unsicherheit sichtbar macht und Mitgliedern hilft, sich ihr eigenes Urteil zu bilden.

  • Das Orakel soll nicht entscheiden.
  • Es soll Sachverhalte klären.
  • Es soll nicht anweisen.
  • Es soll Antworten geben.
  • Es soll unsere Mitglieder nicht ersetzen.
  • Es soll ihnen helfen, sich ein Urteil zu bilden.

In der Terminologie von Nick Bostrom käme dies dem „Orakelmodus“ am nächsten: einem System, das Fragen beantwortet, anstatt selbstständig zu handeln. 

Das ist ein wichtiger Unterschied. - Aber damit sind nicht alle Gefahren gebannt.

Auch ein System, das „nur“ Fragen beantwortet, kann Menschen tief beeinflussen. Es kann Themen rahmen, Quellen auswählen, Zielkonflikte vereinfachen, Unsicherheit verbergen, Nutzerinnen und Nutzer bestätigen, Voreingenommenheit verstärken oder Antworten liefern, die sicherer klingen, als sie sind.

Deshalb darf das politische Orakel nicht als übergeordnete Autorität betrachtet werden, sondern als synthetischer Experte, der die Orientierung unterstützt.

Warum: Mitglieder brauchen Orientierung

In früheren Beiträgen haben wir argumentiert, dass Politik nicht Berufspolitikern überlassen werden sollte.

  • Wir haben argumentiert, dass Mitglieder zu politisch mündigen Feierabendpolitikerinnen und Feierabendpolitikern werden sollten. 

  • Wir haben argumentiert, dass Programm wichtiger sein muss als die einzelne Person.  

  • Wir haben argumentiert, dass Politik nüchtern, berechenbar und ernsthaft werden sollte.  

  • Wenn wir das ernst meinen, dann schulden wir den Mitgliedern Werkzeuge, die dies überhaupt erst möglich machen.

Eine Bürgerin, die nach einem langen Arbeitstag nach Hause kommt, kann nicht jeden Bericht, jeden Gesetzentwurf, jede wissenschaftliche Studie, jede interne Information und nicht jede politische Analyse lesen. Ein Mitglied, das beitragen will, kann auch nicht gleichzeitig Klimawissenschaft, Europarecht, Haushaltsregeln, Migrationsstatistik, KI-Regulierung, Verteidigungspolitik und das Thema der Agrarsubventionen beherrschen.

Ohne zusätzliche Unterstützung wird die Forderung nach bürgerlicher Verantwortung unfair.

Schlimmer noch: Sie wird selektiv. Diejenigen mit mehr Zeit, Bildung, Geld und Selbstvertrauen beteiligen sich. Andere bleiben still.

Damit würden wir genau das Problem reproduzieren, das wir eigentlich überwinden wollen.

Ein politisches Orakel könnte helfen, die Schwelle zu senken.

  • Es könnte zusammenfassen.
  • Es könnte übersetzen.
  • Es könnte Fachsprache erklären.
  • Es könnte Positionen vergleichen.
  • Es könnte zeigen, welche Teile des Programms relevant sind.
  • Es könnte Fakten von Annahmen trennen.
  • Es könnte Argumente für und gegen einen Vorschlag darstellen.
  • Es könnte kenntlich machen, was bekannt, unsicher und umstritten ist.
  • Es könnte ein institutionelles Gedächtnis bewahren.
  • Es könnte die Denkweise der Partei für alle Mitglieder zugänglich machen.

Gut eingesetzt, würde es Politik nicht weniger demokratisch machen.  - Es könnte demokratische Beteiligung realistischer machen.

Wie: Programmgeleitet, quellenbasiert, transparent

Wir dürfen nicht so tun, als sei ein solches politisches Orakel neutral und ohne eine eigene Weltsicht. 

Kein politisches Instrument ist neutral. Unser Orakel soll die Welt ja gerade durch die Brille der Europäer für den Planeten betrachten.

Die entscheidende Frage lautet vielmehr, ob diese Perspektive verborgen bleibt oder offen gelegt wird.

Unser Orakel wäre ausdrücklich programmgeleitet. Es würde politische Fragen im Licht der Werte, Prioritäten und Kriterien bewerten, die in unserem Parteiprogramm festgelegt sind.

Aber das bedeutet natürlich nicht, dass es die Fakten dem Programm anpassen darf.

Im Gegenteil. - Es muss sorgfältig zwischen vier Dingen unterscheiden:

  1. Fakten,
  2. Annahmen,
  3. Interpretationen 
  4. programmbezogenen Bewertungen.

Wenn ein Mitglied fragt: „Was sollten wir von diesem Vorschlag halten?“, sollte das Orakel nicht einfach antworten: „Wir sind dafür“ oder „Wir sind dagegen.

Es sollte erklären.

  • Worum geht es bei dem Vorschlag?
  • Was sind die bekannten Fakten?
  • Welche Quellen stützen sie?
  • Welche Aussagen sind umstritten?
  • Welche Programmprinzipien sind relevant?
  • Welche Werte stehen miteinander in latentem Widerspruch?
  • Wer ist betroffen?
  • Welche Folgen sind wahrscheinlich?
  • Was wäre das stärkste Argument dafür?
  • Was wäre das stärkste Argument dagegen?
  • Wo bleibt Unsicherheit?

Erst dann sollte es sagen, was aus dem Programm zu folgen scheint — und auch dann nur als Empfehlung für zu bildendes Urteil, nicht als endgültige Entscheidung.

Die Gefahren: Halluzination, Abhängigkeit, Voreingenommenheit

Wir müssen nüchtern über die Risiken sprechen.

Erstens: Halluzinationen.

Generative KI kann falsche Antworten mit großer Selbstsicherheit erzeugen. Das wussten wir schon 2023. Heute wissen wir es noch besser. Ein politisches Orakel, das Quellen erfindet, Gesetze falsch zitiert oder selbstbewusst einen nicht existierenden Bericht zusammenfasst, wäre schlimmer als nutzlos. Es wäre gefährlich.

Zweitens: Abhängigkeit.

Wenn Mitglieder sich zu stark auf das Orakel verlassen, kann ihr eigenes Urteilsvermögen leiden , statt gestärkt zu werden. Das Werkzeug, das Bürgerinnen und Bürger befähigen soll, könnte zu einer Autorität werden, der sie dann kritiklos folgen.

Drittens: Voreingenommenheit.

Jedes KI-System spiegelt Daten, Designentscheidungen, Trainingsmethoden, Filter, Prompts, Abrufquellen und andere menschliche Entscheidungen wider. Voreingenommenheit verschwindet nicht dadurch, dass man so tut, als gäbe es sie nicht. Sie muss sichtbar gemacht, getestet, hinterfragt und korrigiert werden.

Viertens: Intransparenz.

Wenn Mitglieder nicht verstehen können, warum das Orakel eine bestimmte Antwort gegeben hat, können sie ihm nicht verantwortlich vertrauen. Eine Black Box ist keine demokratische Institution.

Fünftens: Manipulation.

Ein KI-System in der Politik könnte leicht von Erklärung zu Überredung, von Überredung zu gezielter Ansprache und von gezielter Ansprache zu Manipulation übergehen. Dieser Weg muss von Anfang an blockiert werden.

Sechstens: rechtliche und ethische Risiken.

In Europa können KI-Systeme, die Wahlergebnisse oder Wahlverhalten beeinflussen sollen, in die Hochrisikokategorie fallen. Politische Werbung, Datenschutz, Transparenzpflichten und demokratische Schutzvorkehrungen spielen eine Rolle. Eine Partei, die KI verantwortlich nutzen will, darf das Recht nicht nachrangig behandeln.

Was zuerst kommen muss

Das Orakel kann nicht der Anfang sein. - Es kann nur auf Grundlagen aufsetzen, die bereits gelegt sind.

Erstens muss es ein aussagefähiges Programm geben. Sonst fehlen dem Orakel legitime Kriterien.

Zweitens muss es eine vertrauenswürdige Wissensbasis geben. Sonst fehlen verlässliche Quellen.

Drittens braucht es Governance. Wer entscheidet, welche Quellen maßgeblich sind? Wer korrigiert Fehler? Wer prüft das System? Wer kann eine Antwort anfechten?

Viertens braucht es Transparenz. Mitglieder müssen wissen, was das Orakel kann und was nicht.

Fünftens braucht es menschliche Verantwortung. Keine Antwort des Orakels darf automatisch Parteipolitik werden.

Sechstens braucht es Geduld. Die erste Version sollte bescheiden sein: ein interner Wissensassistent, kein politisches Gehirn.

Die Reihenfolge ist entscheidend.

  1. zuerst das Programm .
  2. zweitens eine Wissensbasis .
  3. drittens die nötige Governance .
  4. erst viertens die technische Implementierung .

So, und nicht umgekehrt.

Ein realistischer Weg

Die erste Stufe sollte noch simpel gestaltet sein.

Das Orakel sollte Fragen zu unserem Programm, unseren Statuten, früheren Beiträgen und freigegebenen Hintergrundmaterialien beantworten können. Es sollte seine Quellen nennen. Es sollte sagen, wenn es etwas nicht weiß. Es sollte Spekulation vermeiden. Es sollte zur Korrektur einladen.

Die zweite Stufe könnte ausgewählte externe Quellen einbeziehen: EU-Institutionen, wissenschaftliche Einrichtungen, Gerichte, öffentliche Statistiken, parlamentarische Dokumente und hochwertigen Journalismus. Dann könnte es Themenbriefings und Argumentkarten erstellen.

Die dritte Stufe könnte die Mitgliederberatung unterstützen: Diskussionen zusammenfassen, Übereinstimmungen und Meinungsverschiedenheiten identifizieren, Minderheitenpositionen dokumentieren und Entscheidungsvorlagen vorbereiten.

Erst viel später sollten ambitioniertere Funktionen erwogen werden. - Und manche Funktionen sollten auch grundsätzlich ausgeschlossen bleiben.

  • Das Orakel darf keine verbindlichen Entscheidungen treffen
  • Es darf Mitglieder nicht versteckt überwachen.
  • Es darf Wählerinnen und Wähler nicht persönlich ansprechen.
  • Es darf kein manipulatives Material für Wahlkampagnen erzeugen.
  • Es darf den Menschen ihre Erwägungen nicht abnehmen.
  • Es darf die Partei nicht im verborgenen führen.

Ein politisches Orakel, das einer demokratischen Partei würdig ist, muss den Mitgliedern, denen es dient, gegenüber eine nachrangige Stellung einnehmen.

Das soll seine Tugend sein.

Was daraus folgt: Ein intellektueller Begleiter für mündige Bürger

Brauchen wir also ein solches System?

Vermutlich ja - aber wir können es heute noch nicht im vollen Umfang realisieren.

Aber bereits heute benötigen wir die Funktionen, die es einmal ausfüllen soll:

  • Wir brauchen Hilfe, um Informationsüberlastung zu bewältigen.
  • Wir brauchen Hilfe, um institutionelles Gedächtnis zu bewahren.
  • Wir brauchen Hilfe, um Komplexität in verständliche Wahlmöglichkeiten zu übersetzen.
  • Wir brauchen Hilfe, um Argumente fair zu vergleichen.
  • Wir brauchen Hilfe, um das Programm konsistent anzuwenden.
  • Wir brauchen Hilfe, um Propaganda, Panik und Manipulation zu widerstehen.

Wenn Bürgerinnen und Bürger politisch mündig werden sollen, brauchen sie mehr als nur eine Aufforderung.

Sie brauchen Instrumente.

Das politische Orakel wäre ein mögliches Instrument. Die aktuell (September 2026) verfügbaren Systeme genügen diesen Forderungen noch nicht. 

  • Ihr realistischer Einsatz ist teilweise noch  utopisch.
  • Sie sind technisch unreif.
  • Sie sind rechtlich sensibel.
  • Sie sind ethisch gefährlich.
  • Sie sind könnten scheitern.
  • Sie könnten in die Irre führen.
  • Sie könnten missbraucht werden.

Aber wenn so ein Orakel defensiv, transparent und demokratisch gestaltet wird, könnte es auch helfen, eines der zentralen Probleme moderner Politik zu lösen:

Wie normale Bürgerinnen und Bürger informiert, positioniert und handlungsfähig bleiben können in einer Welt, die sie mit Informationen überflutet.

Wir sollten dabei nicht all unsere Erwartungen mit dem Orakel verbinden. - Aber wir sollten beginnen, die Bedingungen zu schaffen, unter denen ein solches Orakel eines Tages nützlich sein könnte.

Diese Reihe begann mit der Frage: Warum überhaupt eine politische Partei?

Sie endet mit einer anderen Frage:

Wie muss eine Partei gestaltet damit, wenn die Bürgerinnen und Bürger wirklich an der politischen Verantwortung teilhaben können?

Unsere Antwort wird nun deutlich:

  1. Zunächst eine Partei als Vehikel.

  2. Trotz der europäischen Mission zunächst mit einem praktischen nationalen Anfang beginnen. 

  3. Mitglieder statt einsamer Führer.

  4. Politisch mündige Feierabendpolitikerinnen und Feierabendpolitiker statt Berufspolitik.

  5. Programm über Person.

  6. Nüchterne Arbeit statt Polit-Theater. Und

  7. Vielleicht eines Tages ein Orakel, das Mitgliedern hilft, die Welt zu verstehen, ohne zu beanspruchen, sie zu regieren.

Dadurch würde die Politik noch keineswegs perfekt. - Aber es wäre ein Anfang.

Kommentierte APA-7-Referenzen

  1. Bostrom, N. (2014). Superintelligence: Paths, dangers, strategies. Oxford University Press.
    • Bostroms Unterscheidung zwischen Orakeln, Genies, Souveränen und Werkzeugen ist für die sichere Rahmung des politischen Orakels zentral. Ein Orakel ist ein System, das Fragen beantwortet, nicht ein autonomer Entscheidungsträger. Das stützt die vorgeschlagene Begrenzung: Die Partei sollte keinen KI-Herrscher und keinen politischen Akteur bauen, sondern einen begrenzten Assistenten, der Fragen beantwortet und die letzte Autorität beim Menschen belässt.

  2. Bostrom, N., & Yudkowsky, E. (2011). Thinking inside the box: Controlling and using an oracle AI.
    • Dieser frühere Beitrag ist nützlich, weil er warnt, dass selbst orakelartige Systeme gefährlich sein können. Ein System, das „nur“ Fragen beantwortet, kann Nutzerinnen und Nutzer dennoch manipulieren, schädliche Informationen offenlegen oder Entscheidungen unbeabsichtigt beeinflussen. Dies unterstützt die Aussage des Artikels, dass der Orakelmodus nur relativ sicherer ist und dennoch starke Governance benötigt.

  3. Council of Europe. (2024). Framework Convention on Artificial Intelligence and Human Rights, Democracy and the Rule of Law.
    • Die KI-Rahmenkonvention des Europarats ist eine zentrale Referenz für demokratische Governance. Sie wird als erstes rechtlich verbindliches internationales Übereinkommen zu KI beschrieben und soll sicherstellen, dass KI-Systeme mit Menschenrechten, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit vereinbar bleiben. Für den Artikel stützt sie die These, dass ein politisches Orakel nicht nur als technisches Projekt behandelt werden darf, sondern als demokratische Einrichtung mit Schutzvorkehrungen.

  4. European Union. (2024). Regulation (EU) 2024/1689 laying down harmonised rules on artificial intelligence.
    • Der EU AI Act ist unmittelbar relevant, weil er KI-Systeme, die Wahlergebnisse oder Wahlverhalten beeinflussen sollen, als Hochrisikosysteme behandelt, zugleich aber bestimmte administrative und logistische Kampagnennutzungen unterscheidet. Das stützt die Empfehlung, das Orakel zunächst als internes Unterstützungswerkzeug für Mitglieder zu entwickeln und Wählermanipulation, Microtargeting oder automatisierte Kampagnenführung zu vermeiden.

  5. Landemore, H. (2013). Democratic reason: Politics, collective intelligence, and the rule of the many. Princeton University Press.
    • Landemore liefert die demokratietheoretische Grundlage für die Idee, dass Politik von kollektiver Intelligenz profitieren kann, besonders durch inklusive Beratung und Mehrheitsentscheidung. Ihre Arbeit unterstützt das Orakel-Konzept nur dann, wenn KI kollektives Urteil stärkt und nicht ersetzt.

  6. Landemore, H. (2024). Can artificial intelligence bring deliberation to the masses? In Conversations in philosophy, law, and politics. Oxford University Press.
    • Diese Quelle ist besonders relevant, weil sie direkt untersucht, ob KI deliberative Prozesse skalieren kann. Sie stützt die optimistische Seite des Arguments: KI kann möglicherweise Beteiligung verbreitern und groß angelegte Beratung handhabbarer machen. Zugleich verweist sie auf die Notwendigkeit sorgfältiger institutioneller Gestaltung statt bloßer Technikbegeisterung.

  7. OECD. (2026). Artificial intelligence and the future of citizen participation. OECD Publishing.
    • Diese OECD-Publikation gehört zu den direkt einschlägigen aktuellen Quellen. Sie identifiziert mehrere KI-Anwendungsformen für Bürgerbeteiligung, darunter Informationsaufbereitung, Sinnstrukturierung, Übersetzung, Transkription, virtuelle Assistenz, Moderation, Vermittlung, Simulation und Prozessarchitektur. Zugleich diskutiert sie Risiken wie Voreingenommenheit, mangelnde Transparenz und schwache deliberative Qualität.

  8. OECD. (2025). Governing with artificial intelligence: The state of play and way forward in core government functions. OECD Publishing.
    • Der breitere OECD-Bericht zu KI in staatlichen Kernfunktionen ist für die Umsetzungsdisziplin wichtig. Er zeigt, dass KI Entscheidungsunterstützung, Prognosen, Betrugserkennung und Lernen im öffentlichen Dienst verbessern kann, dass Nutzen aber von der Beherrschung von Risiken abhängt: verzerrte Daten, mangelnde Transparenz, Überabhängigkeit, digitale Spaltung und Fehlerfortpflanzung.

  9. Small, T., Tucker, J., & Tseng, Y.-S. (2023). Sorting a public? Using quali-quantitative methods to interrogate the role of algorithms in digital democracy platforms. Information, Communication & Society.
    • Dieser Beitrag ist hilfreich, um vTaiwan und Pol.is als digitale Demokratieinstrumente einzuordnen. Er zeigt, dass algorithmische Plattformen Beteiligung strukturieren und differenzierte Positionen sichtbar machen können, zugleich aber Fragen danach aufwerfen, wie Plattformen Öffentlichkeit formatieren und Themen darstellen. Damit ist er eine ausgewogene Quelle zu Chancen und Grenzen KI-gestützter Deliberation.

  10. Tessler, M. H., Evans, G., Bakker, M. A., Gabriel, I., Bridgers, S., Jain, R., Koster, R., Rieser, V., Dragan, A., Botvinick, M., & Summerfield, C. (2026). Can AI mediation improve democratic deliberation? arXiv.
    • Diese aktuelle Arbeit passt unmittelbar zur Frage des politischen Orakels. Sie untersucht, ob große Sprachmodelle demokratische Deliberation verbessern können, indem sie Beteiligung skalieren, Gleichheit unterstützen und die Qualität von Diskussionen erhöhen. Ihr Wert liegt in der ausgewogenen Haltung: Sie benennt reale demokratische Möglichkeiten, betont aber zugleich ungelöste empirische, technische und normative Herausforderungen.

  11. Novelli, C., Formisano, G., Juneja, P., Sandri, G., & Floridi, L. (2024). Artificial intelligence for the internal democracy of political parties. Minds and Machines.
    • Dies ist eine der wichtigsten parteispezifischen Quellen. Der Beitrag argumentiert, dass KI helfen kann, innerparteiliche Demokratie zu messen und umzusetzen, zugleich aber Parteiorganisation, Mitgliedschaft und Führung unter neuen technologischen Druck setzt. Er unterstützt den Einsatz von KI für Mitgliederbeteiligung und innerparteiliche Demokratie, allerdings nur unter klaren Governance-Schutzvorkehrungen.

  12. Reuters Institute for the Study of Journalism. (2024). How generative AI chatbots responded to questions and fact-checks about the 2024 UK general election.
    • Diese Quelle ist eine wichtige Warnung vor aktuellen Grenzen von KI in politischen Informationskontexten. Sie berichtet, dass populäre Chatbots teilweise ungenaue, erfundene oder widersprüchliche politische Informationen lieferten. Das stützt die Vorsicht des Artikels: Ein politisches Orakel darf sich nicht auf Modellgedächtnis verlassen, sondern muss quellenbasiert arbeiten.

  13. Tseng, Y.-S. (2022). Algorithmic empowerment: A comparative ethnography of two open-source algorithmic platforms — Decide Madrid and vTaiwan. Big Data & Society.
    • Tseng ist als kritische Quelle nützlich. Der Beitrag untersucht algorithmische Plattformen nicht einfach als Instrumente der Ermächtigung, sondern als Systeme, die Beteiligung und Konsensbildung aktiv formen. Er warnt davor, algorithmische Vermittlung als politisch neutral zu behandeln. Dies unterstützt die Forderung des Artikels nach Transparenz und menschlicher Aufsicht.

The Political Oracle

 

Can an AI Assistant Help Us Navigate the Flood of Information?

In our previous contribution, Politics Needs to Become Boring”, we argued that serious political work does not need daily theatre.

A members’ party of part-time political adults cannot live from outrage alone. It needs a programme. It needs a sober working culture. It needs reliable information. It needs the ability to distinguish signal from noise.

But this brings us to the last and perhaps most difficult question in this series:

How can ordinary members realistically form their own judgement in an age of information overload?

The problem is not that information is unavailable.

The problem is that information is everywhere.

Reports, speeches, studies, statistics, videos, podcasts, press releases, expert opinions, rumours, disinformation, propaganda, commentary, outrage, counter-outrage, half-truths, old facts in new costumes, new facts without context, and confident nonsense dressed as certainty — all of this reaches us every day.

The individual citizen has never had access to so much information.

And yet it has rarely been so difficult to know what to trust.

So we ask our seventh and final question:

The political oracle — can an AI assistant help us navigate the flood of information?

Our answer is deliberately cautious:

In principle, yes. But not yet without strict limits.

What: An oracle, not a ruler

Let us start with the most important distinction.

  • We do not want an artificial leader.
  • We do not want a machine that decides our programme.
  • We do not want a digital chairperson.
  • We do not want an automated propaganda engine.
  • We do not want an algorithm that tells members what they must think.
  • We do not want a system that replaces democratic judgement.

What we imagine is much more modest — and precisely for that reason more useful.

We imagine a political oracle in the limited sense of an AI-supported assistant that answers questions, explains the programme, compares arguments, identifies sources, maps uncertainty and helps members form their own judgement.

  • The oracle should not decide.
  • It should clarify.
  • It should not command.
  • It should answer.
  • It should not replace members.
  • It should help members become more capable.

In Nick Bostrom’s terminology, this would be closest to “oracle mode”: a system designed to answer questions rather than act autonomously in the world. That is an important safety distinction.

But it does not remove all danger.

Even a system that only answers questions can influence people profoundly. It can frame issues, select sources, simplify trade-offs, hide uncertainty, flatter users, reinforce bias, or produce answers that sound more certain than they are.

Therefore, the political oracle must be treated not as a miracle, but as a constitutional problem.

Why: Members need orientation

In earlier articles, we argued that politics should not be left to career politicians.

  • We argued that members should become part-time political adults.

  • We argued that programme should matter more than personality.

  • We argued that politics should become sober, predictable and serious.

  • But if we mean all this, then we owe members the tools that make it possible.

A citizen who comes home after a long working day cannot read every report, every legal draft, every scientific paper, every party statement and every policy analysis. A member who wants to contribute cannot be expected to master climate science, European law, budget rules, migration statistics, AI regulation, defence policy and agricultural subsidies at once.

Without support, the demand for citizen responsibility becomes unfair.

Worse: it becomes selective. Those with more time, education, money and confidence participate. Others remain silent.

That would reproduce the very problem we wanted to overcome.

A political oracle could help lower the threshold.

  • It could summarise.
  • It could translate.
  • It could explain jargon.
  • It could compare positions.
  • It could show which parts of the programme are relevant.
  • It could separate facts from assumptions.
  • It could present arguments for and against a proposal.
  • It could identify what is known, uncertain and contested.
  • It could preserve institutional memory.
  • It could make the reasoning of the party accessible to members.

Used well, it would not make politics less democratic.

It could make democratic participation more realistic.

How: Programme-guided, source-based, transparent

The political oracle must not pretend to be neutral in the sense of having no worldview.

No political instrument is neutral.

The decisive question is whether its worldview is hidden or declared.

Our oracle would be explicitly programme-guided. It would assess political questions in light of the values, priorities and criteria laid down in our party platform.

But that does not mean it may invent facts to fit the programme.

On the contrary. - It must distinguish carefully between four things:

  • facts,
  • assumptions,
  • interpretations, and
  • programme-based evaluations.

If a member asks, “What should we think about this proposal?”, the oracle should not simply answer, “We are for it” or “We are against it.

It should explain.

  • What is the proposal?
  • What are the known facts?
  • Which sources support them?
  • Which claims are disputed?
  • Which programme principles are relevant?
  • Which values conflict?
  • Who is affected?
  • What are the likely consequences?
  • What would be the strongest argument in favour?
  • What would be the strongest argument against?
  • Where does uncertainty remain?

Only then should it say what seems to follow from the programme — and even then only as a recommendation for human judgement, not as a final decision.

The dangers: hallucination, dependency, bias

We must be sober about the risks.

First, hallucinations.

Generative AI can produce false answers with great confidence. We knew this already in 2023. We know it even better today. A political oracle that invents sources, misquotes laws or confidently summarises a non-existent report would be worse than useless. It would be dangerous.

Second, dependency.

If members rely too heavily on the oracle, their judgement may weaken rather than improve. The tool meant to empower citizens could become a new authority they obey.

Third, bias.

Every AI system reflects data, design choices, training methods, filters, prompts, retrieval sources and human decisions. Bias cannot be abolished by pretending it does not exist. It must be made visible, tested, challenged and corrected.

Fourth, opacity.

If members cannot understand why the oracle gave a certain answer, they cannot trust it responsibly. A black box is not a democratic institution.

Fifth, manipulation.

An AI system used in politics could easily drift from explanation to persuasion, from persuasion to targeting, from targeting to manipulation. That road must be blocked from the beginning.

Sixth, legal and ethical exposure.

In Europe, AI systems that influence elections or voting behaviour may fall into high-risk categories. Political advertising, data protection, transparency obligations and democratic safeguards all matter. A party that wants to use AI responsibly must not treat law as an afterthought.

What must come first

The oracle cannot be the beginning. - It can only be built on foundations already laid.

First, there must be a serious programme. Otherwise the oracle has no legitimate criteria.

Second, there must be a trusted knowledge base. Otherwise it has no reliable sources.

Third, there must be governance. Who decides which sources are authoritative? Who corrects errors? Who audits the system? Who can challenge its answer?

Fourth, there must be transparency. Members must know what the oracle can and cannot do.

Fifth, there must be human responsibility. No answer from the oracle should automatically become party policy.

Sixth, there must be patience. The first version should be modest: an internal knowledge assistant, not a political brain.

The order matters.

  1. Programme first.
  2. Knowledge base second.
  3. Governance third.
  4. Technology fourth.

Not the other way round.

A realistic path

The first stage should be simple.

The oracle should answer questions about our programme, statutes, previous articles and approved background materials. It should cite its sources. It should say when it does not know. It should avoid speculation. It should invite correction.

The second stage could add selected external sources: EU institutions, scientific bodies, courts, public statistics, parliamentary documents and high-quality journalism. Then it could produce issue briefings and argument maps.

The third stage could support member deliberation: summarising discussions, identifying areas of agreement and disagreement, preserving minority views and helping prepare decisions.

Only much later should more ambitious functions be considered.

And some functions should remain excluded entirely.

  • The oracle should not issue binding decisions.
  • It should not secretly profile members.
  • It should not micro-target voters.
  • It should not generate manipulative campaign material.
  • It should not replace human deliberation.
  • It should not become the hidden government of the party.

A political oracle worthy of a democratic party must be weaker than the members it serves.

That is its virtue.

What follows: An intellectual companion for political adults

So, do we need such a system?

Perhaps not today in its full form.

But we already need the function it would perform.

  • We need help navigating information overload.
  • We need help preserving institutional memory.
  • We need help translating complexity into understandable choices.
  • We need help comparing arguments fairly.
  • We need help applying the programme consistently.
  • We need help resisting propaganda, panic and manipulation.
  • If citizens are to become politically mature, they need more than exhortation.

They need instruments.

The political oracle is one possible instrument.

  • It is still partly utopian.
  • It is technically immature.
  • It is legally sensitive.
  • It is ethically dangerous.
  • It could fail.
  • It could mislead.
  • It could be abused.

But if designed humbly, transparently and democratically, it could also help solve one of the central problems of modern politics:

Our answer is deliberately cautious:

How ordinary citizens can remain informed, thoughtful and capable in a world that overwhelms them with information.

That is why we should not worship the oracle.

But we should begin building the conditions under which such an oracle might one day be useful.

This series began with the question: Why a political party at all?

It ends with a different question:

Our answer is deliberately cautious:

What must a party become if citizens are truly to share political responsibility?

Our answer is now visible.

  1. A party as vehicle.

  2. A European mission with a practical national beginning.

  3. Members instead of saviours.

  4. Part-time political adults instead of career politics.

  5. Programme over person.

  6. Sober work instead of theatre. And,

  7. Perhaps one day, an oracle that helps members understand the world without claiming to rule it.

That would not yet be perfect politics. - But it would be a beginning.

Annotated APA 7 references

  1. Bostrom, N. (2014). Superintelligence: Paths, dangers, strategies. Oxford University Press.
    • Bostrom’s distinction between oracles, genies, sovereigns and tools is essential for framing the political oracle safely. An oracle is a question-answering system, not an autonomous decision-maker. This supports the proposed limitation: the party should not build an AI ruler or political actor, but a constrained assistant that answers questions and leaves final authority with humans.

  2. Bostrom, N., & Yudkowsky, E. (2011). Thinking inside the box: Controlling and using an oracle AI.
    • This earlier paper is useful because it warns that even oracle-style systems can be dangerous. A system that only answers questions may still manipulate users, reveal harmful information or influence decisions in unintended ways. This supports the article’s insistence that “oracle mode” is safer only in relative terms and still requires strong governance.

  3. Council of Europe. (2024). Framework Convention on Artificial Intelligence and Human Rights, Democracy and the Rule of Law.
    • The Council of Europe convention is the central democratic-governance reference. It is described as the first legally binding international treaty on AI and aims to ensure that AI systems remain consistent with human rights, democracy and the rule of law. It supports the article’s claim that a political oracle must be treated not only as a technical project, but as a democratic institution requiring safeguards.

  4. European Union. (2024). Regulation (EU) 2024/1689 laying down harmonised rules on artificial intelligence.
    • The EU AI Act is directly relevant because it treats AI systems intended to influence election outcomes or voting behaviour as high-risk, while distinguishing some administrative and logistical campaign uses. This supports the article’s recommendation that the oracle should begin as an internal member-support tool and avoid voter manipulation, micro-targeting or automated campaigning.

  5. Landemore, H. (2013). Democratic reason: Politics, collective intelligence, and the rule of the many. Princeton University Press.
    • Landemore provides the democratic-theory foundation for the idea that politics can benefit from the collective intelligence of citizens, especially through inclusive deliberation and majority rule. Her work supports the oracle concept only if the AI strengthens collective judgement rather than replacing it.

  6. Landemore, H. (2024). Can artificial intelligence bring deliberation to the masses? In Conversations in philosophy, law, and politics. Oxford University Press.
    • This source is highly relevant because it directly examines whether AI can scale deliberation. It supports the optimistic side of the argument: AI may help broaden participation and make large-scale deliberation more manageable. But it also points towards the need for careful institutional design rather than technological enthusiasm.

  7. OECD. (2026). Artificial intelligence and the future of citizen participation. OECD Publishing.
    • This is one of the most directly relevant current sources. It identifies nine AI application types for citizen participation: information development, sense-making, translation, transcription, virtual assistance, moderation, facilitation, simulation and architecture. It also discusses risks such as bias, lack of transparency and weak deliberative quality.

  8. OECD. (2025). Governing with artificial intelligence: The state of play and way forward in core government functions. OECD Publishing.
    • The OECD’s broader government AI report is useful for public-sector implementation discipline. It notes that AI can improve decision-making, forecasting, fraud detection and public servants’ learning, but that benefits depend on managing risks such as skewed data, lack of transparency, overreliance, digital divides and propagation of errors.

  9. Small, T., Tucker, J., & Tseng, Y.-S. (2023). Sorting a public? Using quali-quantitative methods to interrogate the role of algorithms in digital democracy platforms. Information, Communication & Society.
    • This article is useful for understanding vTaiwan and Pol.is as digital democracy tools. It shows that algorithmic platforms may help structure participation and reveal nuanced positions, but also raises questions about how platforms format publics and represent issues. It is a balanced reference for the promise and limits of AI-assisted deliberation.

  10. Tessler, M. H., Evans, G., Bakker, M. A., Gabriel, I., Bridgers, S., Jain, R., Koster, R., Rieser, V., Dragan, A., Botvinick, M., & Summerfield, C. (2026). Can AI mediation improve democratic deliberation? arXiv.
    • This recent paper is directly aligned with the political-oracle question. It explores whether LLMs can enhance democratic deliberation by scaling participation, supporting equality and improving the quality of discussion. Its value lies in its balanced stance: it identifies real democratic possibilities while stressing unresolved empirical, technical and normative challenges.

  11. Novelli, C., Formisano, G., Juneja, P., Sandri, G., & Floridi, L. (2024). Artificial intelligence for the internal democracy of political parties. Minds and Machines.
    • This is one of the most relevant party-specific references. It argues that AI can enhance the measurement and implementation of intra-party democracy, while also placing party organisation, membership and leadership under new technological pressures. It supports using AI for member engagement and internal democracy, but not without governance safeguards.

  12. Reuters Institute for the Study of Journalism. (2024). How generative AI chatbots responded to questions and fact-checks about the 2024 UK general election.
    • This source provides a warning about current AI limitations in political information contexts. It reports that popular chatbots sometimes produced inaccurate, fabricated or inconsistent political information. This directly supports the article’s caution that a political oracle cannot rely on model memory alone and must be source-based.

  13. Tseng, Y.-S. (2022). Algorithmic empowerment: A comparative ethnography of two open-source algorithmic platforms — Decide Madrid and vTaiwan. Big Data & Society.
    • Tseng is useful as a critical reference. The article examines algorithmic platforms not simply as empowerment tools but as systems that shape participation and consensus. It warns against treating algorithmic mediation as politically neutral. This supports the article’s call for transparency and human oversight. 

2026-09-04

Warum muss Politik langweilig werden?


Weil ernsthafte Arbeit kein tägliches Polit-Theater braucht

In unserem vorherigen Beitrag Weniger Persönlichkeit, mehr Programm haben wir argumentiert, dass ein gutes Parteiprogramm uns eine Menge Ärger, Wirren und endlose Wiederholungen ersparen kann.

Ein Programm ersetzt aber das politische Urteil nicht. Aber es reicht diesem Urteil einen Kompass.

Es hilft Mitgliedern zu beurteilen, ob ein neuer Vorschlag, eine neue Krise oder eine neue öffentliche Debatte zu den Prinzipien, Prioritäten und langfristigen Zielen der Partei passt. Es verhindert, dass jede Diskussion immer wieder bei null beginnt. Es verringert die Abhängigkeit von charismatischen Persönlichkeiten. Es macht Politik verlässlicher.

Aber ein Programm allein reicht nicht. - Eine Partei braucht auch eine Arbeitskultur.

Damit kommen wir zur sechsten Frage unserer Reihe:

Warum entscheiden wir uns für einen „langweiligen“, aber konsistenten Ansatz ohne all das übliche Getöse?

Die Antwort ist einfach:

→ Weil ernsthafte Politik kein tägliches Theater braucht.

Was: Politik sollte langweilig werden — im richtigen Sinne

Beginnen wir damit, ein Missverständnis zu vermeiden.

Wenn wir sagen, dass Politik langweilig werden muss, meinen wir nicht, dass Politik leblos, feige, emotionslos oder technokratisch werden soll.

  • Wir meinen nicht, dass Konflikte verschwinden sollen.
  • Wir meinen nicht, dass Unrecht mit höflichem Schweigen beantwortet werden soll.
  • Wir meinen nicht, dass moralische Leidenschaft in der Politik keinen Platz mehr hat.
  • Wir meinen nicht, dass Bürgerinnen und Bürger durch Amtsdeutsch ruhig gestellt werden sollen.

Politik handelt von tatsächlichen Konflikten, wirklichen Interessen, wirklichem Leid, wirklichen Hoffnungen und wirklichen alternativen Zukünften. Eine Politik ohne moralische Energie wäre nicht demokratischer. Sie wäre nur kälter.

Was also meinen wir?

Wir meinen, dass Politik in demselben Sinne langweilig werden sollte, in dem gute Ingenieurskunst, gute Buchhaltung, gute Medizin und gute Verwaltung langweilig sind: verlässlich, diszipliniert, transparent, kompetent und nicht abhängig von täglichem Drama.

Langweilig bedeutet nicht leidenschaftslos.

Es bedeutet, dass Leidenschaft in den Dienst von Vernunft, Programm und Verantwortung gestellt wird — nicht in den Dienst des Spektakels.

Unsere strategische Aussage lautet daher:

Europäer für den Planeten will eine politische Arbeitskultur, die nüchtern, programmgeleitet, ethisch begründet und berechenbar ist — weil eine Mitgliederpartei politisch mündiger Teilzeitpolitikerinnen und Teilzeitpolitiker nicht erfolgreich sein kann, wenn sie die Rituale des permanenten politischen Theaters nachahmt.

Wie: Weniger Theater, mehr Arbeit

Vieles von dem, was heute als Politik gilt, ist Inszenierung.

  • Ein Politiker hält eine feurige Rede.
  • Ein Gegner wird angegriffen.
  • Ein Satz wird für die Abendnachrichten zugespitzt.
  • Ein Konflikt wird dramatisiert.
  • Eine Welle in den sozialen Medien wird ausgelöst.
  • Eine Partei erklärt, die andere Seite habe nun endgültig ihr wahres Gesicht gezeigt.

Die andere Seite antwortet entsprechend. - Am nächsten Tag beginnt der Kreislauf von vorn.

Alle sind erregt. - Fast nichts ist geklärt.

Das ist kein Zufall.

In einer stark personalisierten politischen Landschaft ist Aufmerksamkeit eine Währung. Eine Politikerin oder ein Politiker, den niemand kennt, hat es schwer, gewählt zu werden — selbst mit einem ausgezeichneten Programm. Eine Bewegung ohne erkennbares Gesicht hat es schwer, beachtet zu werden — selbst wenn ihre Argumentation solide ist. Medienlogik belohnt Konflikt, Neuigkeit, Sichtbarkeit und Emotion. Soziale Medien verstärken das noch einmal.

Wir sind für diese Realität nicht blind.

Aber wir glauben nicht, dass eine ernsthafte Partei sich ihr einfach nachgeben sollte.

Unsere Aufgabe ist es nicht, jeden Morgen ein neues Spektakel zu produzieren. Unsere Aufgabe ist politische Arbeit: die Welt verstehen, unser Programm anwenden, Vorschläge entwickeln, Mitglieder organisieren, Entscheidungen erklären, Fehler korrigieren und Vertrauen aufbauen.

Diese Art von Arbeit ist selten theatralisch.

  • Sie ist oft wiederholend.
  • Sie ist oft sorgfältig.
  • Sie ist oft langsam.
  • Sie ist oft unsichtbar.
  • Sie ist, offen gesagt, oft langweilig.

Aber sie ist notwendig.

Warum: Wir brauchen Rivalen, keine Feinde

Politische Parteien unterscheiden sich.

  • Sie vertreten unterschiedliche Auffassungen.
  • Sie gewinnen Unterstützung aus unterschiedlichen sozialen Gruppen.
  • Sie haben unterschiedliche Historien, Interessen, Weltbilder und Umgangskulturen.
  • Sie konkurrieren um die Zustimmung derselben begrenzten Zahl von Wählerinnen und Wählern.

Ja, sie sind Rivalen. - Aber Rivalen sind nicht automatisch Feinde.

Diese Unterscheidung ist wichtig.

Eine Partei, die ständig davon spricht, ihre Gegner zu „bekämpfen“, mag ihre eigenen Anhänger für eine Weile mobilisieren. Aber demokratische Politik ist kein Krieg mit anderen Mitteln. In einer parlamentarischen Demokratie kann der heutige Rivale morgen Koalitionspartner, Verhandlungspartner oder notwendiger Verbündeter bei der Verteidigung eines verfassungsrechtlichen Prinzips sein.

Wer gerade eine dramatische Rede über die angeblich katastrophale Politik einer anderen Partei gehalten hat, muss möglicherweise kurze Zeit später mit eben dieser Partei in ein Vertrauensverhältnis eintreten.

Warum also unnötig den Brunnen vergiften?

  • Wir können andere Parteien selbstverständlich kritisieren. Wir müssen es sogar.
  • Wir können Widersprüche in ihren Programmen aufzeigen.
  • Wir können Vorschläge ablehnen, die wir für schädlich halten.
  • Wir können kraftvoll gegen Entscheidungen argumentieren, die wir für falsch halten.
  • Wir können dort klare demokratische Grenzen ziehen, wo dies notwendig ist.

Aber wir sollten zuerst Politik kritisieren, nicht Personen. - Argumente, nicht Motive.
Programme, nicht Stämme.

Es geht nicht darum, weichlich zu sein. - Es geht darum, nützlich zu bleiben.

Eine Mitgliederpartei sollte ihre begrenzte Energie nicht auf ritualisierte Feindseligkeit verschwenden. Sie sollte sich darauf konzentrieren, ihre eigene Agenda aufzubauen, zu erklären und zu verbessern.

Warum: Teilzeitpolitiker können sich ritualisierte Empörung nicht leisten

Das ist auch eine praktische Frage.

Berufspolitikerinnen und Berufspolitiker ohne gewöhnliche Erwerbsarbeit mögen Zeit für die vielen ritualisierten Streitigkeiten haben, die innerhalb und außerhalb von Parteien stattfinden: Fraktionsmanöver, taktische Eskalationen, symbolische Konflikte, Gegenangriffe, Positionierungen und sorgfältig inszenierte Empörung.

Unsere Mitglieder haben diese Zeit nicht.

Ein politisch erwachsener Teilzeitpolitiker hat vielleicht eine Stunde am Küchentisch nach der Arbeit.

Vermutlich weniger.

  • In dieser Stunde braucht er keinen neuen Skandal, der nur der Aufmerksamkeit dient.
  • Er braucht kein neues Feindbild.
  • Er braucht keine tägliche Aufforderung zur Empörung.
  • Er will nicht seine knappe Energie darauf zu verwenden, eine unbedachte Formulierung zu verteidigen.
  • Er will nicht, dass sein häuslicher Frieden durch Konflikte gestört wird, die keine Substanz hinzufügen.
  • Er braucht Orientierung.

Er muss verstehen, was geschehen ist, warum es wichtig ist, was unser Programm dazu sagt, welche Optionen bestehen, welche Zielkonflikte real sind und was getan werden kann.

Wenn politische Arbeit in das bürgerliche Tägliche Leben passen soll, dann muss die politische Kommunikation dieses Leben respektieren.

è  Deshalb ist eine langweilige Politik kein Luxus. - Sie ist eine Voraussetzung breiter Beteiligung.

Die ethische Grundlage: Vernunft vor roher Emotion

Unsere politische Ethik wurzelt in der europäischen Aufklärung.

Das bedeutet nicht, dass wir abstrakte Vernunft verehren, die vom menschlichen Leben losgelöst ist. Die Aufklärung in ihrem besten Sinne war niemals bloß kalte Berechnung. Sie war eine Disziplin öffentlichen Denkens: der Mut, Behauptungen zu prüfen, Autorität zu hinterfragen, Gründe zu geben, Fehler zu korrigieren und andere Menschen als urteilsfähige Wesen zu behandeln.

Diesen Geist brauchen wir.

Rohe, unreflektierte Emotion lässt sich leicht entfachen.

  • Angst ist leicht.
  • Groll ist leicht.
  • Spott ist leicht.
  • Misstrauen ist leicht.
  • Demütigung ist leicht.
  • Tägliche Empörung ist leicht.

Vernunft ist schwerer.

  • Sie erfordert Geduld.
  • Sie erfordert Evidenz.
  • Sie erfordert Vergleich.
  • Sie erfordert die Bereitschaft zu fragen, ob die eigene Seite irren könnte.
  • Sie erfordert den Mut, ruhig zu bleiben, wenn Ruhe gerade unmodern ist.

Wir lehnen deshalb die Politik permanenter emotionaler Erregung ab.

Nicht weil Emotionen unwichtig wären.

Das sind sie nicht.

  • Sorge um Kinder und Enkel ist emotional.
  • Liebe zur Freiheit ist emotional.
  • Trauer über ökologische Zerstörung ist emotional.
  • Zorn über Unrecht kann gerechtfertigt sein.
  • Hoffnung für Europa ist emotional.

Aber diese Emotionen müssen durch Vernunft diszipliniert und in verantwortliches Handeln überführt werden.

Sonst werden sie zum Treibstoff für Manipulation.

Was das praktisch bedeutet

Eine „langweilige“ politische Kultur bedeutet nicht, nichts zu tun.

Sie bedeutet, anders zu arbeiten.

  • Sie bedeutet, dass wir nicht jede Provokation kommentieren.
  • Sie bedeutet, dass wir Geschwindigkeit nicht mit Ernsthaftigkeit verwechseln.
  • Sie bedeutet, dass wir demokratische Rivalen nicht standardmäßig verteufeln.
  • Sie bedeutet, dass wir nicht jede Meinungsverschiedenheit zur moralischen Notlage erklären.
  • Sie bedeutet, dass wir nicht zulassen, dass soziale Medien unsere Tagesordnung bestimmen.
  • Sie bedeutet, dass wir politischen Wert nicht allein an Applaus, Wut oder Reichweite messen.

Stattdessen fragen wir:

  • Was sagt unser Programm?
  • Was sind die Fakten?
  • Welche Werte sind betroffen?
  • Wer wird geschädigt?
  • Wer profitiert?
  • Welche Zielkonflikte sind real?
  • Was wäre verhältnismäßig?
  • Was können wir tatsächlich tun?
  • Was sollten wir unseren Mitgliedern erklären?
  • Worüber sollten wir den Bürgerinnen und Bürgern berichten?

In normalen Zeiten kann dies eher zu regelmäßigen, nüchternen Fortschrittsberichten führen als zu täglichem Drama.

  • Woran haben wir gearbeitet?
  • Was haben wir gelernt?
  • Wo haben Mitglieder beigetragen?
  • Welche Vorschläge werden entwickelt?
  • Was bleibt offen?
  • Wo haben wir unsere Auffassung geändert?
  • Was kommt als Nächstes?

Wäre es nicht erfrischend, wenn politische Akteure einfach ruhig und unaufgeregt gute Arbeit leisten — und dann regelmäßig über ihre Fortschritte berichten würden?

Nicht als Spektakel. - Sondern als Rechenschaft.

Externe Krisen: Aufregung wird es genug geben

Das bedeutet nicht, dass Politik ereignislos wird.

Ganz im Gegenteil.

Äußere Entwicklungen werden mehr als genug Dramatik liefern: geopolitische Krisen, Klimaschocks, Migrationsdruck, technologische Umbrüche, finanzielle Instabilität, demokratischer Rückbau, Konflikte außerhalb Europas und Konflikte innerhalb Europas.

Eine Partei kann solche Ereignisse nicht beeinflussen. - Aber sie kann steueern, wie sie darauf reagiert.

Unsere Reaktionen sollten logisch aus der Weltsicht folgen, die in unserem Programm formuliert ist. Sie sollten für Mitglieder verständlich sein, bevor sie öffentlich verkündet werden. Sie sollten möglichst wenige Überraschungen enthalten.

Berechenbarkeit ist keine Schwäche. - In demokratischer Politik kann Berechenbarkeit eine Tugend sein.

Bürgerinnen und Bürger sollten ungefähr vorhersehen können, wie eine Partei argumentieren wird, noch bevor sie eine Stellungnahme veröffentlicht hat. Mitglieder sollten nicht rätseln müssen, ob die persönliche Stimmung eines Sprechers die Partei über Nacht in eine neue Richtung lenkt. Koalitionspartner sollten darauf vertrauen können, dass sich erklärte Prinzipien unter Druck nicht einfach verflüchtigen.

Eine langweilige Partei ist keine passive Partei.

Sie ist eine Partei, deren Reaktionen verständlich sind, weil ihre Prinzipien bekannt sind.

Was daraus folgt: Langweilige Politik macht Mitgliedschaft möglich

Eine mitgliederbasierte Partei kann nur in einer solchen Arbeitskultur erfolgreich zusammenarbeiten.

  • Wenn Mitglieder ständig durch Empörung mobilisiert werden, brennen sie aus.
  • Wenn Rivalen ständig verteufelt werden, wird Kooperation schwieriger.
  • Wenn jedes Thema zum Theater wird, leidet die Substanz.
  • Wenn jede öffentliche Erklärung auf maximale Aufmerksamkeit zielt, leidet Vertrauen.
  • Wenn interne Debatten den Kampfmodus sozialer Medien nachahmen, werden sich normale  Bürgerinnen und Bürger abwenden.

Eine Partei politisch mündiger Feierabendpolitiker braucht einen anderen Rhythmus.

  • Sie braucht ruhigen Nachdruck.
  • Sie braucht prinzipiengeleiteten Widerspruch.
  • Sie braucht disziplinierte Sprache.
  • Sie braucht strukturierte Debatte.
  • Sie braucht regelmäßige Erklärung.
  • Sie braucht nüchterne Berichterstattung.
  • Sie braucht ethische Konsistenz.
  • Sie braucht Geduld ohne Passivität.

Das mag langweilig klingen. - Gut so.

Demokratie könnte mehr langweilige Kompetenz vertragen.

  • Nicht weniger Überzeugung.
  • Nicht weniger Mut.
  • Nicht weniger moralischen Ernst.
  • è  Aber weniger Theater.

  • Weniger Lärm.
  • Weniger persönliche Eitelkeit.
  • Weniger ritualisierte Feindseligkeit.
  • Weniger tägliche Empörung.
  • è  Und mehr Arbeit.

Am nächsten Freitag wenden wir uns der letzten Frage dieser Reihe zu:

è  Das politische Orakel — kann ein KI-Agent uns helfen, die Informationsflut zu bewältigen?

Kommentierte APA-7-Referenzen>

  1. Bormann, M., Tranow, U., Vowe, G., & Ziegele, M. (). Effects of political incivility on political trust and political participation: A meta-analysis of experimental research. Human Communication Research, 48(2), –.
    • Diese Meta-Analyse ist für Beitrag #6 besonders relevant, weil sie untersucht, wie unzivile politische Kommunikation Vertrauen und Beteiligung beeinflusst. Die Autoren zeigen, dass politische Unhöflichkeit beziehungsweise Aggressivität das politische Vertrauen schwächt, während ihr durchschnittlicher Effekt auf politische Beteiligung nahe null liegt; in Europa zeigt sich sogar ein leicht negativer Effekt. Das stützt die These, dass verbale Aggression zwar Aufmerksamkeit erzeugen kann, demokratisches Engagement aber nicht unbedingt stärkt.

  2. Edelman, M. (). Constructing the political spectacle. University of Chicago Press.
    • Edelman ist eine zentrale Referenz für die Kritik am politischen Theater. Er zeigt, wie politische Führungsfiguren, Feinde, soziale Probleme und Nachrichten als Spektakel konstruiert werden. Für den Beitrag ist dies wichtig, weil es die Annahme stützt, dass politische Dramatisierung nicht bloß Kommunikation ist, sondern öffentliche Angst, Hoffnung und Aufmerksamkeit formt.

  3. Esmark, A. (). The new technocracy. Policy Press.
    • Esmark ist als Gegenwarnung wichtig. Wer „langweilige Politik“ fordert, darf nicht in sterile Technokratie verfallen. Seine Analyse technokratischer Regierungsformen zeigt, wie demokratische Entscheidungen entpolitisiert werden können und dadurch populistische Gegenreaktionen begünstigt werden. Für den Beitrag stützt dies die notwendige Abgrenzung: langweilige Politik bedeutet nicht Expertenherrschaft, sondern verantwortliche demokratische Arbeit mit weniger Spektakel.

  4. Gutmann, A., & Thompson, D. (). Why deliberative democracy? Princeton University Press.
    • Gutmann und Thompson liefern die normative Grundlage für eine Politik des Gründegebens und des gegenseitigen Respekts. Ihr Modell deliberativer Demokratie will Konflikte nicht abschaffen, verlangt aber, dass öffentliche Entscheidungen mit Gründen gerechtfertigt werden, die andere prüfen können. Dies unterstützt die Unterscheidung zwischen legitimer politischer Auseinandersetzung und theatralischer Feindseligkeit.

  5. Iyengar, S., Lelkes, Y., Levendusky, M., Malhotra, N., & Westwood, S. J. (). The origins and consequences of affective polarization in the United States. Annual Review of Political Science, 22, –.
    • Diese Arbeit hilft zu erklären, warum Politik unnötige Feindbilder vermeiden sollte. Affektive Polarisierung bedeutet nicht bloß sachliche Meinungsverschiedenheit, sondern emotionale Abneigung und Misstrauen gegenüber anderen politischen Gruppen. Auch wenn der Artikel die USA behandelt, ist das Konzept für Europa relevant, wo politische Identitäten ebenfalls in moralische Gegnerschaft kippen können.

  6. Landerer, N. (). Rethinking the logics: A conceptual framework for the mediatization of politics. Communication Theory, 23(3), –.
    • Landerer erklärt, wie politische Akteure sich an Medienlogiken anpassen. Der Beitrag ist nützlich, weil er zeigt, warum moderne Politik in Richtung Sichtbarkeit, Publikumsorientierung, Vereinfachung und Konflikt gezogen wird. Damit stützt er die These, dass eine nüchterne politische Arbeitskultur bewusst gegen die Anreize einer aufmerksamkeitsgetriebenen Medienumgebung arbeiten muss.

  7. Lau, R. R., Sigelman, L., & Rovner, I. B. (). The effects of negative political campaigns: A meta-analytic reassessment. The Journal of Politics, 69(4), –.
    • Diese Meta-Analyse relativiert die verbreitete Annahme, aggressive Kampagnen seien einfach wirksame Politik. Die Autoren finden keine verlässliche Evidenz dafür, dass negative Kampagnen besonders geeignet sind, Wahlen zu gewinnen. Zugleich zeigen sich leichte negative Effekte auf politische Wirksamkeitserwartungen, Vertrauen in die Regierung und öffentliche Stimmung. Das unterstützt die Skepsis gegenüber ritualisierter Angriffspolitik.

  8. Manin, B. (). The principles of representative government. Cambridge University Press.
    • Manins Analyse des Übergangs von Parteiendemokratie zu „Publikumsdemokratie“ hilft zu verstehen, warum moderne Politik stärker auf öffentliche Inszenierung und medienwirksame Persönlichkeiten ausgerichtet ist. Für den Beitrag ist seine Arbeit relevant, weil sie erklärt, warum Politik zunehmend für ein Publikum aufgeführt wird, statt als geduldige kollektive Arbeit organisiert zu sein.

  9. Moffitt, B. (). The global rise of populism: Performance, political style, and representation. Stanford University Press.

    • Moffitt beschreibt Populismus als politischen Stil und betont dessen performative Dimension. Besonders relevant sind seine Elemente: der Gegensatz zwischen „dem Volk“ und „der Elite“, „schlechte Manieren“ und die Inszenierung von Krise, Zusammenbruch oder Bedrohung. Dies passt unmittelbar zur Kritik des Beitrags an permanentem Drama und künstlich erzeugter Dringlichkeit.

  10. Mouffe, C. (). Agonistics: Thinking the world politically. Verso.
    • Mouffe ist eine wichtige Gegenstimme zu übermäßiger deliberativer Ruhe. Ihre agonistische Demokratietheorie betont, dass pluralistische Demokratie Konflikt und Leidenschaft braucht. Demokratische Institutionen sollten Antagonismus jedoch in Agonismus verwandeln: Gegner sind dann legitime Widersacher, deren Recht auf Streit anerkannt wird, nicht Feinde, die zerstört werden müssen. Das stützt die verfeinerte These des Beitrags: langweilige Politik soll Konflikt nicht unterdrücken, sondern zivilisieren.

  11. Mudde, C., & Rovira Kaltwasser, C. (). Populism: A very short introduction. Oxford University Press.
    • Mudde und Rovira Kaltwasser definieren Populismus als dünnzentrierte Ideologie, die Gesellschaft in zwei homogene und antagonistische Lager teilt: „das reine Volk“ und „die korrupte Elite“. Diese Referenz ist nützlich, um vor einer politischen Sprache zu warnen, die Meinungsverschiedenheit in moralischen Krieg verwandelt. Sie unterstützt die Präferenz des Beitrags für Rivalen und Wettbewerber statt Feinde.

  12. Van Aelst, P., Sheafer, T., & Stanyer, J. (). The personalization of mediated political communication: A review of concepts, operationalizations and key findings. Journalism, 13 (2)
    • Überblicksarbeit verankert die These, dass medienvermittelte politische Kommunikation häufig personalisiert wird. Sie hilft zu erklären, warum Politik sich auf Gesichter, Führungsfiguren und individuelle Dramen konzentriert, statt auf Programme, Verfahren und institutionelle Arbeit. Das unterstützt die Aussage, dass eine programmgeleitete und nüchterne Parteikultur gegen die Anreize zeitgenössischer Medien arbeiten muss.

Why Does Politics Need to Become Boring?

Because Serious Work Does Not Need Daily Theatre

In our previous contribution, Less Personality, More Programme,” we argued that a good party platform can save us a great deal of trouble, confusion and endless repetition.

A programme does not abolish political judgement. - But it gives judgement a compass.

It helps members decide whether a new proposal, a new crisis or a new public debate fits the party’s principles, priorities and long-term mission. It prevents every discussion from starting again at zero. It reduces dependence on charismatic personalities. It makes politics more reliable.

But a programme alone is not enough. - A party also needs a working culture.

That brings us to the sixth question in our series:

Why do we opt for a “boring” but consistent approach without all the usual fuss?

The answer is simple:

→ Because serious politics does not need daily theatre.

What: Politics should become boring — in the right sense

Let us begin by preventing a misunderstanding.

When we say that politics needs to become boring, we do not mean that politics should become lifeless, cowardly, emotionless or technocratic.

  • We do not mean that conflict should disappear.
  • We do not mean that injustice should be met with polite silence.
  • We do not mean that moral passion has no place in politics.
  • We do not mean that citizens should be pacified by administrative language.

Politics is about real conflicts, real interests, real suffering, real hopes and real futures. A politics without moral energy would not be more democratic. It would merely be colder.

So, what do we mean?

We mean that politics should become boring in the same sense in which good engineering, good accounting, good medicine and good administration are boring: reliable, disciplined, transparent, competent and not dependent on daily drama.

Boring does not mean passionless.

It means that passion is put in service of reason, programme and responsibility — not in service of spectacle.

Our strategic statement is this:

Europeans for the Planet wants a political working culture that is sober, programme-led, ethically grounded and predictable — because a members’ party of part-time political adults cannot succeed if it imitates the rituals of permanent political theatre.

How: Less theatre, more work

Much of what passes for politics today is performance.

  • A politician gives a fiery speech.
  • A rival is denounced.
  • A phrase is sharpened for the evening news.
  • A conflict is dramatised.
  • A social-media wave is provoked.
  • A party declares that an opponent has finally revealed their true face.

The other side responds in kind. The next day, the cycle begins again.

Everyone is excited. Almost nothing has been clarified.

This is not accidental.

In a highly personalised political landscape, attention is currency. A politician unknown to the public struggles to be elected, even if the programme is excellent. A movement without a recognisable face struggles to be covered, even if its reasoning is sound. Media logic rewards conflict, novelty, visibility and emotion. Social media intensifies this further.

We are not blind to that reality.

But we do not believe that a serious party should simply surrender to it.

Our task is not to produce a new spectacle every morning. Our task is to do political work: to understand the world, apply our programme, develop proposals, organise members, explain decisions, correct errors and build trust.

That kind of work is rarely theatrical.

  • It is often repetitive.
  • It is often careful.
  • It is often slow.
  • It is often invisible.
  • It is often, frankly, boring.

But it is also necessary.

Why: We need rivals, not enemies

Political parties differ.

  • They hold different views.
  • They draw support from different social groups.
  • They have different histories, interests, worldviews and cultures of interaction.
  • They compete for the support of the same finite body of voters.

So yes, they are rivals. - But rivals are not automatically enemies.

This distinction matters.

A party that constantly speaks of “fighting” its opponents may excite its own supporters for a while. But democratic politics is not war by other means. In a parliamentary democracy, today’s rival may become tomorrow’s coalition partner, negotiating counterpart or necessary ally in defence of a constitutional principle.

Someone who has just delivered a dramatic speech condemning the allegedly disastrous policies of another party may, not long afterwards, need to enter into a relationship of trust with that same party.

Why then poison the well unnecessarily?

  • We can certainly criticise other parties. We must.
  • We can expose contradictions in their programmes.
  • We can reject proposals we consider harmful.
  • We can argue forcefully against decisions we believe to be wrong.
  • We can draw clear democratic boundaries where necessary.

But we should criticise policies before personalities, arguments before motives, programmes before tribes.

The point is not to be soft. The point is to remain useful.

A members’ party should not waste its limited civic energy on ritualised hostility. It should concentrate on building, explaining and improving its own agenda.

Why: Part-time politicians cannot afford ritual outrage

This is also a practical matter.

Professional politicians without ordinary day jobs may have time for the many ritual quarrels that occur inside and outside parties: factional manoeuvres, tactical escalations, symbolic conflicts, retaliatory remarks, positioning exercises, and carefully staged indignation.

Our members do not.

A part-time political adult may have one hour at the kitchen table after work.

Probably less.

In that hour, they do not need a new scandal manufactured for attention.

  • They do not need another enemy image.
  • They do not need a daily command to be outraged.
  • They do not need to spend their scarce civic energy defending someone’s careless phrase.
  • They do not need a domestic peace disturbed by conflicts that add no substance.
  • They need orientation.

They need to understand what happened, why it matters, what our programme says, what options exist, which trade-offs are real, and what can be done.

If political work is to fit into ordinary lives, then political communication must respect ordinary lives.

→ That is why a boring politics is not a luxury. It is a precondition for broad participation.

The ethical foundation: reason before raw emotion

Our political ethics are rooted in the European Enlightenment.

That does not mean we worship abstract reason detached from human life. The Enlightenment at its best was never merely cold calculation. It was a discipline of public reasoning: the courage to examine claims, test authority, give reasons, revise errors and treat other human beings as capable of judgement.

That is the spirit we need.

Raw, unthinking emotion is easy to stir.

  • Fear is easy.
  • Resentment is easy.
  • Mockery is easy.
  • Suspicion is easy.
  • Humiliation is easy.
  • Daily outrage is easy.

Reason is harder.

  • It requires patience.
  • It requires evidence.
  • It requires comparison.
  • It requires the willingness to ask whether one’s own side may be wrong.
  • It requires the courage to remain calm when calmness is unfashionable.

We therefore reject the politics of permanent emotional arousal.

Not because emotions are irrelevant. - They are not.

  • Concern for children and grandchildren is emotional.
  • Love of freedom is emotional.
  • Grief over ecological destruction is emotional.
  • Anger at injustice may be justified.
  • Hope for Europe is emotional.

But these emotions must be disciplined by reason and shaped into responsible action.

Otherwise, they become fuel for manipulation.

What this means in practice

A boring political culture does not mean doing nothing.

It means working differently.

  • It means we do not comment on every provocation.
  • It means we do not mistake speed for seriousness.
  • It means we do not vilify democratic rivals by default.
  • It means we do not turn every disagreement into a moral emergency.
  • It means we do not allow social media to set our agenda.
  • It means we do not measure political value by applause, anger or reach alone.

Instead, we ask:

  • What does our programme say?
  • What are the facts?
  • Which values are affected?
  • Who is harmed?
  • Who benefits?
  • Which trade-offs are real?
  • What would be proportionate?
  • What can we actually do?
  • What should we explain to our members?
  • What should we report back to citizens?

In ordinary times, this may lead to regular, sober progress reports rather than daily drama.

  • What have we worked on?
  • What have we learned?
  • Where did members contribute?
  • Which proposals are being developed?
  • What remains open?
  • Where did we change our view?
  • What comes next?

Would it not be refreshing if political actors simply did good work quietly and unobtrusively, and then reported regularly on progress?

Not as a spectacle. - As accountability.

External crises: enough excitement will come from outside

This does not mean that politics will become uneventful.

Quite the opposite.

External developments will provide more than enough drama: geopolitical crises, climate shocks, migration pressures, technological disruptions, financial instability, democratic backsliding, conflicts beyond Europe’s borders and conflicts within it.

A party cannot control such events. - But it can control how it responds.

Our reactions should flow logically from the worldview set out in our programme. They should be understandable to members before they are announced to the public. They should contain as few surprises as possible.

Predictability is not weakness. In democratic politics, predictability can be a virtue.

Citizens should be able to anticipate how a party will reason, even before it has issued a statement. Members should not have to wonder whether a spokesperson’s personal mood will redirect the party overnight. Coalition partners should be able to trust that declared principles will not evaporate under pressure.

A boring party is not a passive party.

It is a party whose reactions are intelligible because its principles are known.

What follows: Boring politics makes membership possible

A membership-based party can only collaborate successfully within such a working culture.

  • If members are constantly mobilised through anger, they will burn out.
  • If rivals are constantly vilified, cooperation becomes harder.
  • If every issue becomes theatre, substance disappears.
  • If every public statement is designed for maximum attention, trust suffers.
  • If internal discussion imitates social-media combat, ordinary citizens will leave.

A party of part-time political adults needs a different rhythm.

  • It needs calm urgency.
  • It needs principled disagreement.
  • It needs disciplined language.
  • It needs structured debate.
  • It needs regular explanation.
  • It needs sober reporting.
  • It needs ethical consistency.
  • It needs patience without passivity.

That may sound boring. - Good.

Democracy could use more boring competence.

  • Not less conviction.
  • Not less courage.
  • Not less moral seriousness.

  • ->But less theatre.

  • Less noise.
  • Less vanity.
  • Less ritual hostility.
  • Less daily outrage.

  • -> And more work.

Next Friday, we will address the final question in this series:

The political oracle — can an AI agent help us navigate the flood of information?

2 Annotated APA 7 references

  1. Bormann, M., Tranow, U., Vowe, G., & Ziegele, M. (2022). Effects of political incivility on political trust and political participation: A meta-analysis of experimental research. Human Communication Research, 48(2), 203–229.
    • This meta-analysis is directly relevant to article #6 because it examines whether uncivil political communication affects trust and participation. The authors found that incivility has a negative effect on political trust, while its average effect on political participation is close to zero; in Europe, the effect on participation was small and negative. This supports the argument that verbal aggression may attract attention without strengthening democratic engagement.

  2. Edelman, M. (1988). Constructing the political spectacle. University of Chicago Press.
    • Edelman is one of the most useful references for the critique of political theatre. His work challenges the assumption that citizens simply react rationally to facts and examines how political leaders, enemies, social problems and news are constructed as spectacle. This supports the article’s claim that much political drama is not neutral communication but a symbolic performance shaping public fear, hope and attention.

  3. Esmark, A. (2020). The new technocracy. Policy Press.
    • Esmark is important as a warning against overcorrecting towards sterile technocracy. His work analyses how technocratic governance can depoliticise democratic choices and contribute to populist backlash. This reference should be used to clarify that “boring politics” does not mean rule by experts or the suppression of conflict; it means responsible democratic work conducted with less spectacle.

  4. Gutmann, A., & Thompson, D. (2004). Why deliberative democracy? Princeton University Press.
    • Gutmann and Thompson provide the normative backbone for a politics of reason-giving and mutual respect. Their deliberative model does not abolish disagreement, but asks citizens and representatives to justify public decisions with reasons that others can assess. This supports the article’s distinction between legitimate conflict and theatrical hostility.

  5. Iyengar, S., Lelkes, Y., Levendusky, M., Malhotra, N., & Westwood, S. J. (2019). The origins and consequences of affective polarization in the United States. Annual Review of Political Science, 22, 129–146.
    • This reference is useful for explaining why politics should avoid unnecessary enemy-making. Affective polarisation concerns dislike and distrust of opposing partisan groups, not merely disagreement over policy. While the article focuses on Europe, the concept is relevant wherever political identities become emotionally antagonistic. It supports the call to criticise policies and programmes without automatically turning rivals into moral enemies.

  6. Landerer, N. (2013). Rethinking the logics: A conceptual framework for the mediatization of politics. Communication Theory, 23(3), 239–258.
    • Landerer helps explain why political actors adapt to media logic. The article is useful for the claim that modern politics is pulled towards visibility, audience orientation and simplified conflict. It supports the argument that a sober party culture must deliberately resist the incentives of an attention-driven media environment.

  7. Lau, R. R., Sigelman, L., & Rovner, I. B. (2007). The effects of negative political campaigns: A meta-analytic reassessment. The Journal of Politics, 69(4), 1176–1209.
    • This meta-analysis is useful because it complicates the assumption that aggressive campaigning is simply effective politics. The authors found no reliable evidence that negative campaigning is an especially effective way to win votes, although it is more memorable; they also found slight negative effects on political efficacy, trust in government and public mood. This supports the article’s scepticism towards ritualised attack politics.

  8. Manin, B. (1997). The principles of representative government. Cambridge University Press.
    • Manin’s discussion of the transformation from party democracy to “audience democracy” is useful for understanding why modern politics becomes increasingly oriented towards public performance and media-facing personalities. His work supports the article’s diagnosis that politics is often staged for audiences rather than organised as patient collective work.

  9. Moffitt, B. (2016). The global rise of populism: Performance, political style, and representation. Stanford University Press.
    • Moffitt provides a contemporary theory of politics as performance, especially in populist style. He identifies three central features of populism as political style: appeal to “the people” versus “the elite,” “bad manners,” and crisis, breakdown or threat. This is highly relevant to the article’s critique of permanent drama and manufactured urgency.

  10. Mouffe, C. (2013). Agonistics: Thinking the world politically. Verso.
    • Mouffe is important as a counterweight to excessive deliberative calm. Her agonistic theory insists that pluralist democracy needs conflict and passion, but that democratic institutions should turn antagonism into agonism: rivals should be adversaries whose right to contest is recognised, not enemies to be destroyed. This supports the article’s refined claim: boring politics should not suppress conflict; it should civilise it.

  11. Mudde, C., & Rovira Kaltwasser, C. (2017). Populism: A very short introduction. Oxford University Press.
    • Mudde and Rovira Kaltwasser define populism as a thin-centred ideology that divides society into two homogeneous and antagonistic camps: “the pure people” and “the corrupt elite.” This reference is useful for warning against political language that turns disagreement into moral war. It supports the article’s preference for rivals and competitors over enemies.

  12. Van Aelst, P., Sheafer, T., & Stanyer, J. (2012). The personalization of mediated political communication: A review of concepts, operationalizations and key findings. Journalism, 13(2), 203–220.
    • This review is useful for grounding the broader claim that mediated political communication often becomes personalised. It helps explain why politics tends to focus on faces, leaders and individual drama rather than programmes, procedures and institutional work. It supports the article’s claim that a programme-led, sober party culture must work against the incentives of contemporary media.

Das politische Orakel

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